Sony MDR-1ABT: Verborgene Qualitäten

Der aktuelle Premium-Kopfhörer von Sony lässt mit Touch-Bedienung aufhorchen. Beim näheren Hinhören ist seine neue Bluetooth-Technik aber die wahre Innovation.

(c) Sony

Rein äußerlich ist er in der Premiumklasse nur einer unter vielen. Zwar wirkt der Kunststoff des Sony MDR-1ABT wertig, die roten Zierapplikationen versprühen sogar ein wenig Chic, aber abgesehen davon, dass er definitiv nicht nach Billigmodell aussieht, vermag er optisch kaum zu beeindrucken.

Dennoch hat der Bluetooth-Kopfhörer etwas mit den Designheadsets BeoPlay H8 und mit dem von Philippe Starck entworfenen Parrot Zik gemeinsam: Man kann die Musik über die touchsensitive rechte Ohrmuschel steuern. Das und ein laut Sony besonders guter Klang heben das aktuelle Kopfhörerflaggschiff der Japaner doch von der Masse ab. Trotz der Betonung der klanglichen Fähigkeiten ist der MDR-1ABT ganz auf Bluetooth ausgelegt. Was auf den ersten Blick verwundert, da Bluetooth und Musik in höchster Qualität wegen der notwendigen Datenkompression ein Widerspruch sind. Eine Sony-eigene, LDAC getaufte Technik macht die Datenübertragung aber selbst für Hi-res-Daten effizient genug – immer vorausgesetzt, das Sendegerät kann ebenfalls LDAC. So weit, so gut. In der Praxis gefällt der Klang selbst über „altes“ Bluetooth (mit AptX) auf Anhieb. Die Abstimmung wirkt neutral mit leichter, nicht unangenehmer Bassbetonung. Ein guter Kompromiss zwischen (dem Klischee nach) dynamikhungrigem jüngeren Publikum und Zurückhaltung bevorzugenden, reiferen Höhern. Im Vergleich zum Sennheiser-Momentum-Wireless scheint er etwas spritziger, dafür nicht ganz so vollmundig. Trotz eines Frequenzgangs weit jenseits der Hörgrenze (4–100.000 Hz) muss er sich in der Detailauflösung dem kabelgebundenen Veteranen MDR-V7 deutlich geschlagen geben – zumindest, bis LDAC ins Spiel kommt. Mit dem Z5 Compact, einem der wenigen Geräte, die neue Technik bereits unterstützen, klangen selbst MP3s deutlich transparenter und dynamischer als ohne LDAC. Das gilt umso mehr für Musik in voller CD- oder High-res-Auflösung, die nun auch via Bluetooth ihre Berechtigung hat.


Wichtige Nuancen.
Natürlich sind es nur Nuancen, aber der Unterschied ist groß genug, um auch emotional eine Wirkung zu erzielen. LDAC katapultiert den MDR-1ABT eine Klasse höher. Umso schmerzlicher, dass die Technologie (derzeit) nur auf wenigen Geräten eines Herstellers zur Verfügung steht.

Was die Touch-Bedienung betrifft, so funktioniert sie recht gut, nur der „Doppelklick“ für Play/Pause erfordert etwas Übung, und die Lautstärkeregelung ist zu fein, man muss viel wischen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dafür ist sie nicht übersensibel, und man kann sich sogar auf die Ohrmuschel legen, ohne dass die Bedienung verrücktspielt. Der perfekte Sitz (auf dem Kopf des Testers) sorgt unterwegs für guten Halt, die weiche Polsterung lässt den Kopfhörer daheim fast vergessen. Mit langer Akkulaufzeit (laut Sony 30 Stunden) und NFC gibt er sich auch in den Basics keine Blöße.

Fazit: Die Touch-Bedienung ist ein netter Gag, die wahre Stärke des MDR-1ABT heißt LDAC, das eindeutig mehr als ein Marketingtrick ist – aber leider (noch) kaum ein Gerät unterstützt. Ohne dieses klingt der Kopfhörer zwar ebenfalls sehr sympathisch, höchste Sphären bleiben ihm aber verwehrt. Was zudem fehlt, ist aktives Noise Cancelling. So ist der Preis von 350 Euro zwar nicht unangemessen, ein Kauftipp ist der MDR-1ABT aber nur für Sony-Fans, die sich auch einen passenden Zuspieler anschaffen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2015)

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