Walkman statt iPod: Retro-Spieler im digitalen Zeitalter

30.06.2009 | 15:17 |  Sara Gross (DiePresse.com)

Ein 13-Jähriger hat zum 30er des Walkman seinen iPod beiseite gelegt und den Schulbus eine Woche lang mit einem klobigen Kassettenspieler betreten.

Am 1. Juli 1979 hat Sony den Alltag städtischer Nomaden revolutioniert. Der tragbare Kassettenspieler TPS-L2 beförderte mit dem Musikhören ein Stück Privatleben in die Öffentlichkeit. Egal ob Art Garfunkel, Peter Alexander, ABBA oder Kiss: Erstmals war es möglich mit klassischem "Homeentertainment" die Langeweile alltäglicher Routine zu vertreiben. Der Einkauf, der Weg zur Arbeit und selbst das Warten auf den Bus wurde von einer lästigen Haupt- zu einer erträglichen Nebenbeschäftigung - Hauptsache der Soundtrack stimmt.

30 Jahre später ist die Immer- und Überall-Musik zur Selbstverständlichkeit geworden und in den U-Bahnen und Bussen sind Ohren ohne "Stöpseln" ein seltener Anblick. Der bunte, kleine iPod ersetzt längst den klobigen, grauen Walkman und die jüngere Generation hat den analogen Großvater des mp3-Players oft schon ganz vergessen. Der 13-jährige Scott Campbell hat auf Einladung der britischen BBC seinen iPod eine Woche lang gegen einen alten Sony Walkman eingetauscht. Im Schulbus haben die Reaktionen von Gelächter bis hin zu Bewunderung ("Groovy") gereicht und in so mancher Schulstunde war auf einmal das Musikhören gestattet, weil ein Lehrer den Walkman "erkannt hat und nostalgisch wurde".

"metal" ist kein Genre

Überzeugen konnte der graue Kasten den 13-Jährigen jedoch nicht. Zwölf Lieder auf einer Kassette - kaum ein iPod-Besitzer kann sich das heute noch vorstellen. Campbell hat drei Tage gebraucht, um zu entdecken, dass die Kassette eine zweite Seite hat. Ein kleiner Regler mit dem man zwischen "metal" und "normal" hin und her schalten kann, hat auch zu Verwirrungen geführt. Der Schüler hielt es zunächst für eine Möglichkeit, das Gerät an das Genre der Musik anzupassen. Tatsächlich geht es um zwei Kassetten-Arten zwischen denen man entscheiden muss. In eine Hosentasche passt der alte Walkman auch nicht und die Batterien halten wenig mehr als drei Stunden. Auch die beliebte Digital-Funktion "shuffle" hat der 13-Jährige vermisst, aber einen Weg gefunden, sie nachzuahmen. Er hat seinen Finger einfach auf den Knöpfen zum Vor- oder Zurückspulen gehalten und an einer zufälligen Stelle losgelassen.

Einen Vorteil hat Campell dann doch entdeckt: "Der Walkman hat zwei Kopfhörer-Buchsen, sodass ich das bisschen Musik wenigstens mit Freunden teilen kann. Um zwei Kopfhörer an einen iPod anschließen zu können, muss man einen speziellen Adapter kaufen".

 

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