Ein Arbeitstag im Dex-Modus

Mit dem Samsung Dex wird das Smartphone zur mobilen Recheneinheit. Eine eigene Oberfläche soll dem PC endgültig den Todesstoß versetzen. Zumindest in der Theorie.

Der Rechner in der Hosentasche? Noch nicht ganz.
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Der Rechner in der Hosentasche? Noch nicht ganz.
Der Rechner in der Hosentasche? Noch nicht ganz. – (c) Samsung

Vor zehn Jahren schaffte Apple, was anderen Unternehmen nicht gelingen wollte: Das Smartphone massentauglich zu machen. Seit 2007 ist viel passiert. Smartphones wurden größer und leistungsfähiger. Mittlerweile sind es Computer im Kleinformat. Mit Samsung Dex und ähnlichen Entwicklungen wie zum Beispiel Microsofts Continuum könnte es dem PC schon bald an den Kragen gehen. Es ist Samsungs erster Schritt hin zum Laptop-Ersatz.

Die Einrichtung der Station ist denkbar einfach und in weniger als einer Minute erledigt. Viel zum Anstecken gibt es auch nicht. Ein HDMI-Kabel verbindet Monitor und Dex. Tastatur und Maus werden über Bluetooth oder über Funk angeschlossen. Als Recheneinheit dient ein Galaxy S8 oder S8 Plus. Schiebt man die Schale auf, wird der USB-Typ-C-Anschluss sichtbar, worüber das Gerät geladen wird. Die „Rückenstütze“ fungiert gleichzeitig als Kühlung, die zwar öfter im Test aktiv war, aber sich nie lautstark bemerkbar gemacht hat.

Schritt in Richtung Laptop-Ersatz

Im Dex-Modus öffnet sich am Hauptbildschirm eine sehr an Windows angepasste Oberfläche. Auch die bekannten Tastaturkommandos wurden implementiert. Sehr praktisch, da man nicht viel Zeit damit verbringen muss, sich zurechtzufinden. Unten links befindet sich das Hauptmenü, Android-Schaltflächen und alle geöffneten Apps. Benachrichtigungen werden unten rechts angezeigt und lassen sich auch dort aufrufen. Ein Arbeitstag geht überraschend gut von der Hand.

E-Mails beantworten, Recherche im Internet und das Schreiben von Notizen und sogar Artikel im Online-Redaktionssystem funktionieren. Kleines, aber feines Detail: SMS lassen sich ebenfalls per Dex über die angeschlossene Tastatur und den Bildschirm verschicken. Und in der Mittagspause können die am Smartphone installierten Games über den großen Bildschirm gezockt werden. Die vier Gigabyte RAM, die das Galaxy S8 liefert, reichen dafür allemal aus.

Trotz der Auflösung von 2960 x 1440 Pixel ist bei der Übertragung auf einen großen Display bei Full-HD Schluss. Außerdem sind noch nicht alle Apps auf die großformatige Darstellung ausgelegt. Enervierend ist die Restriktion von Microsoft. Die Office-Apps sind kostenlos; bis zu einer Gerätegröße von 10,1 Zoll. Die Apps erkennen den Unterschied und verlangen die Registrierung zum Abo.


Wer will schon telefonieren?

Ein großer Nachteil ist, dass durch Dex die eigentliche Hauptaufgabe des Smartphones außer Kraft gesetzt wird: das Telefonieren. Arbeiten und gleichzeitig telefonieren, das funktioniert nämlich nicht. Außer, es ist ein Bluetooth-Headset verbunden. Das Gerät einfach abziehen und lostelefonieren klingt in der Theorie vielversprechend, scheitert aber an der Praxis. Wer ohne Speichern das Gerät aus der Schale entfernt, riskiert den Verlust von Daten. Bis das Gerät wieder in den Normalmodus wechselt (das dauert ein paar Sekunden), hat der Anrufer meist schon wieder aufgelegt.

Die Gretchenfrage

Der Samsung Dex macht schon einiges richtig. Wie bei jeder Neuanschaffung muss man sich aber fragen, was das eigene Anwendungsszenario ist. Für User, die Bilder bearbeiten und Videos schneiden wollen, führt (noch) kein Weg an einem Hauptgerät vorbei. Für User, die hauptsächlich über das Smartphone kommunizieren, ist es eine bequeme und (für 149 Euro) günstigere Alternative zu einem vollwertigen PC.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2017)

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