Jajah: Internetpioniere machen Kasse

Die Jajah-Gründer Scharf und Mattes haben es bis ins kalifornische Silicon Valley geschafft. Fünf Jahre nach der Gründung wollen sie Jajah für 200 Mio. Dollar verkaufen.

Roman Scharf und Daniel Mattes.
Roman Scharf und Daniel Mattes.
(c) Jajah

Wien. Die beiden Österreicher und Internetpioniere Roman Scharf und Daniel Mattes stehen vor dem Geschäft ihres Lebens: Der von ihnen gegründete Online-Telefonanbieter Jajah (sprich: Dschadscha) soll für 200 Mio. Dollar (139 Mio. Euro) an die Mobilfunktochter O2 des spanischen Telekomkonzerns Telefonica verkauft werden. Auch Microsoft und der US-Konzern Cisco Systems sollen Offerte abgegeben haben.

Dem Vernehmen nach haben sich die Spanier in der monatelangen Bieterschlacht durchgesetzt. Jajah und Telefonica wollten den Deal noch nicht bestätigen. Branchenkreisen zufolge müssen noch Details geklärt werden.

 

Von Wien nach Kalifornien

Die Entwicklung von Jajah zeigt, wie schwer es innovative Start-ups in Österreichs haben. Der 38-jährige Salzburger Scharf und der 36-jährige Welser Mattes hatten zwar eine gute Idee. Um sie zu verwirklichen, mussten sie jedoch ins Ausland gehen. Denn in Österreich war es ihnen nicht möglich, genügend Kapitalgeber zu finden.

Die beiden IT-Spezialisten haben schon frühzeitig das Potenzial von Internet-Telefonie erkannt. Jajah wurde 2005 gegründet. Das erste Büro befand sich in der Wohllebengasse im vierten Wiener Gemeindebezirk. „Telefonie über das Internet muss so einfach sein, wie bei Google nach einer Information zu suchen“, lautete die Devise von Mattes und Scharf. Sie entwickelten spezielle Software und ein patentiertes Kodierungsverfahren für billige Telefonate in alle Welt. Um den Massenmarkt zu erschließen, brauchten sie Geld. Nach erfolglosen Versuchen in Österreich sprang der weltgrößte IT-Finanzierer, die kalifornische Investmentfirma Sequoia Capital, mit einem zweistelligen Millionenbetrag ein.

Sequoia hatte bereits Google, Yahoo und Apple in der Anfangsphase finanziert. Auch die Deutsche Telekom und der Chiphersteller Intel stellten den Österreichern Geld zur Verfügung. Der Einstieg von Sequoia war an die Bedingung geknüpft, dass Jajah ins kalifornische Silicon Valley übersiedelte. Dort gibt es die meisten Online-Start-ups weltweit. „Sequoia ist für uns ein Türöffner, wir haben so Zugang zu den wirklich Großen des Internet“, freut sich Scharf. Neben Kalifornien wurde auch in Israel ein Forschungszentrum aufgebaut.

 

Skype als großer Rivale

Telefonieren über Jajah funktioniert denkbar einfach. Interessierte registrieren sich auf der Homepage. Dann geben sie die eigene Rufnummer und die des Gesprächspartners ein. Anschließend klickt man auf die Call-Taste. Wenig später läutet das eigene Telefon, und die Verbindung wird hergestellt. Die Tarife sind um bis zu 98Prozent günstiger als bei etablierten Festnetzanbietern. Gespräche in die USA kosten beispielsweise 2,9 Cent pro Minute.

Weltweit nutzen bis zu 15 Millionen Kunden das Service von Jajah. Ursprünglich wollten Scharf und Mattes mit ihrer Firma an die Börse gehen. Doch wegen der Finanzkrise wurde dieser Plan verworfen. Zuletzt hat sich der Internetanbieter Skype zum immer stärker werdenden Konkurrenten von Jajah entwickelt.

Skype ist mit 480 Mio. Nutzern deutlich erfolgreicher als die von den Österreichern gegründete Firma. Denn Skype bietet Telefonate auch kostenlos an. Dafür muss man allerdings eine eigene Software auf dem Computer installieren. Auch Skype hat erst kürzlich seinen Eigentümer gewechselt – allerdings für die Summe von 2,025 Mrd. Dollar.

Mit der Übernahme durch Telefonica soll die Zukunft von Jajah abgesichert werden. Der spanische Telekomkonzern ist weltweit im Mobilfunkgeschäft tätig.

Dem Vernehmen nach will Telefonica das Konzept der in Wien gegründeten Internetfirma nutzen, um seinen Kunden günstige Telefonate anzubieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2009)

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