20 Fahrspuren für die Datenautobahn

Die Digitalisierung zwingt Telekomfirmen zur Änderung ihrer Geschäftsmodelle – und hohen Investitionen.

Eigentlich sind auch Selfies schon Vergangenheit – der neue Standard 5G eröffnet eine neue Datenwelt.
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Eigentlich sind auch Selfies schon Vergangenheit – der neue Standard 5G eröffnet eine neue Datenwelt.
Eigentlich sind auch Selfies schon Vergangenheit – der neue Standard 5G eröffnet eine neue Datenwelt. – (c) REUTERS (ANDREW KELLY)

Wien. Als Alejandro Plater im August 2015 die Führung der Telekom Austria übernahm, war diese ein klassischer Telekomanbieter. Das Handygeschäft brummte, und das gute alte Festnetz erfing sich infolge steigender Nachfrage nach Breitbanddiensten. Plater, Vertreter des mexikanischen Mehrheitseigentümers America Movil des Milliardärs Carlos Slim, trat aber an, um die Telekom umzubauen: „Digitalisierung ist unser künftiges strategisches Kernthema“, predigte er so oft wie möglich.

Und er tut es noch immer. „Wir entwickeln uns zu einem IT-Konzern“, sagte Plater am Mittwochabend. Man biete nicht nur neue Dienste und Geschäftsmodelle an, die Telekom digitalisiere sich auch selbst. So haben etwa im Vorjahr die Mitarbeiter 30.000 Online-Trainings absolviert. In fünf Jahren soll in allen Ländern, in denen der Konzern tätig ist (also außer in Österreich auch in Bulgarien, Weißrussland, Kroatien, Slowenien, Serbien und Mazedonien), die digitale Transformation vollzogen sein.

Digitalisierung steht auch bei T-Mobile Austria, der Nummer zwei auf dem heimischen Telekommarkt, im Fokus. Dazu hat ihr Chef, Andreas Bierwirth, gleich zwei konkrete Anliegen an die neue Regierung: „Ich erwarte, dass das Thema – so wie in Deutschland von Bundeskanzlerin Merkel – auch hier zur Chefsache erklärt wird.“ Das Thema mit allen seinen Facetten und Problemen müsse in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit getragen werden.

 

Teure Frequenzen bremsen

Beim zweiten Punkt legt Bierwirth den Finger in eine alte Wunde: Die für Jahresende geplante Auktion der Handyfrequenzen, die für den neuen Mobilfunkstandard, 5G, unerlässlich sind, dürfe auf keinen Fall so teuer werden wie die jüngste Versteigerung 2013. Damals zahlten die Mobilfunker zwei Mrd. Euro. Die Hälfte sollte über die Breitbandmilliarde zurückfließen, „sie ist aber kaum angekommen“, sagte Bierwirth am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Ein hoher Preis für Frequenzen bremst den 5G-Ausbau“, warnt er und fordert: „Statt Förderungen zu versprechen, sollte schon die Ausschreibung mit einer Ausbauverpflichtung verbunden sein.“

Bei 5G geht es um mehr als schnelles Downloaden großer Datenmengen. Internet der Dinge, Machine-to-machine-Kommunikation oder autonomes Fahren werden mit 5G breitentauglich. Schon jetzt steckt eine Million der insgesamt 5,2 Millionen SIM-Karten von T-Mobile in Maschinen. Auch jeder BMW in Europa fährt mit einer T-Mobile-SIM-Karte.

Und so sieht Bierwirth sein Unternehmen in einer Doppelrolle: „Wir bauen die Infrastruktur, sind quasi die Asfinag (Autobahngesellschaft, Anm.) der Digitalisierung.“ Wobei man sich den Wechsel von 4G auf 5G als Sprung von vier auf 20 Fahrspuren vorstellen müsse, der Datenstaus vermeide. Schub beim Netzausbau soll der Ende 2017 gekaufte Kabelnetzbetreiber UPC bringen. In zehn bis 20 Jahren, so Bierwirth, soll die T-Mobile in Ballungsgebieten Qualitätsführer bei Breitband sein.

Das Match um das beste Netz geht damit in die nächste Runde, denn auch Plater erhebt diesen Anspruch für die Telekom. Was die Investitionen auf neue Höchststände treibt: Bei der Telekom werden es heuer rund 750 Mio. Euro, bei T-Mobile rund 150 Mio. Euro. Wieder wachsende Umsätze machen dies möglich.

Die Telcos verstehen sich aber nicht nur als Datenautobahnbauer. Ob Breitband-Entertainment-Company (Bierwirth) oder Medienunternehmen (Plater): Die Zeit, in der über ein Kupferkabel Telefonieren angeboten wurde, ist lang vorbei. Wobei das Festnetz im Zuge des Breitbandausbaus und von TV-Angeboten wieder eine Renaissance erlebt. Immer mehr wachsen Netzbetreiber und Content-Anbieter zusammen – weltweit. Wobei Erstere monieren, sie würden vor allem investieren, um Topinfrastruktur zur Verfügung zu stellen, und Letztere würden hauptsächlich kassieren.

 

Telekom setzt auf Cloud

Plater hat für die Telekom Austria noch ein neues Geschäftsfeld geöffnet: das Cloud-Geschäft. „Was Microsoft, Amazon, Google und andere können, wollen wir auch – und wir wollen ihnen Konkurrenz machen“, lautet seine nicht gerade bescheidene Vorgabe. Dazu hat der Konzern die eigene Tochterfirma A1 digital gegründet. Außerdem wurde der Schweizer Cloud-Anbieter Exoscale zugekauft.

Dieses Geschäft bietet der Konzern nicht nur Geschäftskunden in den Ländern an, in denen die Telekom schon tätig ist. Nach München wurde nun auch in Frankfurt eine Niederlassung gegründet – für deutsche Kunden. In den kommenden fünf Jahren soll sich der Umsatz mit Cloud-Diensten verdoppeln – pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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