Wie einst im Browser-Krieg: Apples iAd unter Beschuss

Konkurrent Google kritisiert neue Richtlinien. Diese könnten Werbeanbieter und Konkurrenten vom lukrativen und schnell wachsenden Werbemarkt für iPhone-Apps kurzerhand ausschließen, so die Befürchtung.

einst BrowserKrieg Apples unter
einst BrowserKrieg Apples unter
(c) Reuters (ROBERT GALBRAIT)

LONDON/SAN FRANCISCO (ag./p.m.). Analysten und auch das US-Online-Medium Cnet fühlen sich an den „Browser-Krieg“ zwischen Microsoft und Netscape erinnert. Microsoft sei viel zu spät gezwungen worden, die Integration seines Internet Explorer in seine Windows-Betriebssysteme aufzuheben und damit die Nutzung von Konkurrenzprodukten zu erleichtern.

Andere ziehen eine Parallele zum Auto: Ist es vorstellbar, dass ein Hersteller das Hören der Musik eines bestimmten Labels verbietet, weil er vertraglich an einen Konkurrenten gebunden ist?

So oder ähnlich ist die Situation, in die sich Apple manövriert hat – und wieder einmal auf Google als schärfsten Kritiker stößt.

Es geht um Apples Regeln für Werbeschaltungen auf iPods, iPhones und iPads, die nach einem Bericht der „Financial Times“ vom Donnerstag Wettbewerbsprüfer auf den Plan gerufen haben. Die US-Behörden wollten jetzt prüfen, ob es sich tatsächlich um wettbewerbswidrige Behinderung der Konkurrenz handle, wie Google behauptet. Offen ist laut „Financial Times“ noch, ob die Ermittlungen vom Justizministerium oder von der Bundeshandelskommission FTC geführt werden.

 

Schnell wachsender Markt

Stein des Anstoßes sind neue Richtlinien für Entwickler, die Apple am Montag für mobile Werbung in den beliebten Anwendungen (Apps) veröffentlicht hat. Diese Regeln könnten Werbeanbieter und Konkurrenten wie Google, aber auch Microsoft oder Yahoo künftig vom lukrativen und schnell wachsenden Werbemarkt für iPhone-Apps kurzerhand ausschließen, so die Befürchtung. Der Markt steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber laut Marktforscher wie iSupply wird sich der mobile Werbemarkt bis 2015 von der Größenordnung her jener mit Onlinewerbung auf traditionellen Computern nähern.

Die umstrittenen Richtlinien sind von Apple schon an Entwickler versendet worden. Herkömmliche Werbung über Internet-Browser ist davon nicht betroffen, sehr wohl aber die in den Apps integrierte Schaltung von Anzeigen. Das neue Betriebssystem für iPhone und iPad untersagt dabei Werbeanbietern, Nutzerdaten aus den Anwendungen zu sammeln und auszuwerten. Die Daten dürfen den Regeln entsprechend nicht an Netzwerke weitergeleitet werden, auf die Hersteller von mobilen Geräten oder Entwickler von Betriebssystemen wie etwa Google oder Microsoft Zugriff haben.

Damit verschaffe sich Apple für die neue eigene Werbeplattform iAd einen unrechtmäßigen Vorteil, so die Kritik. Mit dieser am 1.Juli startenden Dienstleistung will sich Apple einen Anteil an den erwarteten Werbeeinnahmen in dem schnell wachsenden Markt sichern und kommt damit dem neuen Rivalen Google direkt ins Gehege.

Apples neue Regeln würden Googles Werbeplattform sowie die Software des vor Kurzem von Google übernommenen Dienstleisters AdMob direkt treffen, weil diese nicht für iPhone-Apps genutzt werden dürften. AdMob-Gründer Omar Hamoui, jetzt Vizepräsident von Google, beklagt diesen Umstand in einem Blog-Eintrag. Seiner Einschätzung nach behinderten die Richtlinien nicht nur konkurrierende Unternehmen wie Google, sondern würden letztlich zehntausende Entwickler treffen. Am Ende könnten auch die Konsumenten darunter leiden, da sich zahlreiche iPhone-Apps vorwiegend oder ausschließlich durch Werbung finanzieren.

 

Grünes Licht für Übernahme

Erst vor Kurzem hat Google für die Übernahme von AdMob grünes Licht von den Wettbewerbsbehörden erhalten. Das Unternehmen konnte die Prüfer davon überzeugen, dass sich Google mit der Akquisition keine marktbeherrschende Stellung im mobilen Werbemarkt verschafft. AdMob bietet eine Plattform, über die sich Werbung in Anwendungen (Apps) für das iPhone oder auch Googles Android-Handys schalten lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2010)

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