Frischer Wind im Musikheimnetz

30.09.2010 | 18:34 |  ANDREAS TANZER (Die Presse)

Mit AirPlay setzt Apple seinen Weg in die heimischen Wohnzimmer fort und öffnet sich dabei auch für Partner aus der Unterhaltungselektronik.

Es war nur ein Nebensatz auf der Apple-Präsentation Anfang September, könnte aber eine größere Revolution auf dem Sektor der Heimvernetzung angekündigt haben. Die Rede ist von Apples AirPlay. Die ursprünglich unter dem Namen AirTunes bekannte Funktion zur (drahtlosen) Übertragung von Musik wurde nun um Fotos und Videos erweitert. Die AirPlay-Funktion ist Bestandteil der neuen iTunes-Version 10, die gratis heruntergeladen werden kann.

Empfangen werden die Videostreams etwa von AppleTV, das in der neuen Version von der eigenständigen Videoquelle auf ein reines Empfangsgerät ohne Speicher geschrumpft ist. Auch über iPad und iPhone sollen – nach dem für November angekündigten Upgrade auf das iOS 4.2 – die via AirPlay übertragenen Inhalte angesehen werden können.

 

Öffnung Richtung HiFi-Welt

Neben der Erweiterung auf Videos gibt es noch eine zweite, mindestens ebenso bedeutsame Neuerung: AirPlay ist nun nicht mehr auf Apple-Geräte, wie die Audio-Empfangsstation Airport Express, beschränkt, sondern steht auch anderen Herstellern offen – gegen Lizenzgebühren, versteht sich.

Und die HiFi-Welt ist bereits auf den Zug aufgesprungen. Die japanischen Hersteller Marantz und Denon wollen noch im Oktober HiFi-Geräte mit Airplay-Unterstützung auf den Markt bringen, etwa Denons High-End-Heimkinoreceiver AVR 4311 sowie die Micro-Anlage N7. Deren Herzstück, ein CD-Receiver, verfügt nicht nur über USB-Anschluss und das fast schon obligatorische iPod-Dock, sondern kann auch drahtlos mit dem PC verbunden werden. Die in jugendlichem Weiß gehaltene Anlage ist im Set mit speziell angepassten Lautsprechern um rund 800 Euro, als Einzelkomponente für rund 700 Euro erhältlich. Von Marantz ist etwa der AV-Receiver SR7005 bereits mit AirPlay kompatibel.

Beide Unternehmen haben bis Ende Oktober (kostenpflichtige) Firmware-Updates angekündigt, mit denen sich einige bereits auf dem Markt erhältliche Modelle wie die Denon Heimkino-Receiver der 11er-Reihe ebenfalls für AirPlay fit machen lassen.

Abgesehen von der Musik selbst werden auch Titelinformationen, Laufzeit und Albumcover mitübertragen und – je nach Display – auf den Empfangsgeräten dargestellt. Gesteuert werden kann das Ganze nicht nur direkt in iTunes, sondern auch via iPhone oder iPad. Umgekehrt erlaubt AirPlay auch, Basisfunktionen von iTunes mittels der HiFi-Fernbedienungen zu steuern.

Neben Marantz und Denon hat iHome mit einem AirPlay-fähigen Aktivlautsprecher bereits ein konkretes Produkt angekündigt, das noch heuer auf den Markt kommen soll. Weitere Partner sind JBL oder Bowers & Wilkins.

Auch wenn AirPlay für andere Hersteller offen ist, wäre es nicht Apple, wenn via iTunes nicht die Oberhoheit über die Inhalte im Headquarter in Cupertino bliebe. Zwar ist iTunes mit MP3-Unterstützung und der Möglichkeit, eigene CDs einzulesen, zumindest bei Musik auch für fremden Content offen, das beliebte, unkomprimierte Flac-Format wird aber nicht unterstützt. Als Alternative für Anspruchsvolle bietet iTunes das ebenfalls unkomprimierte Apple Lossless.

Auch abseits von AirPlay dringt Apple weiter in die HiFi-Welt vor. Immer mehr Geräte mit Wlan- Unterstützung können via iPhone oder iPod-Touch bedient werden. Der Musik-Heimvernetzungs-Spezialist Sonos, der zur Übertragung sein eigenes Protokoll benutzt, hat zeitgleich mit einer neuen Version seiner Controller-Software diese Woche eine App im iTunes-Store verfügbar gemacht, mit der sich das Sonos-Musiknetzwerk auch über das iPad steuern lässt. Zudem soll noch heuer das Wireless Dock WD100 auf den Markt kommen. Über diese rund 100 Euro teure Dockingstation können iPod oder iPhone direkt ins Sonos-Netzwerk eingebunden werden.

 

Heimkino-Reciever im Netz

Dass auch in der Windows-Welt HiFi und PC weiter zusammenwachsen, zeigen die zahlreichen Heimkino-Receiver, die dank DLNA-Kompatibilität einfach mit dem PC vernetzt werden können – was im Übrigen auch für die zuvor genannten, AirPlay-fähigen HiFi-Komponenten gilt. Im mittleren und oberen Preissegment bringt etwa Sony im Oktober die 3-D-Receiver STR-DN2010, DA3600ES und DA5600ES heraus, die zwischen 1000 und 2500 Euro kosten. Allerdings können die DLNA-fähigen Geräte in der Regel nicht so nahtlos auf das Abspielprogramm am PC zugreifen wie das in iTunes integrierte AirPlay. Womit Apple – zumindest bei jenen, die sich mit iTunes anfreunden können – wieder einmal beim Komfortfaktor punkten kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Frischer Wind im Musikheimnetz

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.