Raiffesen und Mastercard starten Funk-Bezahlung

Die ersten Kreditkarten mit NFC-Chip sollen im August ausgeliefert werden. Die Zahlungen sind aber auf nur 25 Euro begrenzt. Der Zahlungsvorgang soll um 40 Prozent schneller ablaufen als bisher.

Mastercard und VISA Kreditkarten liegen am Mittwoch, 18. November 2009, in Gelsenkirchen. Die grossan
Mastercard und VISA Kreditkarten liegen am Mittwoch, 18. November 2009, in Gelsenkirchen. Die grossan
(c) AP (Martin Meissner)

Der heimische Kreditkartenmarkt steht möglicherweise vor einem Umbruch. Was bereits in den USA und einigen anderen Ländern möglich ist, soll nun auch in Österreich den Zahlungsverkehr revolutionieren: Das kontaktlose Bezahlen mit einer mit einem Funkchip ausgestatteten Kreditkarte - ohne Unterschrift und ohne PIN. Als erste auf den heimischen Markt drängt damit die Raiffeisen Banken-Gruppe, die gemeinsam mit Mastercard und dem zur Gruppe zählenden Salzburger Terminallieferanten hobex bereits einen hausinternen Pilotversuch laufen hat. Ab August sollen die Kreditkarten mit NFC-Technik in Österreich auf den Markt kommen.

NFC

Near Field Communication (NFC) ist ein Standard zur drahtlosen Übertragung von Daten über eine Strecke von maximal zehn Zentimetern. Das System kommt vor allem bei drahtlosen Bezahldiensten oder bei Zugangskontroll-Systemen per Handy zum Einsatz. Bisher gibt es noch sehr wenige Geräte, die NFC unterstützen.

"Das kontaktlose Zahlen könnte den österreichischen Kartenmarkt revolutionieren", sagte Gerhard Kubu, Leiter des CardService der Raiffeisen Bank International (RBI), am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Besonders geeignet sei diese Bezahltechnik für tägliche Ausgaben wie beispielsweise beim schnellen Einkauf im Supermarkt. Die Zahlungen würden um 40 Prozent schneller erfolgen, als das herkömmliche Bezahlen mit Kreditkarte. Anstatt sie hineinzustecken, müssen die Karten nur an eine entsprechende Gegenstelle gehalten werden.

Maximal 25 Euro

Aus Sicherheitsgründen ist das kontaktlose Bezahlen auf Beträge bis zu 25 Euro limitiert. Alle höheren Beträge müssen weiterhin durch PIN oder Unterschrift bestätigt werden. Um sicherzugehen, dass der Inhaber auch der Eigentümer der Karte ist, soll diese Überprüfung auch immer wieder zwischendurch erfolgen. Neben dem kontaktlosen Zahlen könnte die mit der NFC-Karte auch zur Zugangskontrolle verwendet werden.

Zum Bezahlen muss der Kunde die Kreditkarte nur kurz in die Nähe des Bezahlterminals halten, so hobex-Geschäftsführer Christian Erasim. Aus Sicherheitsgründen sei die erforderliche Distanz auf maximal zehn Zentimeter beschränkt. Die Abwicklung der Zahlung erfolge dann innerhalb von Sekunden über das Kreditkartenkonto. Die Technik erspare nicht nur den Kunden Zeit, sondern beschleunige auch die Abrechnungen für die Handelsbetriebe.

Die RBI wird die mit der Mastercard-PayPass-Technologie ausgestatteten Kreditkarten ausgeben, hobex die dazupassenden Terminals liefern. Derzeit läuft in der Wiener Raiffeisen-Gruppe ein Pilotversuch mit rund 3.000 Kreditkarten. Der noch auf die Kantine beschränkte Testlauf soll innerhalb eines Monats auf umliegende Geschäfte und Supermärkte ausgeweitet werden. Interessierte Kunden können ab Anfang August eine Karte über die RBI im Internet (www.r-card-service.at) bestellen. Die Karte wird mit 21 Euro pro Jahr nicht mehr kosten als die bisherigen.

Handy-Bezahlung als nächster Schritt

Das kontaktlose Bezahlen mittels Kreditkarte ist bereits in vielen Ländern erprobt. Derzeit sind weltweit fast 92 Millionen Paypass-fähige Karten und Geräte an über 310.000 Kontaktlos-Akzeptanzstellen in Gebrauch. Weiteren Aufschwung dürfte NFC durch die Mobilfunkbranche erhalten. Google hatte die Technik erstmals in dem Smartphone Nexus S integrieren lassen. Inzwischen hat auch der Zahlungsdienstleister Paypal eine entsprechende App für direkte Zahlungstransfers vorgestellt. Die Branche erwartet, dass in Zukunft zig Milliarden Euro jährlich über NFC abgewickelt werden.

(APA)

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