Diebstahlschutz: Das Notebook mailt um Hilfe

Notebooks können leicht abhanden kommen. Rund 800.000 Notebooks verschwinden pro Jahr weltweit. Eine Spezialsoftware soll Dieben und unehrlichen Findern das Leben schwer machen.

(c) Breuss

Rund 800.000 Notebooks verschwinden pro Jahr weltweit. Und zwar allein auf Flughäfen in den USA und Europa. Die Gesamtzahl aller gestohlenen oder verlorenen Notebooks ist wohl noch deutlich höher.

Ein Programm, das Diebstähle verhindert, ist noch nicht geschrieben, aber Anti-Diebstahl-Software auf den wertvollen Notebooks, Smartphones oder Tablett-PCs ermöglicht zumindest im Ernstfall die Lokalisierung des Diebsgutes, Identifikation des Diebes und den Schutz der gestohlenen Daten. Letztere sind vor allem für Business-User oft nicht nur der schmerzlichere, sondern auch finanziell bedeutsamere Verlust. Um den Schaden zu begrenzen sind zahlreiche kommerzielle und freie Softwareprogramme zum Suchen, Lokalisieren und Wiederbeschaffen der gestohlenen Geräte erhältlich. PhoneHome, nach Angaben des amerikanischen Herstellers, Brigadoon, mit über 1,5 Millionen im Einsatz befindlichen Kopien das meistverkaufte Produkt auf dem Markt, leistet seine Dienste unbemerkt vom Benutzer des geschützten Geräts.

 

Kein Hinweis für den Dieb

Laut Angaben des Herstellers weisen weder Icon noch Datei noch Verzeichnisname noch laufender Prozess auf den Einsatz des Programms hin. Jedes Mal, wenn der geschützte Computer in Betrieb genommen wird, versucht dieser eine Internetverbindung aufzubauen, und sendet heimlich eine E-Mail an eine vom Besitzer vordefinierte Adresse und das Brigadoon-Kontrollzentrum. Wurde der Rechner vom Inhaber als gestohlen gemeldet, arbeitet Brigadoon mit lokalen Internet-Service-Providern und Polizeibehörden zusammen, um das Gerät wiederzubeschaffen. Eine Einzellizenz des Programms kostet knapp 20 Euro und ist für Windows und Macs erhältlich. Speziell für die Besitzer von MacBooks wurde RegTrack entwickelt. Die aus Deutschland stammende Sicherheitslösung besteht aus einer Software und einer Datenbank, in welcher der Mac-Besitzer sein Gerät registrieren und gegebenenfalls als gestohlen melden kann. Über RegTrack können zudem bei Verlust persönliche Daten vor fremdem Zugriff geschützt werden. Die Software legt nach der Installation auf dem Mac einen Benutzer-Account ohne Admin-Rechte und Kennwort an. Wird der Mac gestohlen, kann der Dieb nur auf das freie Benutzerkonto zugreifen und die persönlichen Daten bleiben verborgen. Der Besitzer kann zudem von jedem anderen Rechner, aber auch von iPhone und Co. den entwendeten Mac aufspüren, auf Wunsch eine Meldung an den Dieb oder Finder senden oder per Fernbefehl einen Hardware-Schaden simulieren, der den Mac für den nicht autorisierten Anwender unbrauchbar macht.

Optional ermöglicht RegTrack das Erstellen von Screenshots oder Webcam-Fotos am gestohlenen oder verlorenen Gerät. Mit etwas Glück können damit wertvolle Hinweise zur Ausforschung der Identität des unrechtmäßigen Inhabers gewonnen werden.

 

Webcam-Foto und Ortsdaten

RegTrack lokalisiert gestohlene Computer über IP-Adresse, verfügbare WiFi-Netze und falls vorhanden GPS-Koordinaten. Je nach den bestehenden Gegebenheiten – städtisches oder ländliches Umfeld – ist so eine Lokalisierung bis auf zehn Meter genau möglich. RegTrack schützt jeden Mac mit OS X 10.7 (Lion) sowie ab Mac OS X 10.5 und ist als Einzelprodukt für 30 Euro erhältlich.

Eine interessante Alternative zu den kommerziellen Softwarelösungen bietet das Open-Source-Programm Prey. Die Applikation wird auf dem Notebook oder Telefon installiert. Im Betrieb wartet das Programm, unbemerkt vom Benutzer des gestohlenen Geräts, auf ein Einsatzsignal, welches entweder übers Internet oder per SMS gesendet wird. Nach der Aktivierung sammelt Prey laufend Informationen über den Aufenthaltsort, die Hardware und den Netzwerkstatus des geschützten Geräts. Prey nutzt entweder die vorhandene GPS-Funktion des Geräts oder lokalisiert den Standort mittels nahe gelegenen WiFi-Hotspots. Optional können über das Internet auch Aktivitäten am überwachten Gerät initiiert werden. Besitzt das Notebook oder Smartphone eine eingebaute Kamera lassen sich zu Beweismittelzwecken sogar Bilder des Diebs aufnehmen. Die Software ist auf allen gängigen Betriebssystemen wie Windows, Mac OS, Linux und Android einsetzbar. An einer Version für iPads bzw. iPhones wird noch gearbeitet.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.pcphonehome.com, www.regtrack.de, www.preyproject

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)

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