Neuer Funk für US-Militär: Ein 6-Milliarden-Dollar-Fiasko

Das Joint Tactical Radio System hätte die Kommunikation vereinheitlichen sollen. Stattdessen wurde es zu einem gewaltigen Fehlschlag. 15 Jahre an Entwicklungszeit wurden dafür vergeudet.

Neuer Funk fuer USMilitaer
Neuer Funk fuer USMilitaer
(c) EPA (ISAF / HANDOUT)

Eigentlich hätte es Kosten reduzieren und die Bedienung erleichtern sollen. Im Endeffekt war aber das Joint Tactical Radio System (JTRS) ein gigantischer Reinfall. Nach 15 Jahren Entwicklung und mehr als sechs Milliarden Dollar Investitionskosten wurde das Vorzeigeprodukt der Initiative, das Ground Mobile Radio (GMR) letztendlich im Oktober 2011 eingestellt. Ars Technica erzählt die Geschichte des aufwendigen und ambitionierten Projekts, das an mangelnder Erfahrung, zu vielen Funktionen und zu wenigen Testdurchläufen gescheitert ist.

Open-Source-Funk

Im Grunde wollte das US-Verteidigungsministerium ein offenes System schaffen, das für alle militärisch genutzten Funkgeräte nutzbar ist. Die Kernsoftware hätte sogar als Open Source veröffentlicht werden sollen. Dadurch hätten mehr Hersteller Geräte für JTRS bauen können, was die Kosten der Beschaffung senken hätte sollen. Allerdings wurde die Wunschliste an Funktionen immer länger und damit unrealistischer.

Gesetze der Physik im Weg

Als das das Projekt aber im Jahr 1997 begonnen wurde, katte das US-Militär noch so gut wie keine Erfahrung mit Software-basierten Funksystemen. Und man wollte ein Funkgerät entwickeln, das mit jeglichen Wellenformen arbeiten konnte. Das bedeutete, dass das Funkgerät sich immer auf neue Frequenzen einstellen musste. Frequenzen, die sich oft stark von einander unterscheiden und oft andere Hardware benötigten. JTRS hätte als verlangt, dass "grundlegende physikalische Gesetze" umgangen werden, wie es in dem Bericht heißt.

(c) US Department of Defense

10 Minuten für eine Nachricht

Das GMR schaffte es zumindest, im Mai 2012 von der US-Behörde National Security Agency (NSA) für den Einsatz zertifiziert zu werden. Aber die US Army will es gar nicht einsetzen. Das "mobile" System wiegt stolze 94 Kilogramm, ist viel zu kompliziert und scheiterte kläglich in einer Versuchsreiche in der Wüste von New Mexico. In einem Artikel für National Defense Review schreibt Air Force Lt. Colonel Dan Ward, dass die Übung die "unangenehme Tatsache" aufgezeigt hätte, dass "Soldaten manchmal vielleicht kritische Nachrichten während eines Kampfes schicken müssen". Da Soldaten aber "eine ungeduldige Bande" seien, hätte es ihnen nicht sonderlich Spaß gemacht, zehn Minuten zu warten, bis das Funkgerät diverse Bootvorgänge hat. Ward fasst es zusammen, wie er sagt "in Internet-Sprache": "Radio development: You're doin' it wrong."

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(db)

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