Unheilige Allianz: Microsoft unterstützt Apple im Flash-Streit

Erst wettert Apple-Chef Steve Jobs gegen die Flash-Software, jetzt setzt Microsofts Internet-Explorer-Abteilung nach. Die Zukunft für Webvideos gehöre nicht Flash, sondern HTML5, so der Tenor. Ein Formatstreit droht.

Unheilige Allianz Microsoft unterstuetzt
Unheilige Allianz Microsoft unterstuetzt
(c) REUTERS (ROBERT GALBRAITH)

Die Multimedia-Software Adobe Flash kommt immer mehr unter Beschuss. Erst veröffentlicht Apple-Chef Steve Jobs einen Brief, indem er die Software und deren Hersteller scharf attackiert, jetzt schlägt sich ausgerechnet Microsoft ebenfalls auf Apples Seite. "Die Zukunft des Web ist HTML5", schreibt Dean Hachamovitch von Microsofts Internet-Explorer-Abteilung in einem Blogeintrag. Der kommende Internet Explorer 9 soll demnach HTML5 mit Videos im H.264-Format unterstützen. Apple setzt auf dem Tablet-Computer iPad ebenfalls nur auf HTML5 und verweigert auch auf dem iPhone, Flash zu integrieren. Microsoft übt zwar auch Kritik an Flash, hält sich aber im Vergleich zum Apple-Chef deutlich zurück.

Apple-Chef: Flash ist veraltet

Steve Jobs wirft Adobe vor, ein veraltetes Geschäftsmodell zu nutzen und kritisiert die proprietäre Technologie hinter Flash. Er bezeichnet Apple als weitaus "offeneres" Unternehmen, was Webstandards anbelangt und nennt das WebKit-Grundgerüst des hauseigenen Safari-Browsers als Beispiel. Flash sei noch dazu nicht für Mobilgeräte mit Touchscreens geeignet, sondern für eine Ära gemacht, in der man auf dem PC mit der Maus gearbeitet hat. Adobe-Chef Shantanu Narayen wischt Jobs' Vorwürfe in einem Interview mit dem Wall Street Journal beiseite. Die Äußerungen des Apple-CEO täuschen nur über den wahren Beweggrund, Flash zu verweigern, hinweg: Apple wolle Entwickler in seiner Plattform gefangen halten, so Narayen.

Neues Flash in Android integriert

Flash war 2009 unter Beschuss geraten, weil es aufgrund diverser (inzwischen geflickter) Sicherheitslücken ein Riskio darstellte. Auch gelang es bisher nicht effektiv, die Software auf Mobilgeräte zu bringen. Das soll sich mit Flash 10.1 ändern, das bereits im kommenden Handy-Betriebssystem Android 2.2 integriert sein soll. Zahlreiche Webplattformen für Videoinhalte setzen auf Flash, darunter auch YouTube. Allerdings beginnen einige, auf HTML5 umzustellen. Es könnte sich im Web also ein Formatstreit wie zu Zeiten von VHS und Betamax entwickeln. Wer letztendlich gewinnt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

(db)

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