Apple: Zwei Betriebssysteme und eine große Wolke

Auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco präsentierte Apple nicht nur neue Versionen seiner Betriebssysteme, sondern machte auch den angekündigten Schritt in die Cloud offiziell.

(c) REUTERS (BECK DIEFENBACH)

Es waren angesagte Sensationen, die am Montag auf der Worldwide Developers Conference in San Francisco (WWDC) verkündet wurden. Die Hauptmessage: Das Zentrum des digitalen Lebens liegt ab jetzt irgendwo im Internet, in der sogenannten „Cloud“. So zumindest verkündet es Steve Jobs, der es sich – trotz krankheitsbedingter Auszeit – nicht nehmen ließ, das Highlight der diesjährigen Developers Conference selbst zu präsentieren: die mit Spannung erwarteten Cloud-Services von Apple.

In der iCloud werden verschiedenste Inhalte von E-Mails bis zu Dokumenten, die mit Apps wie Keynote oder Pages verfasst wurden, automatisch im Internet gespeichert und auf alle Geräte des Benutzers übertragen. Fünf Gigabytes stehen gratis zur Verfügung, weiterer Onlinespeicherplatz wird kostenpflichtig angeboten.

Darüber hinaus lädt das Photo-Stream-Service alle mit iPhone oder iPad geschossenen oder darauf importierten Bilder in die iCloud, die dann ebenfalls auf allen Geräten des Benutzers angesehen werden können. Abgelegt sind sie im Web, was die Speicher der Geräte entlastet. Das bei der Übertragung anfallende Datenvolumen wird nicht auf die oben erwähnten fünf Gigabytes angerechnet.

Gleiches gilt für Apps sowie im iBookstore gekaufte eBooks, die ebenfalls automatisch auf alle Geräte des Besitzers kopiert werden.

Und last, but not least geht auch iTunes in die Cloud: Wie berichtet können bereits gekaufte iTunes-Titel auf sämtliche iOS-Geräte des Besitzers via Breitbandinternet gestreamt werden. Mit dem Zusatzservice iTunes Match will Apple den Import von nicht in iTunes gekaufter Musik erleichtern – und an den fremden Songs verdienen. iTunes Match scannt die Musiksammlung des Benutzers und macht die entsprechenden Titel aus dem iTunes-Shop via Streaming verfügbar. Nur wenn sich ein Titel nicht im iTunes-Shop findet, wird er hochgeladen. iTunes Match ist vorerst nur in den USA verfügbar und kostet pauschal rund 25Dollar pro Jahr.

Die iCloud-Services sollen mit iOS5 im Herbst verfügbar sein, iTunes in the Cloud ist bereits in den USA gestartet. Über die Verfügbarkeit der iTunes-Cloud-Services außerhalb der USA ist noch nichts bekannt. Hier stehen offensichtlich noch Lizenzverhandlungen an. Gleiches gilt wohl auch für die Videos via iTunes in the Cloud.

 

iOS5 im Herbst, „Lion“ im Juli

Gleichzeitig wurden auf der WWDC die neuen Versionen der Apple-Betriebssysteme vorgestellt, die die Endgeräte fit für die Cloud machen sollen. Unter den 200 neuen Funktionen, die iOS5 für iPhone, iPad und iPod Touch bringen wird, dürfte vor allem das Notification Center das Leben der Benutzer erleichtern. Verpasste Anrufe, Nachrichten, E-Mails sowie Kalendereinträge und App-Benachrichtigungen werden nun angezeigt, ohne die laufende App zu unterbrechen. Zudem erscheint die Meldung auf dem Lock-Screen, die entsprechende Anwendung kann mittels Fingertipp geöffnet werden. Die Kommunikation erleichtern sollen neue Funktionen der Mail-App, die etwa zusammengehörende Nachrichten in einem Konversations-Stream zeigt, sowie die Integration von Twitter in iOS. Auch das Surfen soll noch komfortabler werden. „Tab-Browsing“ erlaubt das rasche Wechseln zwischen Websites, der Safari-Browser passt die Schriftgröße automatisch an. Apropos Lesen: Newsstand soll das virtuelle Bücher- und Zeitschriftenregal aufmöbeln.

Besitzer von iPhone, iPad und iPodTouch müssen sich bis Herbst gedulden, bis die Version 5 des iOS verfügbar ist. Für Mac-User steht bereits im Juli der Sprung von „Leopard“ zu „Lion“ an. Die neue Version von Mac OS X kennt unter anderem erweiterte Multitouch-Gesten. Auch sonst will Apple das Handling der Anwendungen und Apps erleichtern, die nun alle über die Funktion „Launchpad“ gestartet werden. „Mission Control“ gibt einen Überblick über alle laufenden Programme und Apps und kann direkt darauf zugreifen. Mit Resume werden Apps in jenem Zustand gestartet, in dem sie geschlossen wurden. Die Conversation-Funktion zeigt zusammengehörende Mails in einem Verlauf.

Mac OS X Lion wird im Juli für knapp 24Euro als Download zur Verfügung stehen. at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2011)

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