Wikipedia-Tagung: Editierkriege und Einfluss von Dritten

In Dornbirn ging am Wochenende die "WikiCon" zu Ende. Der Streit um die Bezeichnung des Donauturms löste eine exemplarische Kontroverse aus.

WikipediaTagung Editierkriege Einfluss Dritten
WikipediaTagung Editierkriege Einfluss Dritten
(c) REUTERS (� Gary Cameron / Reuters)

Mehr als 200 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein haben sich am Wochenende bei der größten Wikipedia-Konferenz (WikiCon) im deutschsprachigen Raum an der FH Vorarlberg in Dornbirn vor allem mit Freiheit bzw. Zensur im Internet und internen Herausforderungen auseinandergesetzt. In einer "Dornbirner Erklärung" wurde versucht, dafür bestimmte Leitplanken zu setzen.

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia sieht sich vermehrten Versuchen ausgesetzt, dass "starke Interessengruppen" auf die Inhalte Einfluss nehmen wollen. Diese Einflussnahme von Unternehmen, Verbänden, NGOs und staatlichen Stellen finde offen und verdeckt, zum Beispiel über bezahlte Lobbyisten statt. Für den Umgang damit brauche es klare Linien, forderte Heinrich Rudolf Bruns bei einer Podiumsdiskussion auf der "WikiCon". Der deutsche Journalist und Blogger gilt als Wikipedia-Insider. Er meint, dass "kaum ein Weg daran vorbeiführen wird, uns (Wikipedia, Anm.) zu öffnen". Der inhaltliche Input, beispielsweise durch PR oder etwa auch von Wissenschaftlern, die Wikipedia vielfach skeptisch gegenüberstehen, sollte jedoch lediglich bestenfalls als Basis eines Artikels dienen.

Wie Artikel auf Wikipedia zustande kommen und wer darüber bestimmt, war auch auf der WikiCon in Dornbirn ein umstrittenes Thema. Hinter den Kulissen von Wikipedia toben sogenannte Editierkriege zwischen Autoren und Administratoren um Relevanz, Wahrheitsbeweise und Formulierungen. Sie können die "Community" spalten, erinnerte Bruns an eine besonders heftig geführte Auseinandersetzung, der schließlich der "Spiegel" 2010 einen langen Artikel widmete. Es ging um die Frage, ob der Donauturm in Wien "nur" ein Aussichtsturm sei oder auch in die Kategorie Fernsehturm falle. Die daran entzündete Diskussion respektive über die grundsätzliche Frage wer über die Inhalte der Online-Enzyklopädie letztendlich entscheidet, nahm bis dahin ungeahnte Ausmaße an. Unter den Reitern "Diskussion" und "Versionsgeschichte" ist bei den einzelnen Wikipedia-Artikel nachzulesen, wie um Inhalte gerungen und gestritten wird.

Der Umgang untereinander ist auch im Zusammenhang mit der rückläufigen Zahl an Wikipedia-Autoren zu sehen bzw. neue zu gewinnen. Auf der WikiCon in Dornbirn gab es verschiedene Workshops, um Interessierte für eine Mitarbeit zu gewinnen.

 

(APA)

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