Die Inhalte auf YouTube: Von "Let's Plays" bis zu Tutorials

Wer wissen will, wie der Zauberwürfel funktioniert oder wie man strickt, klickt ein Tutorial an. Wer anderen beim Spielen zuschauen will, ist mit einem "Let's Play" gut bedient.

Gronkh ist ein Veteran unter den YouTubern: Er spielt „GTA Online“ oder „Minecraft“ und kommentiert dabei das Geschehen.
Gronkh ist ein Veteran unter den YouTubern: Er spielt „GTA Online“ oder „Minecraft“ und kommentiert dabei das Geschehen.
Gronkh ist ein Veteran unter den YouTubern: Er spielt „GTA Online“ oder „Minecraft“ und kommentiert dabei das Geschehen. – Screenshot

Dass ein Lehnwort in einer Sprache angekommen ist, merkt man daran, dass man es problemlos konjugieren bzw. deklinieren kann. Mit „Let's Play“ ist es so weit. Das Verb dazu heißt für Jugendliche ganz selbstverständlich „let's playen“, die Mehrzahl lautet „Let's Plays“. Was damit gemeint ist: YouTuber filmen den Bildschirm, auf dem sie gerade ein Spiel spielen. Aus dem Off hört man ihre Kommentare. Man kann also jemandem beim Spielen zusehen. Zwei der bekanntesten Vertreter im deutschsprachigen Raum sind Gronkh (bürgerlich: Erik Range) und Sarazar (Valentin Rahmen). Bei den „Let's Plays“ geht es nicht unbedingt darum, ein Spiel durchzuspielen oder möglichst geschickt zu agieren – Gronkh und Sarazar betonen sogar, sie seien eher „durchschnittliche“ Spieler. Oft sind die Kommentare wichtiger als das Spielgeschehen und die verratenen Tricks. Erfunden wurde dieses Format rund um das Jahr 2007.

Natürlich kann man auf YouTube auch Trailer und Musikvideos anklicken, Formate, die für Film und Fernsehen erfunden wurden. Doch die exklusiv für das Videoportal produzierten, professionell gemachten Beiträge werden immer mehr: Neben den „Let's Plays“ sind Parodien sehr erfolgreich. Persifliert wird alles, was in der Popkultur Rang und Namen hat, Miley Cyrus etwa mit ihrem Ritt auf der Abrissbirne oder Haftbefehl mit jenem Song, der den Begriff „Chabos“ schulhoffähig gemacht hat – es wurde 2013 zum Jugendwort des Jahres gewählt.

Dabei sind zuweilen gelungene Parodien fast so erfolgreich wie das Original. Haftbefehls „Chabos wissen, wer der Babo ist“ kommt auf fast 13Millionen Klicks, eine Parodie im Swing-Stil immerhin auf beinahe vier Millionen. Swing statt Rap, näselndes Deutsch statt „Kanakensprache“ – die Komik erwächst hier aus der Differenz.

Die Grenzen zwischen Parodie und Comedy sind fließend. Y-Titty etwa greifen in ihren Musikvideos gern zu den Mitteln der Travestie und schreiben selbst Songs mit humoristischer Schlagseite. Zu den Comedy-Stars auf YouTube zählen auch ApeCrime, iblali und Applewar Pictures.

Neben LeFloid, dem großen Star des Infotainments, versuchen auch Konkurrenten mit Nachrichten Quote zu machen. Allerdings mit weit geringerem Erfolg: Ein sehr sympathischer Vertreter ist MrWissen2go. Im Gegensatz zu LeFloid verzichtet er auf grafische Mätzchen, auf eingeblendete „Wows“ und „WTFs“, und er hält sich mit Meinungen eher zurück. Aber wie LeFloid spricht er ohne Teleprompter oder Skript über ein von ihm gewähltes Thema: Zuletzt erklärte er in einem plakativ „Sind Hauptschüler dumm?“ betitelten Beitrag nuanciert die Entwicklung des Schulsystems in Deutschland.

Weniger Nachrichten als Hintergrundinformationen liefert Doktor Allwissend, übrigens auch für Eltern interessant, wenn sie wissen wollen, was etwa „Yolo“ (You only live once) bedeutet. Weitere Themen: „Bewerbungsgespräche perfekt meistern“ oder „Warum alle Apple lieben“.

Immer häufiger spielen Cartoons eine Rolle auf YouTube. Manniac etwa stellt kleine Kunstwerke ins Netz: Während er vor laufender Kamera gefangene Freiheitsstatuen, grimmige Räuber und eine Gruppe Menschen samt Videokamera zeichnet, erklärt er, was es mit dem Überwachungsstaat auf sich hat. Coldmirror, die unumstrittene Queen von YouTube in Deutschland, die ihre Arbeiten zum Teil im Fernsehsender EinsFestival zeigt, hat eine eigene Comicreihe laufen, „Die Japanoschlampen“.

Ein weiteres wichtiges Format sind die Tutorials, die allerdings eher selten professionell gestaltet sind. Es gibt fast nichts, was man sich nicht beibringen und erklären lassen kann, wenn man die nötige Geduld mitbringt: das Lösen eines Zauberwürfels, das Kochen des perfekten Steaks, Stricken und Häkeln, die binomischen Formeln (in Liedform übrigens). Der entscheidende Vorteil von YouTube: Man kann das Video jederzeit anhalten, falls einem etwas zu schnell geht.

Kalender

Montag kommt LeFloid heraus, zweiter Erscheinungstermin ist Donnerstag.

Mittwoch und Freitag stellen Y-Titty ein neues Video ins Netz.

Samstag
erscheinen neue Filme von iBlali.

Auf Sonntag
und Mittwoch warten die Fans von Applewar Pictures.

Täglich bzw. jeden zweiten Tag veröffentlichen Gronkh und Sarazar ein „Let's Play“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2014)

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