E-Book: Die Bibliothek in der Handtasche

Der weltgrößte Buchhändler will mit einem mobilen Gerät das Ende des klassischen Buchs einläuten.

Amazon

Wenn es nach Amazon geht, ist das klassische Buch ein Auslaufmodell. Mit „Kindle“ hat das Internetunternehmen ein Gerät vorgestellt, das Texte laden und auf einem Display darstellen kann.

Versuche, das herkömmliche Buch durch eine elektronische Variante zu ersetzen, hat es schon einige gegeben. Dies ist allerdings der erste, der nicht von einem Elektronik- oder IT-Hersteller, sondern von einem (Online)-Buchhändler unternommen wird.

Bestseller per Mobilfunk

Das interessanteste Feature von Kindle ist, dass die Bücher ohne PC via Mobilfunk auf das Gerät kommen – direkt aus dem Amazon-Shop, versteht sich. Derzeit stehen 88.000 Buchtitel sowie zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften und Bloggs zur Verfügung. E-Books aus anderen Quellen müssen umständlicher per E-Mail geladen werden. Sollte das Gerät, das rund 200 Bücher speichert, einmal verlorengehen, können bei Amazon gekaufte Titel kostenlos auf ein neues Kindle geladen werden. Ein Überspielen auf Geräte anderer Benutzer ist nicht möglich. Neben Volltextsuche, automatischer Aktualisierung von Zeitungsabos und installiertem Wikipedia stellt Amazon bei Büchern auch die ersten Kapitel als Gratis-Sample zur Verfügung.

Kindle selbst kostet 399, Bestseller und aktuelle Titel rund zehn Dollar. Die Mobilfunkgebühren für die Datenübertragung werden von Amazon übernommen – alles vorerst nur in den USA.

Das Display von Kindle ist übrigens kein LCD-Schirm, sondern funktioniert nach dem Prinzip der elektronischen Tinte, die ohne Hintergrundbeleuchtung arbeitet und daher auch im Sonnenlicht verwendbar ist. Die Batterie reicht (ohne Funkverbindung) bis zu einer Woche.

Parallelen zu iPod?

Das augenschonende Display erhöht zwar die Chancen auf Akzeptanz, dennoch sind Geräte mit ähnlicher Technologie bereits gescheitert. Wirklich neu ist die Möglichkeit, Inhalte ohne PC unterwegs downzuloaden und die Integration in den Amazon-Shop; Kommentatoren ziehen bereits Parallelen zu Apples iPod/iTunes. Ob Kindle ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, ist derzeit aber nicht abzusehen.

Bleibt noch ein Rätsel: der Name. „to kindle“ heißt „zündeln“. Amazon will mit Kindle wohl die Initialzündung für das E-Book einleiten. Manche sehen darin aber auch eine Anspielung auf Ray Bradburys Roman „Fahrenheit 451“, der wiederum nach jener Temperatur benannt ist, bei der Papier zu brennen beginnt...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2007)

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