Internet: Das bessere Wikipedia?

Google feiert den 100.000. Eintrag in seiner Online-Enzyklopädie „Knol“

Stolz verkündete Google vor wenigen Tagen im offiziellen Unternehmensblog (http://googleblog.blogspot.com) die Veröffentlichung des hunderttausendsten Knols. Fragt sich nur: „Was ist ein Knol?“ „Ein Knol ist ein substanzieller Artikel zu einem bestimmten Thema, der von Leuten verfasst wurde, die sich bei den jeweiligen Inhalten auskennen“, erläutert Cedric Dupont, verantwortlicher Product Manager das Wesen eines Knol-Beitrags. Google hat die Wissensplattform Knol im Juli des vergangenen Jahres als Alternative zu Wikipedia ins Leben gerufen.


Von Arktis-Expeditionen bis Zoos

Die Bandbreite der behandelten Themen ist vielschichtig und reicht von einem Abriss bisheriger Arktis-Expeditionen bis hin zu einer – eher wenig bevölkerten – alphabetischen Liste der Zoos in Europa. Im Gegensatz zu Wikipedia gibt es bei Knol für jeden veröffentlichten Artikel eine Autorenpatenschaft, welche für die inhaltliche Qualität des Artikels sorgen soll. Etwaige Änderungen und Ergänzungen werden nur dann publiziert, wenn der ursprüngliche Autor seinen Sanktus gibt. Für die Gestaltung der Artikel steht ein einfach zu bedienender Online-Editor zur Verfügung. Die Einbindung von Videos, Tabellen oder Präsentationen ist möglich. Die Knol-Plattform ist mittlerweile in acht Sprachversionen verfügbar, Beiträge werden in 59 verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Wie bei Google üblich können Einträge nur mit einem persönlichen Google-Konto, welches den Autor bei Google identifiziert, verfasst werden. Eine in die Seite integrierte Statusanzeige informiert über Ratings sowie die Anzahl der bisherigen Leser. Durch die mögliche Einbindung von Google Ads kann sich der Autor über Werbeeinnahmen ein Zubrot verdienen. „Mit dem Knol-Projekt soll ein Weg gefunden werden, dass Menschen ihr Wissen teilen können, und die Bedeutung der Autoren hervorzuheben“, verdeutlichte Udi Manber, Vice President of Engineering bei Google, bei der Markteinführung des Projekts. Inwieweit Google die bei Knol erschienenen Beiträge in der eigenen Suche bevorzugt, bleibt offen. Derzeit scheint das nicht der Fall zu sein. Ein aktuelle Suche nach Beiträgen mit dem Nachnamen des neuen amerikanischen Präsidenten listete über 1400 Beiträge in Knol. In der Google-Suche finden sich für Obama über 249 Millionen Webseiten. Keiner der Knols schaffte es auf die Top-10-Ergebnisplätze der Suchmaschine. Der entsprechende Wikipedia-Eintrag war hingegen auf Platz drei prominent platziert. Es sieht also ganz danach aus, als würde Google den Nunmehr-Konkurrenten Wikipedia fair behandeln. Ob und wie lange das noch so bleiben wird, ist ungewiss.

http://knol.google.com

INFO KNOL

Die Wissensplattform Knol wird von Google betrieben und hat bereits über 100.000 Einträge, die wie bei Wikipedia von Usern verfasst werden. Die Hauptunterschiede: Änderungen sind nur mit Zustimmung des Autors möglich, die Autoren können an Anzeigen mitverdienen. Skeptiker befürchten einen Interessenkonflikt von Google. Bisher scheint Knol in der Suche aber nicht bevorzugt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2009)

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