Nutzer kennen Unterschied zwischen Facebook und Internet nicht

In Teilen Afrikas und Indonesien ist der Online-Zugang zu Informationen vor allem über Facebook üblich. Eine bedenkliche Entwicklung.

(c) REUTERS (� Beawiharta Beawiharta / Reute)

Internet und Facebook, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zumindest wenn es nach Nutzern aus Indonesien und Afrika geht. In zwei voneinander unabhängigen Studien kamen Forscher zur Erkenntnis, dass die Nutzer zwar in der Umfrage angaben, dass sie das Internet nicht verwenden würden, aber in Gruppengesprächen erzählten sie wiederum von ihren Facebook-Aktivitäten.

Der Grund dafür ist schnell gefunden. Facebook ist durch seine Internet.org-Initiative leichter zugänglich als das Internet per se. Hinzu kommt, dass dieser Zugang zudem auch noch kostenlos ist. In vielen Ländern gibt es auch günstige Facebook-Tarife. Der Preis dafür ist deutlich geringer als herkömmliche Internet-Tarife bei den selben Anbietern.

Über Facebook können Inhalte auch bei einer langsamen Mobilfunkverbindung genutzt werden. Die erst kürzlich veröffentlichte Facebook-Lite-App läuft auch auf weniger gut ausgestatteten Smartphones stabil. Zudem filtert sie vorab datenintensive Inhalte.

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Den Studien zufolge macht das auch Sinn, denn nur knapp die Hälfte klickt auf Links, die auf Inhalte außerhalb Facebooks verweisen.

Facebooks Weg der Manipulation?

Für Facebook und auch andere Unternehmen wie Google sind diese Schwellen- und Entwicklungsländer ein interessanter Markt. Während in den großen Märkten bereits eine Sättigung eintritt, kann man in diesen Ländern noch verdienen.

Doch so selbstlos der kostenlose Internetzugang durch Initiativen wie Internet.org klingt, so bedenklich ist er auch. Facebook lockt mit einem vermeintlichen Gratis-Angebot. Die Inhalte, die diese Nutzer zu sehen bekommen, bestimmt Facebook. Das "freie Internet" bekommt diese Nutzergemeinde nie zu sehen. Zumindest scheint dies der Plan zu sein.

Der Einschätzung des Online-Magazins Wired zufolge "sind wir alle wie Pachtbauern, die das Land mit unserer Arbeitskraft bewirtschaften. Aber der Boden gehört jemand anderem. Der Weg zurück könnte sich irgendwann als schwierig erweisen".

>> Zum Bericht des QZ

(bg)

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