Netflix-Chef: Öffentlich-Rechtliche "braucht kein Mensch"

ARD und ZDF seien Auflaufmodelle ähnlich einem Festnetz-Telefon, glaubt der Gründer der Online-Videothek. Das Phänomen "Tatort" findet er "kurios".

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Reed Hastings – (c) APA/EPA (BRITTA PEDERSEN)

Der Chef des weltweit expandierenden Online-Videodienstes Netflix, Reed Hastings (54), rechnet mit dem Untergang der traditionellen deutschen Fernsehsender ARD und ZDF. "ARD und ZDF braucht kein Mensch", sagte Hastings im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Die traditionellen Sender würden durch Streamingdienste im Internet ersetzt.

Er glaube nicht, dass die Deutschen in zehn Jahren noch Sonntagabend um 20.15 Uhr vor dem Fernseher sitzend den "Tatort" schauen werden, sagte der US-Amerikaner. "Die junge Generation kennt das gar nicht. Da schaut jeder, wann er Lust und Zeit hat."

Hastings zog Parallelen zur Erfindung des Autos und des Smartphones. "Das Auto hat ja auch das Pferd abgelöst, oder nicht?", fragte er. Und: "Natürlich gibt es noch das Festnetz. Solche Geräte stehen noch herum. Aber sie benützt kein Mensch. Alle haben Smartphones."

Mangelnde Wertschätzung von Serien

Ärgerlich finde er die seiner Meinung nach mangelnde Wertschätzung für das bewegte Bild. "Ich finde es merkwürdig, dass es gesellschaftlich anerkannt ist, einen Roman am Stück zu lesen", sagte Hastings. "'Wow, du hast die ganze Nacht gelesen?', heißt es dann, während das andere verdammt wird." Dabei schaue ja niemand alle 13 Folgen einer TV-Serie am Stück. Das Schöne sei ja nur, dass man endlich schauen könne, wann und wo und wie lange man immer wolle.

Netflix zählt inzwischen mehr als 62 Millionen Nutzer in aller Welt. Der Streamingdienst, der unter anderem mit Eigenproduktionen wie "House of Cards" und "Orange is the New Black" Erfolge feierte, gilt als weltweit größter Anbieter von Filmen und Serien im Internet.

Serie "Sense 8" mit Max Riemelt startet im Sommer

Im Sommer kommt mit "Sense 8" mit u.a. Max Riemelt eine teils in Deutschland produzierte Serie ins Angebot. Der Dienst ist inzwischen in 50 Ländern verfügbar, seit September auch in Österreich.

>> Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"

(APA/AFP/dpa)

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