Bestechungsskandal bei YouTube

Laut US-Handelsbehörde FTC haben einige YouTube-Stars von Warner Bros. Geld für positive Berichterstattung zu einem Computerspiel erhalten – ohne dies transparent zu machen.

File photo of visitors at ´You Tube´ stand during the MIDEM in Cannes
File photo of visitors at ´You Tube´ stand during the MIDEM in Cannes
(c) REUTERS (ERIC GAILLARD)

Wien. YouTube ist längst mehr als eine Videoseite. Das vor zehn Jahren von Google übernommene Portal ist die mit Abstand wichtigste Adresse für Bewegtbilder im Internet, aber auch die größte Musikplattform. Für sich genommen ist YouTube auch die zweitwichtigste Suchmaschine im Netz – geschlagen nur durch Google selbst. Durch sein Partnerprogramm, das es erlaubt, mit besonders oft angeklickten Videos Geld zu verdienen, hat YouTube auch eine ganz neue Klasse von Prominenz erschaffen. Und Felix Kjellberg, der auf dem Portal unter dem Namen PewDiePie unterwegs ist, steht über allen.

Der Schwede hat im vergangenen Jahr dem Magazin „Forbes“ zufolge ganze zwölf Millionen Dollar auf YouTube verdient. Womit? Kjellberg spielt Computerspiele und kommentiert seine Erlebnisse – oft auf eine überzeichnete, fast hysterische Art. Es ist kein Geheimnis, dass YouTube-Gamer wie PewDiePie mit ihrem Programm vor allem junge Menschen und Kinder ansprechen. Was bisher aber ein Geheimnis war: Große Medienfirmen bezahlen bekannte YouTube-Persönlichkeiten für positive Reviews, um die Verkaufszahlen für Spiele anzuheizen.

 

46 Millionen Abonnenten

Die US-Handelsbehörde FTC hat sich jetzt erstmals des Themas angenommen und sich mit Warner Bros. auf die Zahlung einer Vergleichssumme geeinigt. Konkret geht es um die Marketingkampagne für das Spiel „Middle Earth: Shadow of Mordor“, das im September 2014 auf den Markt gekommen ist. Und ausgerechnet PewDiePie, der größte YouTube-Star überhaupt (mit 46 Millionen (!) Abonnenten) wird in der Erklärung der FTC beim Namen genannt.

Konkret kritisiert die Behörde, dass lediglich im „Kleingedruckten“ sichtbar war, dass es sich bei manchen angeblich unabhängigen Reviews des „Herr der Ringe“-Spiels „Shadow of Mordor“ eigentlich um bezahlte Werbeeinschaltungen gehandelt hat. Dieses „Kleingedruckte“ in der Beschreibung zum Video sei gar nicht sichtbar, wenn man das Video etwa über Facebook oder Twitter anklicke.

Auch in den Videos selbst habe es keinerlei Transparenz gegeben. In mindestens einem Fall soll es gar keinen Hinweis gegeben haben. Die YouTube-Stars sollen „Tausende Dollar“ erhalten haben. Die derart bezahlten Videos hätten es insgesamt auf 5,5 Millionen Zuseher gebracht – von denen 3,7 Millionen allein auf das Video von PewDiePie entfallen.

Laut FTC seien die YouTube-Stars dafür bezahlt worden, das Spiel positiv zu besprechen. Was im Statement zur Einigung zwischen Warner Bros. und der FTC nicht erwähnt wird: Laut ausdrücklich unabhängigen Spieletestern, wie dem britischen Channel Worth A Buy, hat Warner Bros. von vornherein den Zugang zu Vorabversionen des „Shadow of Mordor“-Spiels an den Abschluss eines Sponsorship-Vertrags geknüpft – und ist gegen negative Reviews sogar mit Copyright-Beschwerden an YouTube vorgegangen. Solche Beschwerden können im Extremfall sogar zur Suspendierung eines Channels führen. Für manche Nutzer, die auf YouTube ihr Geld verdienen, kann das existenzbedrohend sein.

 

„Klar und eindeutig“

Die FTC hat nicht bekannt gegeben, wie hoch die Vergleichssumme mit Warner Bros. ist, es ist aber nicht davon auszugehen, dass der Entertainment-Riese unter der Strafe leiden muss. Dennoch ist die FTC-Entscheidung von weitreichender Bedeutung, hält sie doch fest, dass Warner Bros. und andere Firmen in der Zukunft dafür sorgen müssen, dass Sponsorship-Deals „klar und eindeutig“ gekennzeichnet sind.

„Die Konsumenten haben das Recht zu wissen, ob Spieletester ihre eigene Meinung wiedergeben oder ein Produkt anpreisen wollen. Firmen wie Warner Bros. müssen ehrlich sein bei ihren Marketingkampagnen“, sagte Jessica Rich, die Direktorin der FTC.

YouTube-Star PewDiePie äußerte sich am Dienstag zwar nicht zu der Sache, dürfte aber schon dazugelernt haben. Sein aktuellstes Video mit dem Titel „Aufblasbare Brüste!“, die Besprechung eines Scherzartikels, trägt die gut sichtbare Beschreibung: „Bezahlte Promotion!“

AUF EINEN BLICK

Erstmals hat die US-Handelsbehörde FTC klargestellt, dass YouTube-Stars „klar und deutlich“ angeben müssen, wenn es sich bei einem Video um bezahlte Werbung handelt. Anlass ist eine Marketingkampagne von Warner Bros. für ein Computerspiel aus dem Jahr 2014. Warner hatte Geld für positive Berichterstattung gezahlt, was aber kaum transparent gemacht wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2016)

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