Handel wird bundesweit sicherer

Innenministerium und Handel schließen Partnerschaft. "Ein direktes Netzwerk mit der Polizei" soll Händler bundesweit absichern.

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REUTERS

Wir informieren uns im Internet, tauschen uns mit Freunden und Fremden aus, und wir kaufen ein. Sogar recht viel. Weil es zum Teil günstiger ist, aber vor allem bequemer. Die Sachen werden einfach nachhause geliefert. Und das schätzen auch die Österreicher. Am liebsten kaufen sie Bekleidung, Schuhe und Lederwaren online. Gefolgt von Büchern und Zeitschriften, Ton und Bildträgern sowie von Elektro, Elektronik und Foto. Während 92,5 Prozent der österreichischen Konsumenten täglich im Internet surfen, gaben 14,2 Prozent an, ein Mal pro Woche etwas online zu kaufen. Knapp 40 Prozent werden nur einmal im Monat schwach und 30,4 Prozent gar nur alle zwei bis drei Monate. Dabei ist die Angst vor Identitätsdiebstahl, DDoS-Attacken, Viren, Trojaner – Cyberkriminalität allgegenwärtig.

Eine gemeinsame Kooperation zwischen Handelsverband und dem Innenministerium soll Konsumenten wie Händler künftig besser schützen: "Cybercrime und der Schutz kritischer Infrastruktur sind Probleme, die wir nur durch Zusammenarbeit an der Wurzel bekämpfen können und somit ein sicheres Umfeld für alle beim Einkaufen gewährleisten können", erklärte Innenminister Wolfgang Sobotka. Die Initiative "Gemeinsam sicher" beim Einkaufen bietet den Händlern ein "direktes Netzwerk mit der Polizei", führt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelverbands aus. Auch die Konsumenten sollen davon profitieren. Die durch die Initiative geschaffene, personelle Infrastruktur mit Sicherheitsbeauftragten und Sicherheitskoordinatoren stehe allen Händlern bundesweit zur Verfügung.

Sicherheit sei für den heimischen Handel ein zentrales Anliegen – sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer derart beschäftigungsintensiven Branche, als auch für die Kundinnen und Kunden, deren Versorgungssicherheit gewährleistet werden müsse, so Will weiter.

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(c)BMI / Jürgen Makowecz

Straftaten, die unter Ausnutzung der Informations- und Kommunikationstechnik oder gegen diese begangen werden, nehmen stetig zu. Kein Programm schafft eine 100-prozentige Absicherung. Jedes System hat Lücken und diese machen sich Angreifer zunutze. Trotz vieler Sicherheitsvorkehrungen besteht die Sorge, Opfer eines Angriffs zu werden; auf Händler- wie auch auch auf Kundenseite. Aus diesem Anlass hat das Marktforschungsinstitut MindTake Research im Auftrag des Handelsverbandes nachgefragt, um herauszufinden wie die heimischen Händler und Konsumenten das Bedrohungspotenzial im Netz bewerten.

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(c) MindTake/Handelsverband

Firewall, Virenschutz und regelmäßige Updates

Die verstärkte mediale Berichterstattung in den vergangenen Monaten scheint zu wirken: „Cyberkriminalität steht bei den österreichischen Händlern ganz weit oben auf der Liste potenzieller Bedrohungen. Mehr als die Hälfte der befragten Händler schätzt das Gefahrenrisiko als hoch oder sehr hoch ein, für drei Viertel der Unternehmen ist das Thema aktuell relevant. Gleichzeitig fühlen sich 71 Prozent der Händler gut vor Cyberkriminalität geschützt. Zu den populärsten Schutzmaßnahmen zählen die Firewall, Virenschutz-Programme sowie regelmäßige, zentral organisierte Software- und Security-Updates“, kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, die Studienergebnisse.

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(c) MindTake/Handelsverband

Ganz ähnlich ist die Situation auf Konsumentenseite: Jeder Zweite schätzt die Gefahren von Cyberkriminalität auf dem eigenen Computer als hoch ein, besonders bei sensiblen Kontodaten ist die Angst vor einem Angriff weit verbreitet (50,7 Prozent). Zwei Drittel der Konsumenten versuchen, sich mit Firewall und regelmäßigen Software- und Security-Updates zu schützen. Auch die Einschränkung von Zugriffsrechten durch Dritte mit 28,6 Prozent sowie die Verschlüsselung von Daten und E-Mails sind weit verbreitet. Anonymisierungsdienste wie Tor werden hingegen lediglich von 8,3 Prozent der Konsumenten verwendet.

Risiken der Digitalisierung und Vernetzung

„Das Wissen über die verschiedensten Formen von Cyberkriminalität scheint in Österreich sowohl auf Händler-, als auch auf Konsumentenseite stark ausgeprägt zu sein. Einigkeit herrscht auch bei der Frage nach den möglichen Risiken der Digitalisierung: Jeweils mehr als 90 Prozent glauben, dass durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung via Internet die Risiken für Cyberkriminalität künftig noch steigen werden“, so Rainer Will.

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(c) MindTake/Handelsverband


27 Prozent der befragten Händler gaben an, bereits Opfer von Betrug bei Online-Transaktionen (z.B. Zahlung ohne Leistung) gewesen zu sein, 13 Prozent waren schon von Fake President Fraud betroffen, wo sich Betrüger als Mitglieder der Chefetage ausgeben und eine dringende Überweisung anordnen. Bei den Konsumenten wiederum ist die Infizierung von Computern mit Schadsoftware (Viren, Trojaner) die mit Abstand häufigste Form von Cyberkriminalität. Knapp ein Drittel machte bereits ungewollt damit Bekanntschaft, gefolgt von Datendiebstahl, Phishing- und Hacker-Angriffen mit rund zehn Prozent. Distributed-Denial-of-Service (DDoS), die provozierte Überlastung des Datennetzes, ist in Österreich hingegen kein Thema, lediglich sechs Prozent der Konsumenten und zwei Prozent der Händler waren davon betroffen.

Großes Vertrauen in heimische Online-Shops

Was das Vertrauen in die Sicherheit persönlicher Daten bei der Verwendung von Online-shops betrifft, sind Herr und Frau Österreicher durchaus zufrieden. Fast 80 Prozent bewerten die Datensicherheit beim Onlineshopping als hoch oder sehr hoch, 91 Prozent empfinden österreichischer Onlineshops im Allgemeinen als sicher, und mehr als die Hälfte der Befragten vertraut heimischen Onlineshops mehr als internationalen Anbietern. In punkto bevorzugte Zahlungsmöglichkeiten bei Onlineeinkäufen haben Bezahlsysteme wie Paypal, Überweisungen sowie Kreditkartenzahlungen aus Gründen der Anonymität, Sicherheit und Einfachheit die Nase vorne.

(bagre/herbas)

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