Kino.to: Ab Mitternacht muss UPC die Filmseite sperren

Der Verein für Antipiraterie hat eine Sicherheitsleistung erbracht, die Bedingung für die Sperre war. Blockiert wird aber nur in Wien. UPC will sich gegen jegliche Inhaltskontrolle wehren.

Kinoto Mitternacht muss Filmseite
Kinoto Mitternacht muss Filmseite
(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Der österreichische Internetprovider UPC muss die Domain Kino.to und sechs IP-Adressen ab 28. Mai um 0.00 Uhr sperren. Der Konzern reagiert damit auf eine einstweilige Verfügung, die der Verein Antipiraterie Österreich (VAP) gegen das Unternehmen erwirkt hat. Bedingung für die Durchführung der Sperre war eine Sicherheitsleistung in Höhe von 50.000 Euro. Diese wurde heute, Freitag, erbracht, worauf UPC die Sperre in die Wege geleitet hat. Man werde die Entscheidung des Gerichts "selbstverständlich respektieren", erklärte UPC in einer Aussendung.

UPC: "Sind gegen jede Inhaltskontrolle"

Betroffen sind ausschließlich Kunden in Raum Wien, da die Verfügung gegen das Konzern-Unternehmen UPC Telekabel Wien erwirkt wurde. Eine Landesweite Sperre der umstrittenen Website geschieht also nicht. Generell ist UPC nicht sonderlich erpicht darauf, auf Zuruf Domains zu blockieren. "Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass es für einen Internet Service Provider wie UPC nicht richtig ist, irgendeine Art von Kontrolle darüber auszuüben, welche Internet-Inhalte unseren Kunden zugänglich gemacht werden", ließ das Unternehmen ausrichten.

Video-Streaming ohne Lizenz

Kino.to ist ein Portal, das es seinen Benutzern über aggregierte Links ermöglicht, auf aktuelle Filme per Videostream oder Download zuzugreifen. Allerdings ohne gültige Lizenzen. Dem VAP war das naturgemäß ein Dorn im Auge, da dort unter anderem "Das weiße Band" vom österreichischen Regisseur Michael Haneke angeboten wurde. Der Verein hatte schon im Herbst eine Aufforderung an mehrere Anbieter verschickt, was bei denen heftige negative Reaktionen hervorgerufen hat. Der Verband der österreichsichen Provider, die ISPA, sprach damals von "Wegelagerer-Praktiken".

Musterprozess gegen Provider

Mit der Sperre von Kino.to ist der Fall aber noch lange nicht abgeschlossen. Die Verfügung ist der erste Akt eines Musterprozesses, den der VAP gegen UPC angestrengt hat. Darin wird sich die prinzipielle Frage klären müssen, ob Provider auf Zuruf von außen verpflichtet werden können, bestimmte Domains und IP-Adressen zu blockieren, sofern dort urheberrechtlich geschütztes Material illegal angeboten wird. Kritiker werfen der Unterhaltungsindustrie vor, sich neuen, modernen Geschäftsmodellen zu verweigern. Generell gilt das Urheberrecht für Vertreter der IT-Branche als zu zerfasert und veraltet.

Sperre unwirksam

Wie wenig wirksam derartige Sperren sind, beweist der aktuelle Fall gleich. Die Nutzer von Kino.to wurden bereits über alternative Internetadressen informiert. So soll Kino.to etwa trotz der Sperre unter der URL Moviestream.to aufrufbar sein. Die Betreiber sehen sich im Recht, da sie selbst kein geschütztes Material lagern, sondern nur Links zur Verfügung stellen. Ähnlich argumentierten auch die Betreiber der BitTorrent-Suchmaschine "The Pirate Bay", die in Schweden allerdings zu Haft- und Geldstrafen verurteilt wurden.

(db)

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