"Gläserner Nutzer": Was Google mit unseren Daten macht

Dem Internet-Giganten entgeht nichts: Jede Suchanfrage bleibt über ein Jahr mit IP gespeichert und kann mit Gmail-Konto Daten verknüpft werden. Nutzt man Google Maps, weiß die Suchmaschine sogar wo man unterwegs ist.

(c) EPA (Daniel Deme)

Offiziell speichert Google Suchanfragen 18 Monate lang. In der Google Web History oder bei Google Groups bleiben die Daten jedoch ewig gespeichert. Erschreckend, wenn man weiß, was Google mit unseren Daten anstellt.

"Wenn eine Regierung heute beschließt, an bestimmte Informationen zu gelangen, dann muss sie ein Unternehmen - über kurz oder lang - auch liefern", schreibt Gerald Reischl in seinem Buch "Die Google Falle". Für Schlagzeilen hat Google damit bereits öfters gesorgt: 2007 ist bekannt geworden, dass sich die Suchmaschine in China der staatlichen Zensur unterwirft, um die Genehmigung für die ".cn"-Adresse zu erhalten.

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Dass die Kooperation Googles mit den staatlichen Behörden auch Privatpersonen treffen kann, ist weniger bekannt. Im November 2007 hat Google die IP-Adresse eines Nutzers von "Blogger.com" an ein Gericht in Israel weitergegeben. Der Blogger soll angeblich drei Lokalpolitiker verunglimpft haben. Die Amerikanerin Melanie McGuire wurde vergangenes Jahr aufgrund von gespeicherten Suchbegriffen verurteilt: Suchanfragen, wie "wie kauft man illegal Waffen", oder "wie bringt man jemanden um" galten als Indiz dafür, dass die 34-Jährige ihren Mann umgebracht hat. In diesem Fall wurden die Daten auf ihrem eigenen PC gefunden - aber auch bei Google können Behörden solche Informationen abfragen, schreibt Gerald Reischl.

Mail-Scanner analysiert Korrespondenz

Es ist zwar richtig, dass Google diese Daten auf richterliche Anweisung weitergeben muss - der Suchmaschinen-Riese scheint das allerdings sogar zu fördern: Google hat in beinahe allen Ländern "politische Berater", die eng mit Behörden und Regierungen zusammenarbeiten. Google erwirkt so Genehmigungen für Projekte wie "Street View", ist damit aber auch erster Ansprechpartner für die Weitergabe personenbezogener Daten.

Google Street View

Der Dienst reichert Google Maps mit gefilmten Straßenansichten an. Zweifelhaften Ruhm erlangte das Service, weil auf den Aufnahmen Menschen identifiziert werden können.


Gefährlich ist Google nicht hauptsächlich wegen gespeicherter Suchbegriffe. Erst wenn diese Begriffe mit Daten anderer Google-Services verknüpft werden, kann man tatsächlich von gläsernen Nutzern sprechen. Gmail etwa scannt jedes einzelne Mail und analysiert seinen Inhalt, um Werbung einzubinden. Wer Gmail nutzt, muss sich mit Namen und Adresse registrieren. Damit kann Google der zunächst anonymen IP eine Identität zuordnen und diese mit Suchbegriffen und Mail-Inhalten verknüpfen. Nutzt man dann noch Google Maps, weiß die Suchmaschine sogar wo ein Nutzer war und wo er hin will.

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