Google-Gründer: Das Ende des freien Internet droht

"Es ist beängstigend", sagt Sergey Brin. Restriktive Gesetze und abgeschottete Einheiten wie Facebook würden das Web bedrohen. Gegen allzu neugierige Behörden würde sich Google wehren, sagt Brin.

Google-Mitgründer Sergey Brin
Google-Mitgründer Sergey Brin
(c) REUTERS (Robert Galbraith)

Das Prinzip des offenen und für jeden frei zugänglichen Internet sei unter seiner bisher größten Bedrohung, sagt Google-Mitgründer Sergey Brin. In einem Interview mit dem britischen Guardian warnt er vor "sehr mächtigen Kräften", die sich derzeit weltweit gegen ein offenes Web stemmen würden. "Es ist beängstigend", sagt Brin. Und das ist er aus mehreren Gründen. Es sei eine Kombination aus Regierungen, die die Kommunikation ihrer Bürger immer stärker kontrollieren sollen, den Versuchen der Unterhaltungsindustrie, dem Filesharing Herr zu werden und abgeschotteten "walled garden"-Ansätzen, wie sie Apple und Facebook vertreten, die Brin dazu veranlassen "besorgter als in der Vergangenheit" zu sein.

Aufstand gegen Chinas Internet-Zensur

Brin gilt als eine der treibenden Kräfte hinter Googles Widerstand gegen chinesische Staatszensur Anfang 2010. Die Debatte führte zu einem teilweisen Rückzug Googles aus dem Milliardenmarkt. Das Motto "Don't be evil", dem sich der Webkonzern verschrieben hatte, geisterte mehrfach durch die Medien. Vor fünf Jahren hätte sich Brin, dessen Familie aus der Sowjetunion flüchtete, noch nicht gedacht, dass irgendein Land das Internet so nachhaltig eingrenzen könnte. Nun muss er gestehen, dass er sich geirrt hat.

Facebook: Konkurrent oder Web-Bedrohung?

So löblich viele Beobachter Brins Kritik an überbordender Überwachung werten werden, so differenziert ist wohl die Anschuldigung zu werten, Facebook und Apple würden mit ihren Ansätzen das freie Internet bedrohen. Der 38-jährige Google-Milliardär beklagt, dass Informationen, die in Apps oder in Facebook gesammelt werden "nicht gesucht werden können". Naturgemäß ein Nachteil für ein Unternehmen wie Google, das von frei verfügbaren Informationen im Web lebt. Und natürlich vom Geld der Anzeigen, die man zu diesen Suchergebnissen schalten kann.

Wenn Facebook zu Anfangszeiten des Internet existiert hätte, hätten er und sein Partner Larry Page Google nicht gründen können, behauptet Brin. "Man müsste nach deren Regeln spielen, die wirklich restriktiv sind", sagt der Firmengründer. "Sobald es zu viele Regeln gibt, unterdrückt das Innovationen." Er kritisiert auch, dass Facebook es seinen Nutzern nicht leicht macht, ihre Daten auf andere Dienste zu übertragen - vorzugsweise wohl auf die von Google.

Streit um Nutzerdaten

Google und Facebook streiten sich seit Jahren um Nutzerdaten. Google sperrte im Herbst 2010 dem weltgrößten Online-Netzwerk den Zugang zur Auswertung von E-Mail-Adresslisten - um Druck auf Facebook auszuüben und das Unternehmen dazu zu drängen, seine Datenbestände zu öffnen. Facebook bietet Nutzern an, ihre Kontaktlisten bei großen E-Mail-Anbietern wie Gmail oder Hotmail zu durchsuchen, um schneller ihre Bekannten auch bei dem Sozialen Netzwerk zu finden. Im dem Interview bekräftigte Brin die Kritik: "Facebook hat viele Jahre lang Gmail-Kontakte rausgesaugt."

Datenschutz: Kampf gegen US-Behörden

Etwas Selbstkritik hatte Brin in dem Interview aber auch übrig. Er sei sich bewusst, das viele Menschen sich sorgen darüber machen, dass ihre Daten auf Servern liegen, die sich im Einzugsbereich der US-Behörden befinden. Und tatsächlich komme es auch immer wieder vor, dass Google Daten ausliefern müsse - manchmal auch, ohne dass das Unternehmen seine Nutzer darüber informieren dürfte. "Wenn wir einen Zauberstab hätten und nicht dem US-Recht unterliegen würden, wäre das großartig", sagt Brin. Am liebsten wäre ihm eine fiktive Rechtsordnung, die alle Menschen auf der Welt akzeptieren würden. Aber solange das nicht der Fall sei "tun wir alles, was wir können um die Daten zu schützen".

(db/Ag.)

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