Trapwire: Überwachungssystem soll Verbrechen vorhersagen

Daten aus Überwachungskameras sollen vernetzt mit diversen Datenbanken gefährliche Verhaltensmuster erkennen. Wikileaks hat das System aufgedeckt und wird seitdem attackiert.

(c) Presse (Fabry)

Eigentlich ist es nicht wirklich geheim, allerdings hat bisher niemand dem Trapwire-Überwachungssystem sonderlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Nachdem die Aufdecker-Plattform Wikileaks aber Dokumente veröffentlicht hat, laut denen das System bereits in mehreren Ländern eingesetzt wird, überschlagen sich die Berichte. Trapwire wird als Maßnahme vermarktet, die Einzeltäter als solche ausfindig machen soll, noch bevor sie überhaupt ihre Tat durchgeführt haben. Der britische Guardian, der Einsicht in die Dokumente hat, fühlt sich an den Science-Fiction-Film "Minority Report" erinnert, in dem Verbrechen erkannt werden, bevor sie geschehen. Andere Medien, wie etwa die Zeit Online, gehen so weit, dass sie eine groß angelegte Überwachung der Bürger befürchten.

Verhaltensmuster erkennen

Soweit bekannt ist, wurde Trapwire von ehemaligen CIA-Agenten gegründet und wird vom umstrittenen privaten Sicherheitsdienstleister Stratfor vertrieben. Es vernetzt Daten aus Überwachungskameras und soll auffälliges Verhalten feststellen. Etwa, wenn jemand eine Militäreinrichtung fotografiert, oder öfter sein Auto vor selbiger abstellt. Trapwire nimmt dann an, dass er die Einrichtung observiert um später einen Anschlag zu planen. Alle Informationen werden über mehrere Datenbanken weltweit verknüpft. Ein Kunde ist das Department of Homeland Security, das 832.000 Dollar gezahlt haben soll, um Trapwire in Washington DC und Seattle aufzustellen. Das System diene mehreren Ermittlungsbehörden und privaten Sicherheitsfirmen, behauptet Stratfor.

Aktivisten statt Terroristen im Visier

Stratfor gelangte im Februar diesen Jahres zu ungewollter Berühmtheit. Die "Schatten-CIA", wie die Organisation damals getauft wurde, musste mit ansehen, wie fünf Millionen interne E-Mails über Wikileaks veröffentlicht wurden. Darin wird auch Trapwire erwähnt, wie sich jetzt herausstellt. Offenbar wurde schon vor Jahren über den Einsatz in Kalifornien (zusätzlich zu den oben genannten US-Städten) nachgedacht. In einer der von Wikileaks veröffentlichten E-Mails schreibt eine Stratfor-Mitarbeiterin, Trapwire sei "mehr für Bedrohungen durch Aktivisten als für Bedrohungen durch Terroristen" geeignet. Denn "Aktivisten gibt es dort immer". Die Echtheit der Nachricht ist nicht bestätigt.

Australischer Politiker will Antworten

Trapwire hat nun auch australische Politiker auf den Plan gerufen. Senator Scott Ludlam will mit Hilfe des Senats die australische Regierung dazu bringen preiszugeben, ob das Überwachungssystem in dem Land eingesetzt wird, berichtet ZDNet Australia. Außer den USA soll Trapwire auch in Kanada und Großbritannien eingesetzt worden sein. Angeblich sollen auch Unternehmen wie Google und der Business-Anbieter Salesforce von Stratfor auf einen möglichen Einsatz von Trapwire angesprochen worden sein.

Kritik an Trapwire-Artikel in New York Times

Wie stark Trapwire wirklich in die Bürgerrechte eingreift, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Die New York Times beurteilt die Bedrohung als eher moderat, weshalb es etwa vom Kolumnisten David Seaman auf Business Insider herbe Kritik hagelte. Der Spiegel versucht, die Sache relativ nüchtern anzugehen und listete auf, wofür Trapwire gedacht ist und wer die Kunden sind.

Attacke auf Wikileaks-Server

Wikileaks selbst musste sich seit der Veröffentlichung von Trapwire-Informationen gegen eine groß angelegte Attacke auf die Webserver der Plattform und zig weiterer Partnerseiten wehren. Die Angreifer hätten konstant mit 10 Gigabit pro Sekunde die Leitungen zugemüllt. Dieser Denial-of-Service-Angriff soll verhindern, dass die Daten der Plattform weiterhin öffentlich zugänglich sind. Eine Gruppe namens "AntiLeaks" schreibt sich die Attacke auf die Fahnen. Inzwischen ist Wikileaks aber wieder erreichbar, wie die Plattform mit einer trotzigen Meldung auf Twitter verkündete.

Wikileaks-Gründer will nach Ecuador

Gleichzeitig steht auch eine Entscheidung der ecuadorianischen Regierung an, ob sie dem umstrittenen Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl gewähren will oder nicht. Er hält sich derzeit in Großbritannien auf und soll nach Schweden ausgeliefert werden. Dort soll er sich wegen angeblicher sexueller Vergehen vor Gericht verantworten. Assange kämpft seit Monaten gegen seine Auslieferung und sieht die USA hinter den Anschuldigungen.

(db)

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