Autoindustrie

31.03.2012 | 19:20 |  von Walter Gröbchen (Die Presse)

Volkswagen macht seinem Namen längst keine Ehre mehr. Also: neue Marke her!

Lange Jahre, ja Jahrzehnte galt der VW Käfer als Inbegriff des – nomen est omen – Volkswagens. Also als preisgünstiges, unkompliziertes, alltägliches Mittel zur motorisierten Fortbewegung. Dabei stand schon am Anfang ein politökonomischer Großbetrug (auf den vorrangig Parteigänger der Nationalsozialisten hineinfielen): Die potenziellen Volkswagen-Lenker sahen durch die Finger. In Wolfsburg entstanden stattdessen  Kübelwagen, Panzer und „Vergeltungswaffen“ wie die V1. Die Anzahlungen für das „Kraft durch Freude“-Prestigeobjekt Hitlers verfielen nach dem Krieg. Und Professor Porsche durfte, ähnlich Wernher von Braun Raketen, unbehelligt wieder Autos bauen. Darunter eben auch die markante Vorkriegs-Billigkonstruktion, den Käfer. Er sollte sich über 21 Millionen Mal verkaufen. Und die Basis für einen der mächtigsten Konzerne der Welt schaffen. Mehr als ein halbes Jahrhundert später freut sich darüber nicht nur der Porsche-Clan mit dem Erfinder-Enkel Ferdinand Piëch an der Spitze, sondern auch der derzeitige VW-Chef Martin Winterkorn. Er kassierte im Vorjahr ein Gehalt (inklusive Boni und sonstigen Nebengeräuschen) von 17 Millionen Euro. Er hätte zwar Verständnis für Kritik an diesem obszönen Einkommen, kommentierte Winterkorn sogleich die Faktenlage, aber nicht er „entscheide über sein Gehalt, sondern der Aufsichtsrat“. Na dann!

Zufälligerweise (?) ziemlich zeitgleich ploppten News-Meldungen auf, Volkswagen plane eine neue Billigmarke. Mit Blick auf sogenannte „Schwellenländer“ – gehört da inzwischen auch Griechenland dazu? – dürfe ein Fahrzeug frisch vom Fließband nicht mehr als 5000 Euro kosten. Herr Winterkorn könnte sich dann also jährlich 3400 solcher Vehikel leisten (aber eine Garage mit einem solchen Fassungsvermögen sollte man einkalkulieren, das geht richtig ins Geld!) Dass der angedachte Markenname „Paria“ lautet, ist aber wohl nur ein Gerücht.

Der Käfer selbst fährt noch massenweise in Mexiko, bei uns ist er selten geworden. So selten wie das heutige Bobo-Design-Erinnerungsstück: der VW Beetle. Der läuft und läuft und läuft längst unter „ferner liefen“: Im Jänner 2012 hat der teure Quasi-Nachfolger mit dem historischen Armutszeugnis in Österreich 93 Stück verkauft. Das Volk interessiert sich inzwischen mehr für Golf. Und „Volksvertreter“ thronen längst in Luxuslimousinen.

Mehr unter: groebchen.wordpress.com
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