Nokia: Milliardenverlust und wenig Smartphone-Verkäufe

Erneut schreibt der Hersteller mehr als 1,5 Milliarden Euro Verlust. Die Smartphone-Verkäufe rasseln in den Keller. Nur vier Millionen Stück der neuen Lumia-Geräte konnten verkauft werden.

Nokia phones are displayed in a shop in Riga
Nokia phones are displayed in a shop in Riga
REUTERS

Ein Verlust von 1,529 Milliarden Euro. Groß und fett steht dieses vernichtende Ergebnis in Nokias Bericht für das zweite Quartal 2012. Immerhin: Im ersten Quartal betrug der Verlust noch 1,572 Milliarden Euro. Keine einzige Sparte des finnischen Handyproduzenten macht Gewinn. Lediglich der Gesamtumsatz ist im Vergleich zum ersten Quartal um drei Prozent auf 7,542 Milliarden Euro gestiegen. Grund dafür sind aber nicht erfolgreiche Handyverkäufe sondern die restrukturierte Netzwerksparte Nokia Siemens Networks mit einem Umsatzplus von 13 Prozent. Bei den prestigeträchtigen Smartphones steht Nokia auf wackeligen Beinen. Die Anzahl der verkauften Stück brach seit April um 39 Prozent auf 10,2 Millionen ein. Im Vergleich zum Vorjahr verkauft Nokia um 14 Prozent weniger Smartphones.

Smartphone-Umsatz sackt ab

Es sieht also sehr schlecht aus für den strauchelnden Traditionskonzern. Zwar verkauft Nokia seine Smartphones teurer als bisher (der Preis pro Stück stieg um sieben Prozent im Vergleich zum ersten Quartal). Der Umsatz ist aber um 34 Prozent in den Keller gerasselt. Die Sparte "Smart Devices" nahm im zweiten Quartal nur noch 1,541 Milliarden Euro ein. Im ersten Quartal waren es noch 1,704 Milliarden, im zweiten Quartal 2011 noch 2,351 Milliarden Euro.

Lumia-Modelle bleiben Ladenhüter

887 Millionen Euro hat Nokia von April bis Juni für Marketing ausgegeben. Ein großer Teil davon fiel auf die mit großem Trommelwirbel eingeführten Lumia-Smartphones auf Basis von Microsofts Windows Phone. Die Geräte scheinen aber Ladenhüter zu sein. Dass Nokia in den USA den Preis seines Flaggschiff-Modells Lumia 900 halbiert hat, dürfte wohl auch dieser Tatsache geschuldet sein. Zwar konnte Nokia weltweit vier Millionen Lumias verkaufen. Samsung und Apple verkaufen aber pro Quartal jeweils fast das Zehnfache. Von einem starken dritten Player auf dem Smartphone-Markt neben dem iPhone und Googles Android-Varianten ist Nokia also noch weit entfernt. Dennoch konnte die Aktie an der Börse um mehr als zehn Prozent zulegen.

Lumia 900 und 610: Nokias jüngste Windows Phones unter der Lupe

Letzte Hoffnung Windows Phone 8

Die wohl letzte Chance auf eine Trendwende hat Nokia Ende des Jahres. Gemeinsam mit dem neuen, aktualisierten Betriebssystem Windows Phone 8 wird der Hersteller wohl neue Smartphones einführen. Die Software fordert neue, aktuellere Hardware als in den bisherigen Geräten verbaut. Bisher sind Windows Phones in diesem Bereich der Konkurrenz hinterhergehinkt. Sollte aber auch das Weihnachtsgeschäft keinen Umschwung für Nokia bringen, könnte das Unternehmen wohl bald in einer noch prekäreren Lage sein als der kanadische Hersteller Research in Motion. Dessen Blackberry-Geräte halten immerhin bei Smartphones einen deutlich höheren Marktanteil als Nokia.

(db)

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