Mobile Netze: Roaming noch immer zu teuer

EU-Kommissarin Kroes sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit Europas und droht mit weiteren Preisregulierungen. Die Telekomgesellschaften müssten mehr auf ihre Kunden hören, so die Kommissarin.

(c) EPA (JULIEN WARNAND)

Brüssel/Cd. Neelie Kroes ist besorgt. Die EU-Kommissarin für „Digitale Agenda“ sieht Europa in ihrem Bereich hintennach. „Manche Leute sagen, wir werden zerschmettert vom Fernen Osten in Sachen Produktion und geschlagen vom Fernen Westen in Sachen Inhalt“, wie sie es am Montag bei einem Kongress in Barcelona drastisch ausdrückte. Das habe zwei Gründe: Einerseits hinkten die Investitionen im schnellen Breitbandsektor hintennach. Andererseits seien die Roaminggebühren alles andere als wettbewerbsgerecht und der Konsument mit viel zu hohen Preisen konfrontiert. „Das ist enttäuschend, aber nicht verwunderlich“, so Kroes.

 

Kunden sind beim Telefonieren vorsichtig

Die Telekomgesellschaften müssten mehr auf ihre Kunden hören, so die Kommissarin. Denn die sind alles andere als zufrieden und äußerst vorsichtig, was die Nutzung von Mobiltelefonen im EU-Ausland, vor allem aber, was die mobilen Datennetze betrifft. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung weiß, dass die Preise dank Intervention der EU-Kommission seit 2006 gefallen sind, schränken sich nach wie vor 72 Prozent der Reisenden beim Telefonieren ein, weil sie sich Sorgen um die Kosten machen. Besonders vorsichtig sind im Übrigen die Schweden mit 82 Prozent. Vergleichsweise sorglos zeigten sich in einer am Montag veröffentlichten Befragung der EU-Kommission die Griechen (57 Prozent). Was das Surfen im Internet per Handy betrifft, sind zudem nur 19 Prozent überzeugt, dass die Roamingkosten dafür fair sind.

Kommissarin Kroes ist jedenfalls eindeutig auf der Seite der Unzufriedenen. Sie sieht nicht ein, warum die Gesprächskosten innerhalb Europas dreimal so hoch wie im Heimatland sind. Und schon gar nicht versteht sie, warum Konsumenten zu Hause weniger als fünf Cent für ein heruntergeladenes Megabyte bezahlen, aber 2,60 Euro, wenn sie eine „imaginäre Grenze“ überschritten haben. Das alles sei eine klare Unterstützung für weitere Preisregulierungen durch die EU-Kommission. Ab Juli 2011 treten jedenfalls neue Regeln in Kraft, die Roamingentgelte von höchstens 35 Cent pro Minute für ausgehende und elf Cent pro Minute für eingehende Anrufe festlegen. Und bei Datenroaming muss der Betreiber schon jetzt eine Warnung an den Konsumenten senden, wenn mehr als 50 Euro an Kosten angefallen sind.

 

Mehr Freiheit beim Wechsel von Betreibern

EU-Kommissarin Kroes lotet derzeit mehrere Lösungen aus: Die größere Freiheit der Konsumenten beim Wechsel der Betreiber ist eine Variante. Die andere ist die Bevorzugung von Betreibern, deren Business-Modell auf schmaleren Spannen basiert als bei traditionellen Anbietern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Februar 2011)

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