Startup Kitchen: Männer an den Herd

Investoren und Gründer sollen sich im kleinen Rahmen näherkommen, das ist die Idee hinter der Startup Kitchen, die zum ersten Mal in Wien stattfand. Neben Gemüse wurden vor allem Geschäftsideen aufgetischt.

Gasflamme erines Gasherdes
Gasflamme erines Gasherdes
(c) www.BilderBox.com (BilderBox.com)

Elf Männer in Schürzen, inmitten von Gemüse, Pfannen und Schneidbrettln. Männer, die gemeinsam schnippeln, schneiden, stampfen – kurz: kochen. Auf den ersten Blick ist das ein ungewohntes Bild. Mit dem zweiten Blick auf die Einladung zur ersten Startup Kitchen in Wien macht die Szene im Kochstudio Essenz im 6. Bezirk schon mehr Sinn.

„Ja, ein bisschen sind wir traurig, dass beim ersten Mal keine Frauen dabei sind. Es haben sich zwar ein paar angemeldet, sind dann aber wieder abgesprungen“, bedauert Lisa Fassl die Männerdominanz hinter der Küchenzeile. Der 24-jährigen Oberwarterin, die gemeinsam mit ihrem Grazer Kollegen Bernhard Hauser die Startup Kitchen ins Leben gerufen hat, ist Female Entrepreneurship ein großes Anliegen. Die Wiener Start-up-Szene sei allerdings zu technikdominiert, um Frauen eine gute Startplattform ins Gründertum zu bieten.


Gepostete Essensfotos. Ein Überblick über das anwesende Küchenpersonal untermauert Fassls These. Die Gründer und Investoren, die da mit Töpfen und Pfannen klappern, stammen zum überwiegenden Teil aus einem technisch-wirtschaftlichen Hintergrund.

Alois Bauer etwa, der Mitbegründer von Scope Investments, hat sein Business von der TU Graz aus gestartet. „Die ist ein Nährboden für gute Ideen“, sagt der 30-Jährige, der sich nicht nur zum Netzwerken die Küchenschürze umgehängt hat, sondern auch, um Investmentmöglichkeiten abzuklopfen.

Davon gibt es in der Startup Kitchen mehr als genug: zum Beispiel Dvel, eine App, die dem User Entscheidungen abnehmen soll. „Wenn ich in der Früh nicht weiß, was ich anziehen soll, dann poste ich Bilder von den möglichen Outfits und lasse die Community darüber abstimmen“, sagt Peter Buchroithner, der seine App seit 2013 entwickelt. Weil er selbst gern kocht und immer wieder Essensfotos postet, war die Teilnahme an der Startup Kitchen für ihn aufgelegt. „Teils war es Neugier, die mich hierhergeführt hat, teils war es die Erwartung, dass die Community gestärkt werden kann.“

Valentin Scholz ist mit der Event-App Mingel zugegen, die vor drei Wochen gelauncht ist und gegenwärtig 700 User verzeichnet. Das Konzept hinter der App ist, dass sie ihren Usern vordringlich Events empfiehlt, die mit den persönlichen Vorlieben einhergehen. „Derzeit wachsen wir um 50 Prozent pro Woche. Wir sind gerade in der Preseed-Phase und hoffen, einen Investor zu finden“, sagt der 25-Jährige. Zum Koch-Event ist der Absolvent eines International Business-Studiums gekommen, weil er findet, die Szene müsse zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.


Mobile Jobbewerbungen. Gleiches gilt für Karl Edlbauer: Neben dem Kochlöffel hat er auch sein Smartphone in der Hand, auf dem er Interessierten seine App Jobswipr erklärt. Die App erlaubt mobile Jobbewerbungen und wird derzeit in einem geschlossenen Pilotprojekt auf der Wirtschaftsuni getestet. „Deloitte, PWC und die Bank Austria sind schon an Bord, auch andere Recruiter haben großes Interesse gezeigt“, bewirbt Edlbauer seine Idee.

Heiß her geht es inzwischen am Herd, die Küchenbrigade müht sich ab, das gefüllte und gebackene Gemüse auf die Teller zu bringen, das die Kitchen-Initiatoren auf den Menüplan gesetzt haben.

Bernhard Hauser nimmt sich inzwischen die Zeit, die Absicht hinter dem Start-up-Event zu erläutern. „Die Szene ist in letzter Zeit sehr stark gewachsen – was gut ist. Man merkt das vor allem beim regelmäßig stattfindenden Stammtisch, da kommen schon mehrere hundert Leute zusammen.“ Die Startup Kitchen dagegen soll einen intimeren Rahmen vorgeben, ein Forum, bei dem sich Gründer und Investoren austauschen und näherkommen sollen.

Zusammenrotten in der Küche. Hauser hat sich schon in der Grazer Gründerszene getummelt und festgestellt: „Bei allen Start-up-Events hat sich alles immer um das Essen geschart. Die Leute sind entweder in den Küchen oder bei den Buffets zusammengekommen. Das waren einfach die geselligsten Orte.“

Und genau an diesen Orten ließen sich dann auch die Investoren abfangen, die weniger gern im Rampenlicht stehen. Zwei bis drei dieser Investoren sollen nach den Plänen Hausers und Fassls alle drei Monate die Schürze umbinden, der Verlauf der ersten Startup Kitchen ermutigt sie jedenfalls zum Weitermachen. Gearbeitet wird dabei vorerst nur kostendeckend, dank Sponsoren reicht für Start-ups ein kleiner Obolus aus, um dabei zu sein.

Am Kochen

Startup Kitchen. Die Idee ist, dass Start-ups und Investoren in lockerer Atmosphäre zusammentreffen und gemeinsam kochen. Jeder Teilnehmer zahlt pro Koch-Session rund 40 Euro. Die Teilnehmeranzahl ist auf insgesamt 15 Personen limitiert und wird jedes Mal von den Veranstaltern vorselektiert. Die Treffen sollen vierteljährlich stattfinden.

Steckbrief

Bernhard Hauser.
Noch als BWL-Student hat der Initiator der Start-up Kitchen das Ideentriebwerk Graz gegründet, das die steirische Start-up-Szene vernetzt, etwa mit Veranstaltungen wie dem Start-up Playground.

Lisa Fassl.
Die Initiatorin der Start-up Kitchen ist Mitbegründerin des Ideentriebwerks Graz. Sie war von 2012 bis 2014 die erste Präsidentin des Vereins.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2015)

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