"Funde" der Phoenix: Marsstaub, made in USA?

Die Raumsonde "Phoenix" hatte und hat viel an Bord, auch organisches Material, auch Bakterien. Vieles davon hat sie allerdings von der Erde mitgebracht.

, der Roboter-Arm der Phoenix bei der Arbeit
, der Roboter-Arm der Phoenix bei der Arbeit
(c) AP (Nasa)

Die Landung der Mars-Sonde „Phoenix“ am 25.Mai hat viel Staub aufgewirbelt, echten und medialen. Inzwischen hat er sich gelegt, der Roboterarm sammelt Bodenproben, aber bisher ist es nicht gelungen, die in das Analysegerät zu bringen. Das heißt Thermal and Evolved Gas Analyzer (TEGA), in ihm soll die Marserde – vielleicht auch darin enthaltenes Marswasser – auf tausend Grad erhitzt werden, die Gase werden dann von einem Massenspektrometer analysiert.

Aber das TEGA-Sesam öffnet sich nicht weit genug, die Bodenproben kommen nicht hinein, die Nasa versucht es derzeit mit ferngesteuertem Rütteln der TESA-Öffnungsklappen. Und zeigt inzwischen einen anderen Fund: Staub auf „Phoenix“, winzige Körnchen, sie haben ein Zehntel des Durchmessers eines Menschenhaares und sind die kleinsten, die man je außerhalb der Erde gesichtet hat. Allerdings ist nicht sicher, ob sie wirklich vom Mars stammen – oder ob „Phoenix“ sie von der Erde mitgebracht hat. Denn die Sonde war verstaubt, sie wurde teilweise aus Bestandteilen einer früheren – abgeblasenen – Mission gebaut, diese Teile lagen jahrelang in einem Lager herum.

Dann wurden sie angefasst, nicht immer mit Handschuhen, es können Hautzellen auf Bauteilen geblieben sein, es sind mit Sicherheit Bakterien geblieben. Zwar gibt es ein Weltraumrecht – die UNO hat u.a. dafür ein eigenes „Committee on the Peaceful Uses of Outer Space“ mit Sitz in Wien –, und das verbietet die Verschmutzung von Himmelskörpern mit irdischem Leben, aber „Phoenix“ ist eine Sparmission: Als 1975 die letzten großen Landegeräte auf dem Mars niedergingen – Viking I und II –, standen insgesamt 800 Millionen Dollar zur Verfügung, genug auch für einen umfassenden Bakterienschutz. Und wenn 2009 die nächste große Mission startet – das „Mars Science Laboratory“ –, dann werden fast zwei Milliarden Dollar verbraucht sein, aber dafür wird sich dessen TEGA vor Beginn seiner Arbeit selbst „ausbacken“ können, alle Kontamination in seinem Inneren verbrennen.

Für „Phoenix“ waren nur 420 Millionen da, und viel wurde improvisiert: Sein TEGA etwa enthält Motoren mit Schmiermitteln, deren Bestandteile in die Analysekammer und das Massenspektrometer geraten können. „Wir werden organisches Material sehen“, erklärt Aaron Zent vom Ames Research Center der Nasa in Pasadena: „Ganz sicher werden wir es sehen, weil wir es mitgebracht haben“ (naturenews, 6.6.). Werden Bakterien dabei sein? Auch mit Sicherheit: Vier Monate vor dem Start, im April 2007, hat die Nasa in den Räumen, in denen „Phoenix“ zusammengebaut wurde, gemessen. Pro Quadratmeter (Wand, Boden, „Phoenix“-Bestandteile etc.) fanden sich 100.000 Bakterienzellen von 132 Arten.


Bacillus pumilus könnte überleben

Mit Säuberungsmaßnahmen gelang es zwar, die Zahlen bis zum Start auf 26.000 Zellen und 100 Arten zu drücken. Das ist extrem wenig, in jedem Gramm irdischen Bodens sind Millionen Bakterien, aber es ist zu viel. Und manche der Bakterien sind extrem zäh, halten Hitze, Kälte und Salz aus. Eines hält auch harte UV-Strahlung aus, Bacillus pumilus. „Das ist der widerstandsfähigste Organismus, den wir isolieren konnten“, berichtet ein Mikrobiologe der Nasa: Zwar stirbt auch dieses Bakterium unter der starken UV-Strahlung auf dem Mars rasch – die Forscher haben es simuliert –, aber wenn man es in marsähnlicher Erde platziert, überlebt es (New Scientist, 6.6.).

Allerdings braucht es Wasser, und ob es das auf dem Mars gibt, ist zweifelhaft. Aber selbst wenn es und alle anderen an Bord schon tot auf dem Mars angekommen oder dort gestorben sind – verschwunden sind sie nicht. Die Zellen sind da und lassen sich von keinem Analysegerät von denen möglicher Mars-Bakterien unterscheiden. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2008)

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