Wissensmanagement im Unternehmen 2.0

SOCIAL SOFTWARE. Lösungen aus dem Mitmach-Internet für Informationsverwaltung und Innovationsprozesse.

Unternehmen aller Größen stehen unter dem Druck, firmenintern effektiv zu kommunizieren und Informationen – vom Projektplan bis hin zur Nummer des Pizzadienstes – allen Mitarbeitern bereitzustellen und auch auffindbar zu machen. Erste Ansätze, Informationen mithilfe eines Knowledge-Management-Systems strukturiert zu erfassen, waren Ende der 90er nur teilweise von Erfolg gekrönt. Anstatt auf vorgegebene Strukturen setzen viele Unternehmen nun auf den Einsatz von „Social Software“ und Web-2.0-Technologien, um sowohl Wissens- und Innovationsmanagement im Unternehmen zu betreiben als auch, um die Innen- und Außenkommunikation zu verbessern. Zusammen mit einer Änderung der Unternehmenskultur hin zu autonomen, selbstgesteuerten Teams, wird dieser Trend oft unter dem Begriff „Enterprise 2.0“ zusammengefasst.

Ein Unternehmen, das mit dem Einsatz eines Wikis – einer Website, vergleichbar mit der Wikipedia, die von allen Mitarbeitern einfach geändert werden kann – bereits stark auf „Social Software“ setzt, ist der österreichische IT-Dienstleister Sphinx. Beinahe jeder Mitarbeiter nutzt das Wiki mehrmals täglich als zentrale Wissens- und Datenquelle für organisatorische und fachliche Aufgaben.


Besserer Wissenstransfer

„Seit unser Wiki in Betrieb ist, erleben wir einen deutlich besseren Wissenstransfer und regeren Informationsaustausch, vor allem auch über die Projektteams hinweg“, erklärt Ingrid Kriegl, Geschäftsführerin des Spezialisten für Individualsoftware und IT- Dienstleistungen Sphinx. „Aus Sicht der Geschäftsleitung ist das Wiki ein voller Erfolg. Vor allem auch deshalb, weil es nicht vorgegeben oder verordnet wurde, sondern aus der Mannschaft entstanden ist und daher auch von der Mannschaft getragen wird“, so Kriegl weiter.

Genutzt werden Wikis hier nicht nur für „triviale“ Informationen wie Lokaltipps, sondern auch als Projektzentrale, die alle relevanten Informationen beinhaltet. Über firmeninterne Blogs, einen weiteren Bestandteil der „Social Software“, können Mitarbeiter Artikel von allgemeinem Interesse publizieren und diskutieren. Für neue Mitarbeiter sind Wiki und Blogs eine ideale Anlaufstelle, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen und die Experten für die diversen Bereiche auszumachen.


Struktur und Bewertung

IBM war eines der ersten großen Unternehmen, das den Enterprise-2.0-Ansatz konsequent umgesetzt hat. Einige der eingesetzten Werkzeuge werden unter dem Namen „Connections“ nun auch vermarktet.

Dabei werden Informationen in etwa so verwaltet, wie man es auch aus dem Internet kennt. Der Harvard-Professors Andrew P. McAffee argumentierte nämlich, dass das Auffinden von Informationen im Internet nachweislich viel besser funktioniert als im Intranet, weil die Masse der Nutzer durch Links Informationen strukturieren und bewerten. In Connections können daher beispielsweise alle Personeninformationen, Blogeinträge, Lesezeichen und Aktivitäten, die mit den Werkzeugen erstellt und verwaltet werden können, mit sogenannten Tags versehen werden, die das schnelle Auffinden von Informationen erleichtern.

Suzanne O Minassian, Produkt Manager IBM Lotus Connections, sieht Social Software auch als Werkzeug für das Innovationsmanagement in Unternehmen: „Viele Unternehmen wissen, dass sie innovativer werden müssen, sind sich aber nicht im Klaren darüber, wo und wie. Mithilfe von Social Software können sie ihre eigenen Mitarbeiter, aber auch Partner und Kunden, schnell und einfach in den Überlegungsprozess integrieren.“


Innovationsprozess steuern

Auf diesen Trend setzt auch der österreichische GroupwareAnbieter bat-groupware. Mit dem Produkt „iWare“ werden Unternehmen dabei unterstützt, Innovationsmanagement schneller, einfacher und erfolgreicher zu betreiben. Der oft komplexe und scheinbar zufällige Innovationsprozess im Unternehmen kann so gesteuert und nachvollziehbar werden, und wie bei jeder Enterprise-2.0-Lösung sind alle Beteiligten schnell und einfach immer auf dem letzten Wissensstand.

„Wir hatten immer schon Gemeinschaften von Leuten in Unternehmen, die gemeinsame Interessen hatten und ihr Wissen austauschten. Mit Social Software haben wir nun die Möglichkeit, diesen Austausch zu optimieren und allen zur Verfügung zu stellen“, so Suzanne O Minassian.

SOCIAL SOFTWARE

„Soziale Software“ sind Dienste, um zumeist selbstorganisierte Online-gemeinschaften aufzubauen. Zu den Grundfunktionen gehört die Verwaltung von Informationen, Personen und deren Beziehungen. Blog- und Wikilösungen, aber auch Instant- Messaging-Plattformen, Onlineforen, virtuelle Welten oder Onlinetextverarbeitung, bei der mehrere Benutzer an einem Dokument arbeiten, zählen dazu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2008)

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