"Lange Nacht der Forschung" soll nun jährlich stattfinden

Am Samstag lockte die Lange Nacht der Forscher 240.000 Besucher in Österreichs Forschungs-Stätten. Nun soll das Event ein Fixpunkt im jährlichen Veranstaltungs-Kalender werden. Die Lange Nacht fand heuer zum zweiten Mal statt.

LANGE NACHT DER FORSCHUNG
LANGE NACHT DER FORSCHUNG
(c) APA (Andreas Pessenlehner)

Die zweite "Lange Nacht der Forschung" traf wieder auf reges Interesse: Tausende Menschen in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien und Wiener Neustadt haben am Samstagabend bei freiem Eintritt die Chance ergriffen, hinter die sonst verschlossenen Türen von Forschungseinrichtungen zu blicken. Laut den Veranstalter wurden an den insgesamt 375 Stationen in den sechs Städten zwischen Sonnenuntergang (16.30 Uhr) und Mitternacht rund 240.000 Besuche gezählt. Etwa 1.000 Wissenschafter präsentierten ihre Arbeit, vollführten Live-Experimente und beantworteten Fragen. Seit der ersten Langen Nacht sind drei Jahre vergangen. Nun soll sie jährlich stattfinden.

Chemiker als Münzfälscher

Mit rund 20 Forschungsstationen war die Universität Wien in der Bundeshauptstadt einer der größten Standorte der "Langen Nacht". Hier betätigten sich etwa Chemiker als "Münzfälscher" im Hauptgebäude der Alma Mater - und zeigten dabei, dass selbst hinter einfach erscheinenden Phänomenen noch viele unbeantwortete Fragen stecken, die ihrer Lösung durch die Wissenschaft harren. Umringt von Dutzenden Schaulustigen tauchten sie Cent-Münzen in ein Natronlaugen-Zinkpulver-Gemisch - und siehe da, aus der kupferfarbenen wurde eine silberglänzende Münze. Dabei dürfte sich, wie der Chemiker erklärte, zumindest nach der Theorie ein unedleres Metall (in diesem Falle Zink) nicht an ein edleres (Kupfer) binden. Warum das doch der Fall ist, darüber rätseln die Forscher noch. Dagegen wissen sie genau, was geschieht, wenn man nun die "Silbermünze" in eine Flamme hält: Zink und Kupfer schmelzen und bilden eine Legierung (Messing) und vor den Augen der staunenden Besucher, wurde aus der unscheinbaren Fünf-Cent-Münze ein "Golddukaten".

Wissensdurst und Enttäuschung

Während man an der Uni Wien aufgrund des hohen Publikumsandrangs sogar zeitweilig kurzfristige Sperren überlegte, bot sich den Besuchern an anderen Orten wie etwa der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) oder im 19. Stock des Wiener Tech-Gate etwas mehr Raum und Zeit, sich die Präsentationen und Live-Experimente anzusehen. "Die Wissensbegierde ist das Schönste", zeigte sich eine Wissenschafterin an der Station des Instituts für Limnologie in der ÖAW über die vielen Fragen der Besucher begeistert - auch wenn die präsentierten Objekte, darunter kleine Tierchen aus dem Mondsee, die unter dem Mikroskop zu betrachten waren, von den ganz Kleinen auch schnell einmal zum Spielzeug umfunktioniert wurden. Nur zu textlastige Präsentationen weckten schon hier und da einmal ein wenig Enttäuschung: "Das erinnert mich zu sehr an wissenschaftliche Konferenzen", meinte ein Wiener.

Kostenloser Transport

Viele Besucher nutzen das Angebot des Bustransfers: Aufgrund der Anzahl der Fahrgäste und der 30-minütigen Taktzeiten waren die innenstadtnahen Einrichtungen in Wien jedoch hier und da schon einmal schneller über die öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. In den Städten Graz, Innsbruck und Wien konnten die Besucher von zentralen Punkten aus elf Bus-Routen zu den unterschiedlichsten Stationen unternehmen, in Klagenfurt und Wiener Neustadt wurde ein Shuttle-Service und in Salzburg ein Gratisticket für die öffentlichen Verkehrsmittel angeboten. Insgesamt lockten in den sechs Städten 76 Standorte mit 375 Stationen.

Jahreszahlen verdoppelt

Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl der Stationen und dem regen Publikumsinteresse, das gleich nach Sonnenuntergang, dem offiziellen Beginn der "Langen Nacht" einsetzte. "Es geht darum, der Forschung Publizität zu geben", sagte Hahn und freute sich über die "Verdoppelung" der Stationenzahl gegenüber der ersten "Langen Nacht" im Jahr 2005. Bis zur nächsten derartigen Veranstaltung will der Minister jedenfalls nicht mehr drei Jahre warten, die Veranstaltung "sollte eine fixe Jahreseinrichtung werden", wobei er - in Anspielung auf diverse Forschungspräsentationen im Vorfeld, etwa in Wien oder Linz, die Akteure aufforderte, "an einem Strang zu ziehen".

Die von Infrastruktur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium sowie dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) getragene "Lange Nacht der Forschung" fand erstmals im Oktober 2005 statt: Die 47.000 gezählten Besuche an 150 Stationen in Innsbruck, Linz und Wien wurden als großer Erfolg verbucht. Doch entgegen ursprünglicher Pläne vergingen drei Jahre, bis das Forschungsevent heuer seine Fortsetzung fand.

 

(Ag. )

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