Nobelpreis-Woche: Dominanz männlicher Preisträger erwartet

In Stockholm und Oslo werden diese Woche in den Gebieten Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Frieden wieder die berühmtsten Auszeichnungen der Welt vergeben.

Nobelpreise werden ab Montag verliehen
Nobelpreise werden ab Montag verliehen
(c) APA

Mit dem Medizin-Nobelpreis beginnt an diesem Montag in Stockholm die alljährliche Vergabe der berühmtesten Preise der Welt. Bis Mittwoch wird in den wissenschaftlichen Sparten Medizin, Physik und Chemie vor allem mit Spannung erwartet, ob die erdrückende Dominanz männlicher Preisträger anhält. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten finden sich nur wenige Frauen.

Kurz vor der Vergabe des Literatur-Nobelpreises am Donnerstag hat der schwedische Jury-Chef Horace Engdahl in einem Interview pauschale Kritik an der US-Literatur geübt, zu der mehrere der aussichtsreichsten Anwärter gehören. Als Favoriten auf den Friedensnobelpreis, der am Freitag in Oslo vergeben wird, gelten in diesem Jahr Menschenrechtler aus China und Russland.

Die Nobelpreise sind mit zehn Millionen Kronen (eine Million Euro) je Sparte dotiert. Im vergangenen Jahr gehörten mit dem Berliner Chemiker Gerhard Ertl (71) und dem Physiker Peter Grünberg (69) aus Jülich auch zwei Deutsche zu den Preisträgern.

Margaret Atwood hat Chancen

Einzige Frau neben insgesamt zehn männlichen Preisträgern war 2007 die britische Schriftstellerin Doris Lessing (88), die mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Zu den Favoriten für die diesjährige Auszeichnung werden unter anderem die US-Autoren Thomas Pynchon (71) und Don DeLillo (71) sowie Margaret Atwood (68) aus Kanada gerechnet. Aus Europa gelten der Italiener Claudio Magris (69) und der portugiesische Romancier Antonio Lobo Antunes (66) als aussichtsreiche Kandidaten. Der Ständige Sekretär der Stockholmer Jury, Horace Engdahl, erregte massives Aufsehen, als er eine Woche vor der Vergabe erklärte, Europa sei nach wie vor das "literarische Zentrum der Welt" und die US-Literatur "zu isoliert". Letztere verliere qualitativ durch starke Orientierung am Massengeschmack.

Russische Menschenrechtlerin vorgeschlagen

Für den Friedensnobelpreis aus Oslo werden die russische Menschenrechtlerin Lida Jusopowa und der in China inhaftierte Dissident Hu Jia als aussichtsreiche Anwärter unter knapp 200 offiziell nominierten Kandidaten genannt. Seit Jahren immer wieder vorgeschlagen ist auch Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (78; CDU). Im vergangenen Jahr teilten sich der frühere US-Vizepräsident Al Gore (60) und der UN-Klimarat IPCC die Auszeichnung wegen ihrer Aufklärungsarbeit zum globalen Klimawandel.

Kein echter Preis für "Wirtschaft"

Den Abschluss der Preisvergaben bildet am Montag (13. Oktober) die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften. Dieser "Preis zum Andenken an Alfred Nobel" wurde 1968 erst nachträglich von Schwedens Reichsbank gestiftet und gilt auch nach dem Verständnis der Stockholmer Nobelstiftung nicht als vollwertiger Nobelpreis. Verliehen werden alle Auszeichnungen traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des 1896 gestorbenen Stifters.

 

(Ag. )

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