„Der SPÖ und nicht der ,Krone‘ beigetreten“

Mit dem Fahrrad ins Stadtamt: Der demontierte SPÖ-EU-Abgeordneter Herbert Bösch genießt ein neues Lebensgefühl.

(c) APA

Wien/Bregenz. „Es ist ein neues Lebensgefühl“, sagt der SPÖ-Politiker Herbert Bösch. „Wenn man hinausgeht, muss man ja auch irgendwann zurückkommen.“ Der prominente Europaabgeordnete ist noch immer über seine eigene Parteiführung verbittert, doch die Rückkehr in seine Heimat Vorarlberg hat er genossen. „Es ist wunderschön, wenn ich nun mit dem Fahrrad ins Büro fahren kann.“

 

Wissen aus EU-Tätigkeit nützen

Das neue Lebensgefühl tröstet ihn über die Tatsache hinweg, dass seine Parteiführung durch einen schlechten Listenplatz einen neuerlichen Einzug ins Europaparlament bei der Wahl am 7.Juni verhindert hat. Seit 1995 war Bösch Abgeordneter, nun ist er in die Bregenzer Stadtverwaltung zurückgekehrt. Dort war er für seinen Aufenthalt in Brüssel und Straßburg karenziert gewesen.

Nun will der 55-Jährige für seine Heimatgemeinde das Wissen, das er durch seine EU-Tätigkeit erworben hat, nutzen. Ob dies bei EU-Förderungen oder dergleichen sein wird, soll sich in den nächsten Monaten zeigen. „Es werden einzelne Projekte sein.“

Herbert Bösch war einer der etabliertesten österreichischen EU-Abgeordneten. Nachdem er 1999 durch seine Arbeit als parlamentarischer Haushalts-Kontrolleur für den Rücktritt der gesamten Kommission gesorgt hatte, wurde er EU-weit bekannt. Er hatte danach auch einen fixen Platz im SPÖ-Europateam.

 

Kein Kontakt mit SPÖ-Führung

Nach seiner öffentlichen Kritik am EU-Leserbrief des früheren und jetzigen Parteivorsitzenden, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann, an die „Kronen Zeitung“ wurde er aber von der eigenen Partei demontiert. Bösch hatte daraufhin kritisiert: „Ich bin der SPÖ beigetreten und nicht der ,Kronen Zeitung‘.“

Heute sieht er das nicht anders: „Der 7.Juni hat gezeigt, was der SPÖ dieser Leserbrief eingebracht hat.“ Es gehe ihm nicht um eine Personaldebatte in der SPÖ, wenn er nun fordere, dass natürlich die Parteiführung dafür „die Verantwortung übernehmen muss“. Sie habe es verabsäumt, eine klare Position einzunehmen. Das sei für den Wähler alles andere als attraktiv gewesen.

Mit der SPÖ-Bundesparteiführung hat Bösch laut eigenen Angaben keinen Kontakt mehr. Aber er will sich für die SPÖ weiterhin in einer Bregenzer Bezirksorganisation engagieren.

Eine Rückkehr in eine europapolitische Funktion will er zwar nicht ausschließen. Aus der Ankündigung eines europäischen Bürgerforums gemeinsam mit dem ÖVP-Politiker Othmar Karas und dem Grünen Johannes Voggenhuber sei aber vorerst nichts geworden.

So will Bösch fürs Erste das neue Leben ohne ständiges Hin- und Herfliegen genießen. „Wer das länger macht, weiß, wie viel Kraft das kostet.“

 

Herbert Bösch, geboren am 11.September 1954 in Feldkirch, war von 1995 bis 2009 Europaabgeordneter der SPÖ. Beim neuen Parteichef Werner Faymann fiel er wegen seiner Kritik am „Krone“-Brief in Ungnade. Zuvor war Bösch, der sich im EU-Parlament einen Namen als Aufdecker gemacht hatte, Nationalrats- und Bundesratsabgeordneter gewesen, davor Leiter des Karl-Renner-Instituts in Vorarlberg. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2009)

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