Was wurde aus … Rudolf Streicher?

Streicher war in seinen bisher 72 Lebensjahren auf vielen Schauplätzen unterwegs. Das höchste Amt im Staat blieb ihm verwehrt. Dennoch hat er bereits einige Jahre als Präsident hinter sich. Neben der Politik und der Kultur entdeckte er spät auch seine Liebe zum Fußball.

RUDOLF STREICHER
RUDOLF STREICHER
(c) APA (Gindl Barbara)

In der Regierung von Bundeskanzler Franz Vranitzky war der gelernte Werkzeugmacher Streicher sechs Jahre (1986-1992) als Bundesminister für die öffentliche Wirtschaft und den Verkehr zuständig. Dort durfte er der guten Kommunikation zweier weiblicher Regierungsmitglieder wegen sogar seinen Platz im Parlament wechseln. Ministerin Johanna Dohnal ließ den SPÖ-Kollegen Rudolf Streicher, der auf der Regierungsbank einen Platz zwischen ihr und Staatssekretärin Marlies Fleming zugewiesen bekommen hatte, nach rechts rücken. Es war die Ära nach Kreisky, wo die Privatisierungen der Verstaatlichten wesentlich vorangetrieben wurden. Sein Verkehrsressort verhandelte mit der EU den Transitvertrag und die Ökopunkte-Regelung aus.

Prädentschaftskandidat

Zu richtig hohen Bekanntheitswerten gelangte Rudolf Streicher aber erst 1992, als er für sie SPÖ bei der Wahl zum Bundespräsidenten kandidierte und als eigentlicher Favorit im zweiten Wahlgang Thomas Klestil überraschend klar unterlag. Danach zog er sich aus der ganz hohen Politik zurück und kehrte als Generaldirektor zu Steyr-Daimler-Puch zurück, wo er schon vor seiner Ministertätigkeit beschäftigt war. Bei Steyr stand er bis zum Verkauf des ehemaligen Staatsunternehmens an Frank Stronach im Jahr 1998 dem Vorstand vor.

Fußballpräsident

1997 wurde er zum Präsidenten des Wiener Traditionsvereins Austria gewählt. Seine vorzüglichen Kontakte zu Politik und Wirtschaft konnten den Austrianern zwar keine sportliche Höhenflüge, aber zumindest finanziell goldene Jahre bescheren. 1999 verbesserte der Verein seine finanzielle Basis, denn mit Magna unter Frank Stronach konnte ein neuer Hauptsponsor geholt werden. Die Liebe des austrokanadischen Fußballmäzen soll der Legende nach bei einem gemeinsamen Landeanflug über das flutlichterleuchtete Praterstadion entstanden sein. Damit war die Arbeit für Streicher getan und er legte seine Präsidenten-Funktion im Oktober 1999 wieder zurück.

Der gebürtige Niederösterreicher wurde dann Vorstandsvorsitzender der "Österreichischen Industrie-Holding-AG (ÖIAG), der er bis zur schwarz-blauen Wende 2001 vorstand. Dann war der richtige Zeitpunkt gekommen, den 1998 erworbenen Gewerbeschein für Unternehmensberater einschließlich der Unternehmensorganisatoren aus der Schreibtischlade hervorzuholen.

Berater im Finanzbereich

Seit damals ist Rudolf Streicher als Geschäftsführender Gesellschafter der R.S. Consulting- und Beteiligungs GesmbH hauptberuflich tätig. Seit 2007 hat er auch eine Aufsichtsratstätigkeit bei dem Superfund-Hedge-Fonds inne. Unter dem Motto "Eine Hand wäscht die andere" hatte sich Kultursponsor Christian Baha den erfahrenen Ex-Minister an Bord geholt. 2010 ist Ex-Verkehrsminister Rudolf Streicher in den Expertenrat von Money Service eingezogen. Dieses Unternehmen war bisher nur in Deutschland als Vermögensverwalter und Fondsanbieter tätig.

Über all die Jahre ist der Hobbydirigent Streicher Musikliebhaber geblieben, gegenwärtig ist er Präsident der Wiener Symphoniker.


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(Ag./Red.)

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