"In China werden 26 Mio. E-Roller verkauft, in Europa knapp 10.000"

Nirgendwo sei E-Mobilität so konkurrenzfähig wie bei Rollern, sagt Joseph Constanty vom chinesischen Hersteller Niu. Die Chinesen starten eine Europa-Offensive.

Beim Vertrieb setzt man auch auf etablierte Händler, um das Misstrauen der Kunden gegenüber einer chinesischen Marke zu zerstreuen.
Beim Vertrieb setzt man auch auf etablierte Händler, um das Misstrauen der Kunden gegenüber einer chinesischen Marke zu zerstreuen.
Beim Vertrieb setzt man auch auf etablierte Händler, um das Misstrauen der Kunden gegenüber einer chinesischen Marke zu zerstreuen. – (c) REUTERS (THOMAS PETER)

Wien. Zu geringe Reichweite, hohe Kosten, fehlende Ladeinfrastruktur. Es sind diese drei Gründe, die einen breitflächigen Durchbruch der Elektromobilität beim Auto bislang verhindern. Zwar gab es im Vorjahr mit 5433 verkauften Fahrzeugen erneut ein Plus (42Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Sowohl relativ als auch absolut ist der Zuwachs gegenüber 2016 jedoch geringer ausgefallen. In Summe spielt der Anteil von Elektroautos mit 1,5 Prozent nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Anders die Situation bei Zweirädern – vor allem bei den vornehmlich in den Städten genutzten Rollern. Hier wurde 2017 mit 1310 Stück bereits fast jeder zehnte Roller mit Elektromotor ausgeliefert (in Summe gab es 15.862 ausgelieferte Mopeds). Gegenüber dem Jahr zuvor war das ein Plus von mehr als 100 Prozent.

Dennoch sei in Europa nach wie vor viel Luft nach oben, sagt Joseph Constanty vom chinesischen E-Roller-Hersteller Niu. „In China werden pro Jahr 26 Millionen Elektroroller verkauft. In Europa sind es weniger als 10.000.“ Ganz dürfte diese aus 2016 stammende Zahl aufgrund der jüngsten Zuwächse zwar nicht mehr stimmen, dennoch ist der Unterschied zwischen dem 500-Millionen-Einwohner-Markt Europa und dem etwas mehr als doppelt so großen China frappant. Vor allem angesichts der Tatsache, dass etablierte Fahrzeuge wie Dieselautos in den Städten zunehmend unter Druck geraten (siehe Artikel oben).

 

Erst 2014 gegründet

Ein Punkt, auf den auch Niu setzt. „In gewissen europäischen Städten ist die Luftqualität nicht besser als in chinesischen Metropolen“, so der aus den USA stammende Constanty. Anders als andere chinesische Firmen setzt Niu daher auch nicht auf die Expansion in anderen Schwellenländern, sondern auf den Verkauf in Europa und den USA. Hier soll nun eine Offensive gestartet werden. „Wir haben ein Erste-Welt-Produkt“, so Constanty.

Bisher gibt der Erfolg dem erst 2014 gegründeten Unternehmen recht. Obwohl der erste Roller erst im Sommer 2015 ausgeliefert wurde, konnte Niu bisher bereits 350.000Stück verkaufen – rund 6000 davon in Europa. Beim Vertrieb setzt man auch auf etablierte Händler, um das Misstrauen der Kunden gegenüber einer chinesischen Marke zu zerstreuen. „Wir sind keine Firma, die billige Produkte verkauft und dann verschwindet.“ Auch die verwendeten Teile sollen Vertrauen schaffen. Die Batterie stammt von Panasonic, der Motor von Bosch.

Je nach Modell koste ein E-Roller bis zu 3000 Euro und sei damit vergleichbar mit einem konventionellen Modell, so Constanty. Die Reichweite beträgt rund 60 Kilometer. Diese könnte künftig jedoch steigen, wovon auch bestehende Kunden profitieren würden. Da sämtliche Roller internetfähig sind, werden Updates – etwa für mehr Energieeffizienz – auch nachträglich über das Netz aufgespielt, ohne dass die Kunden etwas dafür tun müssen. Mit diesem Angebot hofft Niu sich einen großen Teil des E-Kuchens schnappen zu können. Bis 2020 sollen die Verkäufe in Europa auf 45.000 Stück steigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2018)

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