Trump verbietet größte Technologieübernahme

US-Präsident Donald Trump untersagte die Übernahme des US-Konzerns Qualcomm durch den aus Singapur stammenden Rivalen Broadcom. Bei der Transaktion geht es um 140 Milliarden US-Dollar.

Hinter dem Veto steckt die Angst des US-Präsidenten vor einer möglichen Übermacht durch chinesische Konzerne.
Hinter dem Veto steckt die Angst des US-Präsidenten vor einer möglichen Übermacht durch chinesische Konzerne.
Hinter dem Veto steckt die Angst des US-Präsidenten vor einer möglichen Übermacht durch chinesische Konzerne. – (c) APA/AFP/SAUL LOEB

Washington. Die Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium sind erst der Anfang. Im Zuge der „America first“-Devise untersagt US-Präsident Donald Trump nun den größten Übernahmeversuch in der Technologiegeschichte. Konkret geht es um den US-Konzern Qualcomm, für den der aus Singapur stammende Rivale Broadcom über 140 Milliarden US-Dollar (114 Milliarden Euro) zahlen möchte. Laut Trump könnte durch die geplante Übernahme die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigt sein.

Hinter dem Veto steckt die Angst des US-Präsidenten vor einer möglichen Übermacht durch chinesische Konzerne. Doch warum geht Trump dabei gegen einen Konzern aus Singapur vor? Immerhin gehört Singapur in Asien zu den wichtigsten Verbündeten der Amerikaner. Broadcom verfügt über keine Hauptaktionäre aus China. Zudem stellte das Unternehmen in Aussicht, seinen Konzernsitz von Singapur in die USA verlegen zu wollen.

Trumps Ängste hängen mit dem Geschäftsmodell von Qualcomm zusammen. Das Unternehmen ist der weltweit größte Produzent von Handychips. Qualcomm hat sich weiters als führender Entwickler der nächsten ultraschnellen Datenfunkgeneration, 5G, einen Namen gemacht. Mit 5G wird eine neue Ära im Mobilfunk eingeleitet. Über 5G-Geräte können beispielsweise Filme hundertmal schneller heruntergeladen werden als über derzeitige Internetanschlüsse. Ein 5G-Netz kann auch deutlich mehr Nutzer versorgen. Weltweit wollen alle Mobilfunkbetreiber auf 5G umsteigen.

Neben Qualcomm gibt es noch einen weiteren internationalen Großkonzern, der bei der Entwicklung von 5G führend ist. Dabei handelt es sich um den chinesischen Handyhersteller Huawei.

Trump und das US-Komitee CFIUS, das die Übernahmepläne von ausländischen Unternehmen prüft, befürchten, dass Qualcomm nach der Übernahme durch Broadcom die Ausgaben für die Forschung und Entwicklung deutlich reduzieren könnte. Denn Broadcom muss sich für die Milliardenübernahme stark verschulden. Um den Kredit schneller zurückzahlen zu können, dürften die Forschungsausgaben gekürzt werden. Das würde bedeuten, dass der chinesische Rivale Huawei bei der 5G-Entwicklung gestärkt hervorgehen könnte, was Trump verhindern will.

 

Chinesen auf Einkaufstour

Der US-Präsident möchte sicherstellen, dass US-Konzerne bei 5G und anderen technologischen Zukunftstrends (wie künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und das Internet der Dinge) den Ton angeben. Die USA haben Huawei schon seit Längerem im Visier. So warnten die Direktoren der US-Geheimdienste von FBI und CIA sowie die Experten der Nasa vor Handys, Computern und Netzwerken, die von Huawei hergestellt werden. Sie befürchten, dass damit Daten in die Hände des kommunistischen Regimes in Peking fallen könnten.

Schon seit Jahren streiten Politiker in den USA und Europa darüber, wie der Vormarsch der Chinesen verhindert werden kann. Chinesische Konzerne befinden sich weltweit auf Einkaufstour. In vielen Fällen werden sie dabei von staatsnahen Banken unterstützt. China konzentriert sich bei Übernahmen im Ausland vor allem auf industrielle Hoch- und Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig schottet sich China vor ausländischen Investoren ab. So können ausländische Unternehmen häufig nicht mehr als 49 Prozent an chinesischen Firmen halten. (höll)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

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