RWE und Eon feiern Innogy-Deal

Die beiden deutschen Versorger erwarten unterschiedliche Effekte aus dem neuen Tauschgeschäft. Gleichzeitig feiern beide, dass sie 2017 in die Gewinnzone zurückgekehrt sind.

Einst „ewige Rivalen“, heute feiern sie gemeinsam: RWE und Eon.
Einst „ewige Rivalen“, heute feiern sie gemeinsam: RWE und Eon.
Einst „ewige Rivalen“, heute feiern sie gemeinsam: RWE und Eon. – (c) APA/AFP/ROLF VENNENBERND

Essen/Wien. Am Dienstag war Feierstimmung in Essen. Kurzfristig haben die beiden Energiekonzerne RWE und Eon gleich auch eine Pressekonferenz einberufen, um zu der am Wochenende überraschend angekündigten Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy Auskunft zu geben. „Das ist eine Transaktion, die nur Gewinner hat“, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

Die Aufsichtsräte der beiden Energieriesen hatten die Pläne zuvor abgesegnet. Wenn die Wettbewerbshüter mitspielen, wollen sich die einst „ewigen Rivalen“ schon bald an die Neuordnung des deutschen Marktes machen. Bis Ende 2019 soll die erst vor zwei Jahren gegründete RWE-Ökostromtochter Innogy zerlegt sein: Eon will das Vertriebs- und Netzgeschäft übernehmen und RWE das Ökostromgeschäft von Innogy und Eon. RWE erhält für den Verkauf von Innogy zudem 17 Prozent an Eon.

 

Unterschiedliche Effekte

Eon sieht durch die Transaktion Einsparungen von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich ab 2022, während sie bei RWE lediglich rund 50 Millionen betragen, wie Schmitz gestern in einer Telefonkonferenz erklärte.

Eines ist bereits klar: Im Eon-Lager könnten bis zu 5000 Jobs wegfallen, während es bei RWE im Zusammenhang mit der Transaktion keinen Stellenabbau geben soll.

RWE will mit der Übernahme neben den Kohle- und Gaskraftwerken ein zweites Standbein mit dem Ökostrom aufbauen. „Jetzt sind wir mit einem Schlag auf beiden Seiten exzellent aufgestellt“, betonte Schmitz.

 

Ende der Milliardenverluste

Er legte am Dienstag auch Zahlen für 2017 vor. Nach einem Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro 2016 kehrte RWE im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurück und erzielte einen Überschuss von 1,9 Milliarden Euro. Bessere Ergebnisse im Energiehandel, der europäischen Stromerzeugung sowie der Tochter Innogy trugen ebenso dazu bei wie ein Sparprogramm. Nicht zuletzt profitierte RWE von der Rückzahlung der Atomsteuer.

Inklusive der bereits bekannten Sonderdividende von einem Euro je Aktie will RWE seinen Aktionären für das vergangene Geschäftsjahr 1,50 Euro zahlen. 2016 war die Dividende für Stammaktien gestrichen worden, Vorzüge erhielten 0,13 Euro je Aktie. Für 2018 kündigte RWE eine Erhöhung der regulären Dividende auf 0,70 Euro je Aktie an.

An der Börse ließ die Euphorie dennoch etwas nach. RWE- und Innogy-Papiere gaben zeitweise einen kleinen Teil ihrer starken Vortagesgewinne wieder ab.

Für 2018 geht RWE von einem Ergebnisrückgang aus, weil die niedrigeren Strompreise aus der Vergangenheit nun verzögert auf die Ergebnisse durchschlügen. Aktuell sieht RWE jedoch eine leichte Entspannung bei den Großhandelspreisen.

 

Gut aufgestellt

Insgesamt sehen sich RWE und Eon mit dem geplanten Tausch von Geschäftsaktivitäten für die Zukunft gut aufgestellt.

Der E.ON-Konzern, der seine Bilanz schon am Abend zuvor präsentiert hatte, kündigte an, bis 2020 den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um jährlich durchschnittlich drei bis vier Prozent zu steigern. 2017 fuhr der Konzern hier 3,1 Mrd. Euro ein, heuer sollen es 2,8 bis 3,0 Mrd. sein.

Im Vorjahr hatte Eon unterm Strich knapp vier Mrd. Euro verdient, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 8,4 Mrd. Euro erlitten worden war. Die Aktionäre sollen für 2017 eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten. (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

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