KV-Verhandlung: Ringen um 400.000 Handelsgehälter

Beim Lohn trennt die Verhandler in der vierten Runde viel. Bringt der Abend keine Einigung, droht die Gewerkschaft mit Protestaktionen am 8. Dezember – dem Einkaufstag, auf den die Branche heuer besonders hofft.

Der heiße Herbst kam am Dienstag doch noch im Handel an.
Der heiße Herbst kam am Dienstag doch noch im Handel an.
Der heiße Herbst kam am Dienstag doch noch im Handel an. – (c) REUTERS (Daniel Munoz)

Wien. Der heiße Herbst kam am Dienstag doch noch im Handel an. Da versammelte die Gewerkschaft der Privatangestellten, GPA-djp, 350 Betriebsräte vor der Wirtschaftskammer, um ihren Forderungen in den zähen Kollektivvertragsverhandlungen für 400.000 Handelsangestellte und 15.000 Lehrlinge medienwirksamen Nachdruck zu verleihen.

Gestern wurde ebendort weiterverhandelt. Die Stimmung sei „recht gut“, hieß es zur „Presse“ aus Verhandlerkreisen. Von einer raschen Einigung wollte aber bis Redaktionsschluss am Mittwochabend niemand sprechen. Es spießt sich beim Geld. Da lägen die Vorstellungen so weit auseinander, „dass ich das gar nicht kommentieren möchte“, hatte Arbeitgeberchefverhandler Peter Buchmüller jüngst gesagt.

Über die konkreten Prozente schwiegen beide Seiten. Bekannt ist nur: Die Gewerkschaft will „weit über“ der Inflation abschließen, da die überdurchschnittliche Teuerung von Nahrung und Dienstleistungen sonst die kleine Kassiererin treffe. Buchmüller beteuert, ein „sehr attraktives Paket“ auf den Tisch gelegt zu haben: Die Händler hätten Erleichterungen bei der Viertagewoche, der Bildungskarenz und der Altersteilzeit und eine kräftige Erhöhung der Lehrlingsentschädigung zugesagt.

Das hielt die Gewerkschaft nicht ab, Protestaktionen und Betriebsversammlungen für den einkaufsstarken 8. Dezember zu planen, sollte man erfolglos auseinandergehen. „Das ist politisch getrieben“, so Buchmüller zur „Presse“. „Diese Protestaktionen müssen wohl stattfinden.“ Was eine Einigung unwahrscheinlicher mache.

 

Botschaft an die Regierung

Buchmüller wiederholt damit den Vorwurf der Arbeitgeber aus der Eisenbahn- und Metallindustrie, die nach Warnstreiks mittlerweile Abschlüsse erzielen konnten. Auch sie sahen sich als Leidtragende einer Botschaft der roten Gewerkschaft an die türkis-blaue Regierung und ihren Zwölf-Stunden-Tag.

Ein Gewerkschaftssprecher wies die Kritik gegenüber der „Presse“ zurück. Aber die jüngsten Abschlüsse jenseits der 3,4 Prozent seien sehr wohl „Messlatte und Druck“. „Das Geschäftsmodell ist nicht vergleichbar“, sagt Handelsverband-Chef Rainer Will. Und die Situation vieler Kaufleute sei nach dem zu warmen Herbst kritisch: „Es geht dem Handel schlecht.“ Schon der erste Adventsamstag sei unter den Erwartungen geblieben, Demos dürften am zweiten wichtigen Einkaufssamstag nicht helfen.

Nicht nur die Drohkulisse macht den Abschluss komplizierter: Da die Händler im Vorjahr das Gehaltssystem reformiert haben, laufen in der Übergangszeit bis 2021 zwei Kollektivverträge parallel. Im alten Schema steigt der Angestellte bis dato mit 1586 Euro ein, im neuen bei einer flacheren Lohnkurve mit 1636 Euro. Beide sollen ab 1. Jänner mehr kriegen, bis dahin sollte sich der heiße Herbst abkühlen. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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