Die Schweiz stellt die Stützung des Euro ein

Der Euro ist gegenüber dem Franken auf ein Rekordtief gefallen, nachdem die Schweizer Nationalbank die europäische Währung vorerst nicht mehr stützen will. Für viele Franken-Kreditnehmer ist das noch kein Problem.

Schweiz stellt Stuetzung Euro
Schweiz stellt Stuetzung Euro
Franken – (c) Bilderbox

wien. Die Franken-Kreditnehmer werden derzeit auf eine harte Probe gestellt. Der Euro verlor am Freitag gegenüber dem Schweizer Franken abermals stark an Wert und rutschte zeitweise auf ein Rekordtief von unter 1,375 Franken ab. Für die Kreditnehmer im Euroraum ist das unerfreulich, da sich ihre Kreditschuld dadurch naturgemäß erhöht.

Grund für den neuerlichen Abfall des Euro waren Meldungen, die nach einer Sitzung der Schweizer Nationalbank (SNB) veröffentlicht wurden. Wochenlang versuchte die SNB, die europäische Einheitswährung zu stützen, indem sie massenweise Euro aufkaufte. Damit wollte sie den Franken schwächen, um der eidgenössischen Exportwirtschaft etwas Luft zu verschaffen. Laut Medienberichten hat die SNB mittlerweile mehr als 160 Mrd. Euro in ihren Büchern. Ohne diese Stützungskäufe wäre der Franken deutlich stärker bewertet.

 

„Eurozone muss Probleme lösen“

Damit soll vorerst Schluss sein, glauben Experten. Laut einer Analyse der Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird die SNB vorerst keine Stützungskäufe mehr tätigen. Die Investoren reagierten dementsprechend und kauften Franken zu, was den Euro weiter nach unten drückte. „Derzeit interveniert die Schweizer Nationalbank nicht mit Stützungskäufen. Sollte es aber wieder zu Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen (und der Franken gegenüber dem Euro schlagartig in die Höhe schnellen, Anm.), würde die SNB wohl wieder eingreifen“, glaubt Michael Kuen, Zins- und Währungsexperte bei QN Partners. Nichtsdestotrotz glaubt Kuen, „dass der Euro gegenüber dem Franken unter Druck bleiben wird, solange die Eurozone ihre Probleme nicht gelöst hat“.

Für die Kreditnehmer wird die Situation allerdings schön langsam ungemütlich. Weniger wegen des Kursverfalls, vielmehr raten die Banken (auf Druck der Finanzmarktaufsicht) zum möglichst raschen Umtausch der Frankenkredite in Euro-Darlehen. Davon raten Finanzexperten aber noch vehement ab. „Es wäre Unsinn, den Franken-Kredit jetzt, also zum ungünstigsten Kurs, umzuwandeln. Ein noch nicht realisierter Verlust ist schließlich noch kein Verlust“, sagt Finanzberater Othmar Seidl, der 1150 Kreditnehmer betreut.

Er rechnet wie Peter Wageneder, Geschäftsführer von AAA Strategic Finance, damit, dass sich der Euro-Franken-Kurs wieder stabilisiert. „Die Schweiz wird die Zinsen niedrig halten, um den Kapitalzufluss zu stoppen. Ein starker Franken ist für die Schweizer Exportwirtschaft nicht förderlich“, meint Wageneder.

 

Kredite: Kurs ist derzeit kein Problem

Sollte der Euro dennoch auf diesem niedrigen Franken-Niveau bleiben oder sogar noch weiter fallen, wäre das für viele Kreditnehmer noch kein Problem. Das verdeutlicht eine Modellrechnung der Raiffeisenlandesbank Wien-NÖ. Jene Schuldner, die im Jahr 1999 einen Franken-Kredit bei einem Kurs von 1,6 Franken je Euro aufnahmen, haben bis jetzt 20 Prozent weniger Zinsen bezahlt, als sie bei einem Euro-Kredit hätten bezahlen müssen. Durch diese Zinsersparnis könnte der Wechselkurs sogar bis auf 1,28 Franken je Euro fallen, ohne dass die Kunden schlechter als bei einem Euro-Kredit ausgestiegen wären. Tatsächlich steht der Kurs heute bei 1,37. Es gibt für die Kreditnehmer also noch Luft nach unten.

„Wenn die Banken nun empfehlen, aus der Franken-Finanzierung auszusteigen, muss man sich die Frage nach der Alternative stellen“, so Seidl. „Für den Franken-Kredit zahlt man derzeit rund 1,5 Prozent, für eine Euro-Finanzierung bestenfalls zwischen drei und 3,5 Prozent.“ Billiger werden die Euro-Darlehen nicht, im Gegenteil. Die von den Banken angebotenen Euro-Kredite verteuern sich seit Wochen stark. Jedenfalls jene, die an den Euribor gebunden sind. Der Franken-Referenzzinssatz Libor, an dem sich die Franken-Kredite orientieren, steht dagegen noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau.

 

Prämie für Tilgungsträger erhöhen

Problematisch bei Fremdwährungskrediten ist die Entwicklung der Tilgungsträger. Die meisten dieser Darlehen sehen vor, dass der Kunde zunächst nur die Zinsen zurückzahlt, die Raten aber in einen Tilgungsträger (etwa einen Fonds) zurücklegt. Dieser soll am Laufzeitende so viel wert sein, dass damit der Kredit vollständig getilgt werden kann. Durch die Finanzkrise haben aber viele Tilgungsträger stark an Wert verloren.

Für Wageneder ist auch dieses Problem beherrschbar: „Die Franken-Kredite wurden grundsätzlich mit einer Zinszahlung von drei bis fünf Prozent geplant. Tatsächlich zahlen die Kunden derzeit rund 1,5 Prozent. Bei einem 100.000-Euro-Kredit erspart man sich dadurch 2000 Euro jährlich.“ Dieses zusätzliche Geld könne man mittelfristig in den Tilgungsträger legen, damit dieser wieder auf Plan-Soll kommt.

AUF EINEN BLICK

Die Schweizer Nationalbank legt eine Verschnaufpause ein und will den Euro vorerst nicht mehr stützen (damit wollte sie bisher den Franken zu schwächen). Infolge dieser Meldungen fiel der Wert des Euro zeitweise auf Rekordtiefstände von unter 1,375 Franken je Euro. Das erhöht die Kreditschuld für die Franken-Kreditnehmer.
Experten empfehlen, dass man in den meisten Fällen den Franken-Kredit nicht in Euro umwandeln sollte, wie es die Banken raten. Problematisch wird es zumindest bei einem Kurs von 1,28 Franken je Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2010)

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