Pensionen: „Das kann man so nicht finanzieren“

Die Pensionen sind sicher, sagen die Politiker. Aber stimmt das? Oder ist das Pensionssystem gar ein Pyramidenspiel, das nicht halten kann, was es verspricht?

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Pensionen: „Das kann man so nicht finanzieren“ – (c) Bilderbox

Alpbach. Es kommt wohl nicht alle Tage vor, dass Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) die Frage beantworten muss, ob das Pensionssystem eigentlich ein Pyramidenspiel ist – also ein Betrug im Stile der berühmt-berüchtigten Madoff-Fonds. Ein System eben, das nur läuft, solange sich immer neue Dumme finden, die ihr Geld geben – in der Hoffnung, es später mit Gewinn wiederzubekommen.

Beim Forum Alpbach wurde am Mittwoch aber genau diese Frage gestellt. Und Hundstorfer saß auf dem Podium – gemeinsam mit Bank-Austria-Chef Willibald Cernko, dem Investor und Buchautor Gerald Hörhan, dem Industriellen Veit Schmid-Schmidsfelden und der OECD-Expertin Monika Queissler.

Und was tat Hundstorfer? Was ein geübter Politiker mit unangenehmen Fragen eben so tut: ignorieren. Klar, dem Staat einen groß angelegten Betrug zu unterstellen ist ein bisschen frech. Und das System, das er verwaltet, ist nicht Hundstorfers Idee gewesen. Verteidigt hat er es dann aber trotzdem. Nach dem Motto: Die Lage sei keinesfalls hoffnungslos. Vor allem, solange die SPÖ in der Regierung sitze (Wahlkampf!).

„Investmentpunk“ Hörhan und BA-CEO Cernko griffen da schon zu drastischeren Worten. „Ja, wir haben ein Problem“, sagte Cernko und rief dazu auf, den „Generationenvertrag umzuschreiben“. „Was wir unseren Kindern auf den Weg geben, sind Schulden.“ Statt über Frauen- und Männerpensionsantrittsalter zu debattieren, solle man dieses „magische Datum“ gleich abschaffen. „Jeder soll so lange arbeiten, wie er will“, so Cernko.

Hörhan legte noch eines drauf: „Das Pensionssystem kann man so nicht mehr finanzieren.“ Die Steuern seien bereits zu hoch, ein Einwanderungsland sei Österreich nicht – und deshalb müssten sich die „Zwangsabgaben“ (sprich Beitragszahlungen) weiter erhöhen. „Ich kann nur jedem jungen Menschen raten, selbst vorzusorgen – und sein Vermögen zu schützen. Und zwar sowohl vor wirtschaftlichen Gefahren als auch vor staatlichen Raubzügen. Sich nur auf den Staat zu verlassen ist sicherlich grob fahrlässig“, so Hörhan.

Frauen sind viel länger in Pension

Die Zahlen der OECD sprechen freilich eine nicht ganz so dramatische Sprache: Die sogenannte „Bruttoersatzrate“ liege in Österreich bei derzeit „knapp unter 80 Prozent“ – man bekommt einen Großteil dessen wieder, was man in das System zahlt. Dass Frauen im System bevorzugt behandelt werden – und diese Wahlkampfdebatte deshalb nicht ganz unbegründet ist –, zeigen diese Zahlen: Im Durchschnitt ist ein Österreicher 20 Jahre lang im „wohlverdienten“ Ruhestand, eine Österreicherin fast 27 Jahre lang.

Der Industrielle Schmid-Schmidsfelden forderte auch deshalb eine automatische Anpassung des Antrittsalters an die Lebenserwartung. Eine Idee, die Hundstorfer nicht so recht begeistern wollte. Da kokettierte der 61-jährige Minister lieber damit, mit „gutem“ Beispiel vorangehen zu wollen: „Ich will Sozialminister bleiben, bis ich 70 bin.“ Es blieb dem Publikum überlassen zu entscheiden, ob dies nun ein Vertrauensbeweis für das System ist – oder eher das Gegenteil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2013)

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