"Europäischer Sozialstaat wird spektakulär scheitern"

Überschreitet die Staatsverschuldung 90 Prozent des BIPs, hat die Wirtschaft keine Wachstumschance mehr, meint Unternehmer Peter Jungen. Demnach wandle Europa am Abgrund, nur die Schwellenländer hätten Chancen.

Europaeischer Sozialstaat wird spektakulaer
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Europaeischer Sozialstaat wird spektakulaer
(c) AP (Mikhail Metzel)

Die Schuldenberge haben den "Point of no return" wahrscheinlich schon überschritten und drohen, Wirtschaftswachstum und Sozialstaat der europäischen Staaten unter sich zu begraben. Zu diesem Schluss sind in Alpbach die Teilnehmer des Arbeitskreises "Borrowing from the future" gekommen. Der "Kipp-Punkt" der Staatsverschuldung liege nach historischen Erfahrungen bei rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sagte ein Teilnehmer der Arbeitsgruppe.

"Japan ist hoffnungslos"

"Wenn dieser Wert überschritten ist, gibt es für die Wirtschaft praktisch keine Chance mehr zu wachsen", meinte der deutsche Unternehmer Peter Jungen. "Nach diesem Maßstab haben die G-8 die Grenze überschritten, Europa wandelt am Abgrund, Japan ist hoffnungslos und die einzigen, die noch eine Chance haben, sind die 'Emerging Markets'."

Griechen sollten Bankrott anmelden

Jungen, der sich auf eine Studie der amerikanischen Ökonomen Carmen Reinhardt und Kenneth Rogoff berief, geht davon aus, dass das Modell des europäischen Sozialstaats - im speziellen das Pensionssystem - spektakulär scheitern wird. Den Griechen, die seiner Meinung nach die bei den EU-Staaten aufgenommenen Schulden nie zurückzahlen könnten, gibt er den Ratschlag, Bankrott anzumelden und einen radikalen Neuanfang zu machen - täten sie das nicht, würden sie ihre jungen, leistungsorientierten Leute ans Ausland verlieren.

Moment der Wahrheit kommt

Die Teilnehmer Arbeitskreises teilten im Großen und Ganzen die Einschätzung Jungens. Die (offiziell) 48 Billionen Dollar (37,5 Billionen Euro) öffentlicher Schulden auf der ganzen Welt "können nicht zurückgezahlt werden, weil sie nicht produktiv verwendet wurden", meinte etwa PwC-Consulter Helmut Kern. Entscheidend sei, was passiere, wenn der Moment der Wahrheit erreicht sei - ob die Lösung rasch oder weniger rasch, gewaltsam oder nicht gewaltsam erfolge.

(APA)

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