Immer mehr Großbanken machen ihr Testament

Neun US-Banken haben ihr Testament vorgelegt, bis Jahresende sollen Österreichs Institute folgen. Dabei handelt es sich um Notfallpläne, wie im Falle einer Insolvenz schnell und schonend abgewickelt werden kann.

(c) Www.bilderbox.com (BilderBox.com)

Wien/Höll. Die Amerikaner sind wieder einmal Vorreiter: Neun in den USA tätige Großbanken haben nun auf Anordnung der Aufsicht ihr „Testament“ gemacht. Dabei handelt es sich um Notfallpläne, wie die Gesellschaften im Falle einer Insolvenz schnell und möglichst schonend abgewickelt werden können. Eingereicht wurden die Pläne von den US-Banken JP Morgan, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup. Die Aufsicht knöpfte sich auch die Deutsche Bank, die Schweizer Institute UBS und Credit Suisse sowie die britische Barclays vor, weil diese in den USA stark präsent sind.

Die Notfallpläne sind Teil einer umfassenden Finanzmarktreform, auf die sich in Washington Regierung und Kongress geeinigt haben. Anders als in vielen Ländern in Europa gibt es in den USA bereits ein Insolvenzrecht für marode Banken. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 schlitterten 300 Institute in die Pleite. Dabei handelte es sich meist um kleinere Player. Bei großen Finanzkonzernen sieht die Lage anders aus. Diese gelten als „too big to fail“. Sie sind zu groß, um fallen gelassen zu werden und mussten vom Steuerzahler aufgefangen werden. Eine Ausnahme war die US-Investmentbank Lehman Brothers: Deren Zusammenbruch sorgte weltweit für Schockwellen.

Die neun genannten Großbanken mussten der US-Aufsicht nun darstellen, wie sie im Krisenfall in gute und schlechte Teile zerlegt werden, also welche Bereiche verkauft werden können und welche Aktivitäten sie zuerst einstellen. Sie sind verpflichtet, ihre internen Systeme so auszurichten, dass die Abwicklung möglichst rasch umgesetzt werden kann.

 

Details bleiben geheim

Ob die Testamente etwas taugen, ist allerdings unklar. Denn die Banken gliederten ihre Pläne in einen öffentlichen und einen vertraulichen Teil. Und der öffentliche Teil enthält wenig Informationen.

Die Deutsche Bank schreibt beispielsweise, dass eine allfällige Abwicklung oder ein Verkauf der US-Tochter „mit minimalen systemischen Folgen umgesetzt werden kann“. JP Morgan Chase behauptet, dass im Krisenfall die Kosten ausschließlich von den Aktionären und Gläubigern getragen werden. Die Aufsicht hat nun 60 Tage Zeit, die Unterlagen hinsichtlich ihrer Plausibilität zu prüfen. Bis Ende 2013 müssen 100 weiter US-Institute solche Pläne abgeben.

Auch in Europa arbeiten viele Banken an ihrem Testament. In Österreich sind das Raiffeisen Zentralbank, Erste Group und Bank Austria. Ihnen gab die Finanzmarktaufsicht dafür bis Jahresende Zeit. Alle drei versichern, dass sie der Aufforderung nachkommen werden. Anders als in den USA sollen in Österreich mit Hinweis auf das Bankgeheimnis der Öffentlichkeit überhaupt keine Details bekannt gegeben werden.

Das Testament gilt in Österreich als Vorstufe für das Banken-Insolvenzrecht. Wann dieses umgesetzt wird, ist unklar. Das Finanzministerium in Wien will hier zuerst die EU-Pläne abwarten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2012)

Kommentar zu Artikel:

Immer mehr Großbanken machen ihr Testament

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen