Globale Ölreserven steigen schneller als der Verbrauch

Seit 1980 wurde weltweit mehr Öl gefördert als damals gesicherte Reserven bekannt waren. Dennoch sind die gesicherten Reserven heute dreimal so hoch und würden für weitere 54 Jahre Ölverbrauch reichen.

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Symbolbild – (c) AP (Sue Ogrocki)

Wien/jaz. Es war eine „Gewissheit“, mit der eine ganze Generation aufwuchs: „In spätestens 30 bis 40 Jahren gibt es kein Erdöl mehr.“ So lautete die Prophezeiung des „Club of Rome“ aus dem Jahr 1972. Seither sind 40 Jahre mit stetig steigendem Ölverbrauch vergangen und die gesicherten Reserven inzwischen sogar deutlich angestiegen. Ist Öl also doch unendlich?

Ganz so weit wollen die Autoren einer neuen Studie („What next for the oil and gas industry?“) des britischen Thinktanks „The Chatham House“ dann doch nicht gehen. Denn natürlich sei Öl als geologische Ressource endlich. Entscheidend sei jedoch die Definition der gesicherten Reserven. Diese hängt sehr stark von den technischen sowie finanziellen Möglichkeiten zur Förderung ab. Und in beiden Fällen hat die Ölbranche in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht, die man sich vor 40 Jahren nicht zu erträumen wagte.

So werden inzwischen Tiefseebohrungen in mehreren tausend Meter Tiefe unter dem Meeresspiegel durchgeführt. In den 1970er-Jahren war die Exploration der Nordsee noch technisches Neuland, obwohl das Wasser dort nur wenige hundert Meter tief ist. Gleichzeitig stieg auch der Ölpreis auf ein konstant hohes Niveau, weshalb sich aufwendige Förderungen rechnen. Damit sorgt ein hoher Ölpreis automatisch für ein Ansteigen der gesicherten Reserven.

Alte Felder besser ausgebeutet

Doch es sind gar nicht nur die spektakulären Erkundungen wie jene in der Tiefsee, die den stetig steigenden Öldurst der Welt gestillt haben. So beträgt die „primäre Förderquote“ (die Ausbeutung eines Ölfeldes ohne Hilfsmittel wie der Injektion von Wasser, Gasen oder Chemikalien) im Durchschnitt lediglich 20 Prozent. Diese konnte durch die zuvor genannten Maßnahmen („sekundäre Förderquote“) auf 35 bis 45 Prozent gesteigert werden Dieses Ausbeuten alter Felder gilt etwa auch als Spezialität der heimischen OMV. Doch auch diese Quote bedeutet, dass in „leeren Ölfeldern“ immer noch die Hälfte des ursprünglichen Ölvorrats vorhanden ist.

Wie stark sich die Födertechnik verbessert hat, zeigen folgende Zahlen: 1980 lagen die globalen gesicherten Reserven bei 683 Milliarden Fass (je 159 Liter). Seither wurden weltweit 795 Milliarden Fass gefördert, die gesicherten Reserven stiegen per Ende 2011 aber trotzdem auf 1774 Milliarden Fass.

Den größten Zuwachs gab es naturgemäß im Nahen Osten, noch imposanter ist jedoch die Entwicklung in Süd- und Mittelamerika. Diese Region hatte 1980 für die Ölwirtschaft noch überhaupt keine Bedeutung – es gab kaum gesicherte Reserven. Inzwischen lagern dort die zweitgrößten gesicherten Reserven der Welt (siehe Grafik).



Verändert haben sich in den vergangenen 30 Jahren jedoch die Besitzverhältnisse im Ölgeschäft. Kontrollierten damals noch die westlich dominierten internationalen Ölkonzerne die Ressourcen, sind inzwischen vor allem die staatlichen Ölkonzerne von Saudiarabien, Venezuela, dem Iran, von Russland oder Brasilien die mächtigsten Ölgesellschaften. 86 Prozent aller gesicherten Reserven liegen heutzutage im Einflussbereich eines staatlichen Ölkonzerns. Und diese Entwicklung dürfte sich auch künftig fortsetzen.

Ebenfalls weiter ansteigen dürften auch die gesicherten Reserven. So wird in den USA seit einigen Jahren erfolgreich Ölschiefer abgebaut, dessen Möglichkeiten imposant klingen. So haben die USA theoretische Ölschiefervorkommen, die dreimal so groß sind wie die konventionellen Reserven Saudiarabiens. Doch auch ohne neue Funde dürfte das Öl nicht so bald ausgehen, berechneten die Studienautoren: So würden die heute gesicherten Reserven für weitere 54 Jahre Ölverbrauch reichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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