Japaner spekulieren gegen eigene Währung

Kursverfall. Carry-Trades drücken den Yen massiv.

EPA (Gillhool)

frankfurt/tokio (Bloomberg/Red.) Hausfrauen, Pensionisten, kleine Angestellte: Diese Personengruppe macht die japanische Nationalbank zunehmend nervös. Japans Kleinanleger haben nämlich die bisher ausgefuchsten Finanzprofis vorbehaltenen sogenannten „Carry Trades“ entdeckt. Sie nehmen Geld auf, kaufen damit ausländische Währungen und bringen so den Yen weiter unter Druck. Von der gefallenen Währung profitieren sie dann, wenn sie die Auslandswährung wieder zurückwechseln.

In den vergangenen Monaten ist eine richtige Carry-Trade-Hysterie ausgebrochen, das Ausmaß der privaten Währungsspekulationen ist unterdessen enorm geworden. Japanische Privatanleger hielten in dieser Woche Yen-Verkaufspositionen im Ausmaß von 19,15 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Die Terminhändler an der größten Terminbörse der Welt, der Chicago Mercantile Exchange, hatten zur gleichen Zeit 19,07 Mrd. Dollar an Shortpositionen in den Büchern.

Der Boom beschleunigt sich noch: Die Zahl der sogenannten Margin-Konten von Privatleuten verdoppelte sich innerhalb eines Jahres auf 665.000, bis zum Jahresende soll die Millionengrenze erreicht sein. Über Margin-Konten kann auf Kredit mit Währungen spekuliert werden.

Darlehen sind in Japan immer noch extrem billig: Der Leitzinssatz der Bank of Japan liegt bei 0,5 Prozent (zum Vergleich: In der Euro-Zone ist er mit vier Prozent achtmal so hoch). Das geliehen Geld wird vor allem in die Hochzinswährungen Neuseelands, Australiens und Großbritanniens investiert.

Mit anderen Worten: japanische Privatleute spekulieren derzeit in großem Stil gegen die eigene Währung. Der Yen ist entsprechend unter Druck geraten: Gegenüber dem neuseeländischen Dollar ist die japanische Währung seit Jahresbeginn um 13 Prozent gefallen, gegenüber dem australischen Dollar um 11 Prozent. Auch gegenüber dem Euro erreicht der Yen am Freitag mit einem Kurs von 167,46 ein Rekordtief.

Experten wie der Chef-Währungsstratege von Barclays Capital in Tokio, Toru Umemoto, gehen davon aus, dass der Yen noch deutlich weiter fällt. Denn die Carry-Trade-Spirale kommt mit dem Einstieg von Privaten in Japan gerade erst richtig in Gang.

SPEKULATION: Druck auf Yen

Privatanleger leihen in Japan in großem Stil Yen aus und tauschen sie gegen ausländische Währungen.

Diese Carry-Trades bringen die japanische Währung, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon deutlich abgesackt ist, weiter unter Druck.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2007)

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