„Gold bietet keinen Schutz gegen Inflation“

Anlage. Das Krisenmetall verliert seinen Glanz.

Die Presse (fabry)

New York (Bloomberg). Investoren greifen zu Gold, um sich gegen alles Mögliche abzusichern – von der Inflation über geopolitische Risiken bis zu Turbulenzen an den Aktienmärkten. Gelohnt hat sich das bisher aber eigentlich nicht.

Hätte der Goldpreis seit 1980 mit der US-Inflation – gemessen am Verbraucherpreisindex – Schritt gehalten, stünde er mittlerweile bei knapp 2120 Dollar. Stattdessen notiert er trotz der jüngsten Anstiege bei einem Drittel davon, bei 732 Dollar.

Seit 1988 besteht zwischen Gold und den Inflationserwartungen in den USA eine Korrelation von lediglich 36 Prozent, hat Goldman Sachs errechnet. Das bedeutet, dass sich der Goldpreis nur in 36 Prozent der Fälle parallel zu den Erwartungen verhält. Gold wird häufig als Inflationsabsicherung beschrieben, aber in den vergangenen 20 Jahren geschah es überaus selten, dass es diese Erwartungen auch erfüllt hätte, sagt James Gutman, Rohstoffvolkswirt bei Goldman. Es sollte deswegen auch nicht aus diesem Grunde gekauft werden.


Aktien entwickeln sich viel besser

Wer sich statt in Gold beispielsweise am Aktienmarkt engagiert hätte, wäre damit deutlich besser gefahren. Am 30. Januar 1980 stand der Standard & Poor's 500 Index bei 115,20 Punkten. An die Inflationsentwicklung angepasst müsste er inzwischen bei 287,30 Zählern stehen. Stattdessen notierte er zuletzt um die 1550 Punkte, das ist mehr als das Fünffache des inflationsbereinigten Wertes.

Auch als Zuflucht in politischen Krisenzeiten scheint das Edelmetall kaum geeignet. Ein Beispiel liefern die Terrorangriffe am 11. September 2001 – eines der bedrohlichsten Ereignisse für die Sicherheit der USA in den vergangenen fünf bis sechs Jahrzehnten. Am 31. August, zwei Wochen vor den Anschlägen, kostete eine Feinunze Gold 276,25 Dollar. In einer direkten Reaktion ging es dann zwar bis auf 295,10 Dollar nach oben. Am 23. Oktober betrug der Preis allerdings wieder 274,25 Dollar und damit weniger als vor den Anschlägen.

Seit 1997 in den USA inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) eingeführt wurden (in anderen Ländern sind sie ebenfalls erhältlich), gebe es praktisch keinen Grund mehr, sich mit Gold abzusichern, sagen Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2007)

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