Gold: Der Glanz kehrt langsam zurück

Die Stimmung für Gold ist schlecht wie schon lang nicht mehr. Im Vergleich zu Aktien und Anleihen ist das Edelmetall jedoch günstig. Die Anleger springen indes nur zögerlich auf den Zug auf.

(c) REUTERS (LISI NIESNER)

Wien.Seit der Goldpreis im Vergleich zu seinem nominellen Allzeithoch im Jahr 2011 um ein Drittel nachgegeben hat, ist das Edelmetall in der Gunst der Anleger gefallen. In diversen Beliebtheitsrankings findet es sich nur noch unter ferner liefen. Dabei sieht es heuer nicht schlecht aus. Im ersten Quartal waren es die politischen Unsicherheiten rund um die Ukraine-Krise, die das Edelmetall attraktiv machten. Es folgte ein Zwischentief, dann nahm der Goldpreis einen neuerlichen Anlauf zum Sprung über 1300 Dollar je Feinunze.

1500 Dollar könnten es in zwölf Monaten sein, meint Ronald Stöferle von Incrementum. An seinem Langfristziel von 2300 Dollar hält Stöferle, der als einer der optimistischsten Goldpreisanalysten gilt, in seinem Bericht „In Gold we Trust 2014“ fest. Bereits im Vorjahr hatte er ein Zwölf-Monats-Kursziel von 1480 Dollar ausgegeben. Dieses wurde, wie Stöferle einräumt, „klar verfehlt“. Ursachen sind seiner Meinung nach „disinflationäre Tendenzen“ und steigende Realzinsen. Zwar sind die Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflation) noch immer negativ, aber nicht mehr so stark, da auch die Inflation gesunken ist. Gold als Inflationsschutz ist daher weniger gefragt. Ein weiterer Grund sind „steigende Opportunitätskosten in Folge rallierender Aktienmärkte“: Wer sein Geld nicht in Aktien hatte, sondern in Gold, verzichtete auf Rendite.

 

Papiergeld wird billiger

Die zurückgekehrte Zuversicht für die Eurozone macht Gold als Kriseninvestment weniger interessant. Eine geplatzte Blase will Stöferle aber nicht erkennen, im Gegenteil: Auch wenn der Konsens nun von einem Ende der Goldhausse ausgehe, so sei die fundamentale Unterstützung mehr denn je intakt, meint Stöferle. Hauptgrund ist die Geldmengenausweitung: In Relation zur Basisgeldmenge befinde sich der Goldpreis auf einem Allzeittief, stellt der Analyst fest. Daran dürfte auch das „Tapering“ (langsames Zudrehen des Geldhahns) durch die US-Notenbank Fed wenig ändern: Denn würde die Fed versuchen, das bereits geschaffene Geld aus dem Markt zu ziehen, hätte das eine Rezession zur Folge, die die Notenbank zu neuen Liquiditätsspritzen verleiten würde. Der „Wechselkurs zwischen Gold und Papier“ sollte weiter steigen, meint Stöferle.

 

Silber noch günstiger als Gold

Der Zusammenhang zwischen Goldpreis und Inflation ist jedoch nicht so eindeutig. Nicht das absolute Niveau der Teuerung sei relevant, sondern die Tendenz: „Steigende Teuerungsraten bedeuten tendenziell ein positives Umfeld für den Goldpreis, während fallende Raten ein schlechtes Umfeld bedeuten“, heißt es im Report.

Aktien und Anleihen würden in einem Umfeld steigender Inflationsraten zu den Verlierern zählen. Auf den Kurs von Anleihen drückt, dass die Anleger dann steigende Zinsen erwarten und auch bei Anleihen höhere Renditen sehen wollen (das bedeutet fallende Kurse). Auch von Aktien erwarten sie dann höhere Renditen, kaufen also nur dann, wenn der Kurs im Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen niedrig ist. Steigen die Gewinne der Unternehmen nicht entsprechend an, fallen die Kurse.

Gold korreliert übrigens wenig mit anderen Vermögenswerten. Das bedeutet, dass man es als Versicherung nehmen kann. Eine positive Korrelation würde bedeuten, dass der Goldpreis sich parallel zu Aktien und Anleihen bewegt. Im Fall eines Absturzes würde beides nachgeben.

Eine negative Korrelation hätte zur Folge, dass Aktiengewinne im Depot durch einen fallenden Goldpreis abgeschwächt würden– und umgekehrt. Stöferle hat den Goldpreis auch in Relation zu anderen Vermögens- und Sachwerten gesetzt. Dabei zeigt sich: Gemessen in Anleihen liegt der Goldpreis auf einem Rekordtief. Anders gesagt: So günstig war Gold im Vergleich zu Anleihen noch nie. Relativ zu Aktien ist Gold seit Mitte der Achtzigerjahre günstig– davor war es überbewertet. Vergleicht man Gold mit realen Werten wie edlen Weinen oder Kunstwerken, ist es hingegen fair bewertet. Verglichen mit Silber ist es sogar ein wenig teuer. Das silberne Edelmetall hat stärkeren Nachholbedarf.

Historisch teuer ist Gold auch im Vergleich zu Goldminenaktien. Während der Goldpreis zu seinem Höchststand um ein Drittel nachgab, rutschten die Kurse der Minenaktien mehr als doppelt so stark ab. Die Ursachen sind zum Teil hausgemacht: Als der Goldpreis stark stieg, starteten die Minenbetreiber auch Projekte mit überdurchschnittlich hohen Förderkosten. Dann rutschte der Goldpreis mitunter unter die Förderkosten; die Betreiber mussten zahlreiche Minen wieder stilllegen.

 

Ungeliebte Minenaktien

Inzwischen hätten sie aus ihren Fehlern gelernt, meint Stöferle: Manager wurden ausgewechselt, Kosten heruntergefahren und transparenter gemacht. Sollte der Goldpreis wieder anziehen, sollten die extrem billig gewordenen Minenaktien diese Bewegung „mit Hebel“ (also vervielfältigt) mitmachen, glaubt der Experte. Er verweist allerdings auch auf die Risken, die Minenaktien verglichen mit anderen Aktien darstellen: Sie haben überdurchschnittlich lange Bullen- und Bärenmärkte (momentan herrscht ein Bärenmarkt). Für eine „Buy and Hold“-Strategie sind sie daher noch weniger geeignet als andere Aktien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2014)

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