Sparquote wächst, Pessimismus auch

Jeder Österreicher spart 200 Euro pro Monat. Laut der Fessel-GfK-Umfrage halten 78 Prozent der Österreicher das Sparbuch für eine besonders interessante Anlageform.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien (b.l./APA). Subjektiv haben die Österreicher das Gefühl, dass ihnen immer weniger Geld übrig bleibt. Tatsächlich haben sie noch nie so viel zur Seite gelegt wie heuer: 200 Euro pro Kopf und Monat werden im Schnitt gespart. Vor einem Jahr legte jeder Österreicher vom Baby bis zur Pensionistin erst 191 Euro zur Seite. Zu diesem Ergebnis kommen Hochrechnungen der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft und eine Umfrage von Fessel GfK.

Mit einer Sparquote von 11,7 Prozent des verfügbaren Einkommens haben die Österreicher in Sachen Sparen im ersten Halbjahr die Deutschen geschlagen: Diese haben laut Statistischem Bundesamt „nur“ 180 Euro pro Kopf und Monat beiseitegelegt. Das entspricht einer Sparquote von 11,3 Prozent und ist ebenfalls ein Höchststand seit 1994.

 

 

Bis zur Jahresmitte hatten die Österreicher 12,4 Mrd. neu veranlagt und saßen auf insgesamt 421,5 Mrd. Euro Ersparnissen. Das meiste des neu gesparten Geldes dürfte heuer in Bankeinlagen fließen, schätzt Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefökonom der Bank Austria. An Attraktivität verloren haben dagegen Aktien, Investmentzertifikate und Fonds.

 

Geld aus Fonds abgezogen

Laut der Fessel-GfK-Umfrage halten 78 Prozent der Österreicher das Sparbuch für eine besonders interessante Anlageform. Im zweiten Quartal waren erst 71 Prozent dieser Meinung. Grundbesitz und Immobilien erfreuen sich mit 37 Prozent gleich starker Beliebtheit wie vor drei Monaten. Gestiegen ist das Interesse an der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge (33 Prozent) sowie an der klassischen Lebensversicherung (30 Prozent). Die Zukunftsvorsorge war in den vergangenen Wochen in Kritik von Konsumentenschützern geraten, da eine Aktienquote von 40 Prozent vorgeschrieben ist, was die Performance in Zeiten wie diesen stark nach unten drückt.

Aus Fonds dürften heuer 3,7 Mrd. Euro netto abgezogen werden. Schuld daran ist nicht nur die Finanzkrise. Schon 2007 hatten die heimischen Investmentsfonds mehr Mittelabflüsse als Zuflüsse. Stark gewachsen ist dagegen das Interesse an Gold, Silber, Wertgegenständen und Antiquitäten.

 

„Früher konnte ich mehr sparen“

Trotz Rekordsparquote haben zwei Drittel der Österreicher das Gefühl, heuer weniger sparen zu können als noch vor drei Jahren. Vor einem Jahr ist erst jeder zweite Befragte dieser Ansicht gewesen. 43 Prozent hegen darüber hinaus die Befürchtung, in drei Jahren noch weniger auf die Seite legen zu können als jetzt. Nur 17 Prozent glauben, 2011 wieder mehr sparen zu können als derzeit. Das ist allerdings bereits eine leichte Verbesserung: Im Mai und Juni waren angesichts der Teuerungsdiskussion nur 13 Prozent dieser Ansicht.

Indes verliert der Weltspartag an Attraktivität: 1,5 Millionen Österreicher wollen morgen, Freitag, ihre Bank besuchen, etwas einzahlen und ein Geschenk abholen. Vor einem Jahr waren es noch zwei Millionen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2008)

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