100 Milliarden Dollar: AIG vor größtem US-Verlust

Der US-Versicherer dürfte einen Quartalsverlust von fast 60 Milliarden Dollar erleiden, was das Minus für 2008 auf 100 Milliarden treiben würde. Bisher hat AIG Finanzhilfen von rund 150 Milliarden Dollar erhalten.

APA (epa)

Der staatlich gestützte US-Versicherer AIG steht nach Medienberichten vor dem größten Verlust eines Unternehmens in der US-Geschichte. Das Minus des einst weltweiten Branchenführers liege durch enorme Abschreibungen voraussichtlich nahe 60 Milliarden Dollar (47 Mrd. Euro) - allein im Schlussquartal, so der amerikanische Wirtschafts-Fernsehsender CNBC am Montag. Für das gesamte Geschäftsjahr 2008 dürfte somit ein Verlust von rund 100 Milliarden Dollar anfallen. Das entspricht ungefähr dem 100-fachen Marktwert des gesamten Unternehmens.

Versicherungen gegen Kredite verkauft

Grund für die enormen Abschreibungen dürfte sein, dass AIG Versicherungsverträge gegen Kreditbündel verkauft haben soll. Diese Bündel waren Branchenkennern zufolge jedoch zu großen Teilen "faule" Kredite, die nicht mehr voll zurückbezahlt werden können.

AIG bittet um weitere Staatshilfen

AIG verhandle nun angesichts einer erneut drohenden Pleite mit der US-Regierung über weitere Nothilfen. Die US-Notenbank Fed hatte AIG erst Mitte September in letzter Minute vor dem Zusammenbruch bewahrt. Im Gegenzug erhielt der Staat knapp 80 Prozent der Anteile. Die verschiedenen Finanzhilfen für AIG summieren sich bisher auf rund 150 Milliarden Dollar.

Am Rand des Abgrunds

AIG wolle seine Bilanz für 2008 in der nächsten Woche vorlegen, berichtete der Sender. Zuvor solle am Wochenende der Verwaltungsrat der Bank zusammenkommen, um eine neue rettende Vereinbarung mit der Regierung zu besiegeln. Milliardenverluste aus riskanten Finanzgeschäften hatten AIG an den Rand des Abgrunds gebracht. In vier Verlustquartalen in Folge fuhr AIG zuletzt ein Minus von insgesamt 43 Milliarden Dollar ein.

 

Vorbereitung auf Insolvenz

Sollte es keine Einigung mit der US-Regierung geben, dann würden sich die AIG-Anwälte wohl auf eine drohende Insolvenz vorbereiten. Zwar gilt die AIG als ehemals größter Versicherer als "too big to fail" - also zu groß und wichtig, als dass der Staat sie in Konkurs gehen lassen würde. Darauf hoffte man aber bei den Lehman Brothers auch.

AIG stößt Geschäftsfelder ab

Um seinen Schuldenberg zu reduzieren, verkauft AIG derzeit viele Geschäftssparten:

  • Für seine Lebensversicherungssparte American Life Insurance hat der Konzern Bloomberg zufolge Gebote von MetLife und Axa erhalten.
  • MetLife biete vorläufig 11,2 Mrd. Dollar für die Sparte. Wegen der Krise könne das Gebot jedoch noch auf acht Mrd. Dollar schrumpfen, hieß es weiter. Das Axa-Gebot beziehe sich nicht auf das Japan-Geschäft und damit den größten Markt der Sparte.
  • Einzelne Abverkäufe sind schon gelungen: Unter anderem übernahm der deutsche Versicherungskonzern Münchener Rück vom US-Wettbewerber einen Spezialversicherer.

(Ag/Red.)

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