Voest: „Wir haben das Schlimmste hinter uns“

Die Linzer mussten im ersten Quartal einen Verlust hinnehmen. Allerdings war er geringer als erwartet. Bekräftigt wurde von Voest-Chef Wolfgang Eder auch der Ausblick auf das Gesamtjahr.

(c) Voest

Wien (jaz). Wirklich überraschend kommt der operative Verlust des Linzer Stahlkonzers Voest im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 (per Ende März) nicht. Die Analysten hatten allesamt ein Minus erwartet, und auch Voest-Chef Wolfgang Eder prognostizierte bereits Anfang Juli ein negatives Ergebnis in den ersten zwei Quartalen, „Die Presse“ berichtete. Überraschender war indes, dass der Verlust geringer war, als die meisten Analysten geschätzt hatten. So betrug das operative Ergebnis (Ebit) der Voest zwischen April und Juni minus 24 Mio. Euro. Die Analysten hatten mit einem negativen Ergebnis von bis zu 47 Mio. Euro gerechnet. Der Umsatz fiel gleichzeitig um 36 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro.

 

 

Dennoch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Voest einen drastischen Gewinneinbruch hinnehmen musste. Zum Vergleich: Im ersten Quartal des Jahres 2008 verdiente das Unternehmen operativ noch satte 357,7 Mio. Euro. Dennoch gab sich Eder bei der Präsentation der Zahlen optimistisch: „Viel hat letztlich nicht gefehlt, und die Voest hätte auch in diesem für die europäische Industrie schwierigsten Quartal der letzten Jahrzehnte noch ein positives operatives Ergebnis ausgewiesen.“

 

Gesamtjahr auch netto schwarze Zahlen

Bekräftigt wurde von Eder auch der Ausblick auf das Gesamtjahr. „Wir haben das Schlimmste bereits hinter uns. Im Gesamtjahr werden wir nicht nur das operative Ergebnis ins Plus drehen, sondern auch beim Jahresüberschuss zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis haben“, so Eder. Grund für diese erwartete Verbesserung ist einerseits eine „erste Stabilisierung“ bei Preisen und nachgefragter Menge – eine wirkliche Trendwende sei aber noch nicht in Sicht. Andererseits würden die starken Kosteneinsparungen im Rahmen des konzernweiten Krisenmanagements helfen.

Dabei reduzierte die Voest auch zuletzt wieder ihren Personalstand. So sank die Zahl der Stammmitarbeiter (ohne Lehrlinge) per Ende Juni gegenüber dem Vorjahresstichtag um rund 2000 Personen. Inklusive der Leasingmitarbeiter beschäftigt die Voest nun knapp 4000 Personen weniger. Zudem befinden sich über 11.000 Mitarbeiter auf Kurzarbeit. „Ich gehe aber davon aus, dass wir die Kurzarbeit im Herbst nicht im bisherigen Umfang weiterführen müssen“, so Eder. Allerdings gäbe es im Frühjahr 2010 noch einmal die Gefahr eines „Rückschlages“, sollte die Konjunktur doch noch einmal nachgeben.

An der Börse wurden die Quartalszahlen der Voest am Vormittag mit einem deutlichen Plus honoriert. Nach Gewinnmitnahmen schmolz dieser Gewinn aber wieder weitgehend zusammen. Wie es weitergeht, darüber sind sich die Analysten uneinig: Sechs sagen „kaufen“, sieben „halten“ und sieben „verkaufen“.

AUF EINEN BLICK

Die Voest musste im ersten Quartal ein operatives Minus (Ebit) von 24 Mio. Euro hinnehmen. Im Vorjahr konnte der Stahlkonzern zwischen April und Juni (das Geschäftsjahr endet am 31. März) noch einen Gewinn von 357,7 Mio. Euro erzielen. Der Umsatz fiel um 36 Prozent auf 2,1 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr wird aber ein Gewinn erwartet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2009)

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