Immoaktien: Höhenflüge nach dem Absturz

Anleger konnten heuer ihr Geld vervielfachen. Kurzfristig sind Rückschläge möglich, meinen Analysten.

(c) Die Presse (Fabry Clemens)

Wien. Viele Anleger, die in den vergangenen Jahren ihr Geld in Immobilienaktien gesteckt haben, sind sehr schlecht damit gefahren. Wer dagegen in den letzten Monaten zugeschlagen hat, konnte sein Geld oft vervielfachen. Die extremsten Sprünge vollzog die Immoeast-Aktie: Wer 100.000 Euro in diese Papiere gesteckt hat und sie bis dato gehalten hat, hat jetzt zwischen 30.000 Euro und 1,5 Millionen Euro (je nachdem, ob er sich zum Höchstpreis Anfang 2007 oder zum Tiefststand im November 2008 eingedeckt hat).

Bei der Immoeast hatten viele mit einer Pleite gerechnet. Bei anderen Titeln, etwa der Conwert, war das kaum der Fall. Doch auch die Conwert-Aktie ist von ihrem Höchststand bei 18 Euro auf unter drei Euro abgesackt. Inzwischen kostet sie wieder fast neun Euro: Als der Wohnbauentwickler am Mittwoch seine Halbjahreszahlen bekannt gab, schnellte der Kurs um zeitweise zehn Prozent in die Höhe. Und das, obwohl der Nettogewinn je Aktie im Jahresvergleich um zwei Drittel auf 17 Cent eingebrochen ist.

Für positive Überraschungen sorgten die Preise, die bei Immobilienverkäufen erzielt wurden: Sie lagen um 16 Prozent über den Buchwerten und um 27 Prozent über den Investitionen. Die Anleger begrüßten auch, dass die Abwertungen von Immobilien in der Bilanz mit 3,1 Mio. Euro gering ausfielen, meint RCB-Analyst Reinhard Ebenauer.

 

Gewinnmitnahmen möglich

Er rechnet damit, dass die jüngsten Kursgewinne bei den Immobilienaktien nachhaltig sind. Kurzfristig könnte es aber zu Gewinnmitnahmen kommen (die Immoeast-Aktie etwa rutschte in den vergangenen beiden Tagen um fast sieben Prozent ab), auf Jahressicht sollten die meisten Titel aber weiter zulegen können.

Mehrere Faktoren weisen darauf hin, dass das Schlimmste ausgestanden ist:
•Einige Immobilienmärkte– etwa der Londoner Büromarkt– beginnen bereits wieder nach oben zu drehen. In Osteuropa, vor allem in Russland oder der Ukraine, dürfte die Krise zwar noch längst nicht ausgestanden sein, viele Investoren sehen aber gerade in diesen Märkten langfristig gute Chancen.
•Die jüngste Erholung des Bankensektors nährt die Hoffnung, dass Finanzierungen billiger werden, Immobilien leichter erworben und Projekte leichter realisiert werden.
•Alle Immobilien-Aktien an der Wiener Börse (Immoeast, Immofinanz, CA Immo, CA Immo International, Conwert, Eco Business, Sparkassen Immobilien, Warimpex und Atrium) notieren unter dem Wert ihrer Immobilien (dem „Net Asset Value“, NAV). Studien zeigen, dass Kurs und NAV bei Immobilienaktien langfristig gleichziehen. Freilich wird der NAV von Gutachtern festgestellt und kann nach unten rutschen, etwa dann, wenn die Unternehmen weitere Abwertungen von Immobilien vornehmen müssen. Der Markt rechnet aber offenbar damit, dass das Schlimmste vorbei ist.

AUF EINEN BLICK

Immobilienaktien haben in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt.
Von ihren Höchstständen sind die meisten Titel, die an der Wiener Börse notieren,
aber noch weit entfernt. Analysten rechnen auf Jahressicht mit einer weiteren Erholung. Kurzfristig könnte es aber zu Gewinnmitnahmen kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2009)

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